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Die 10 Denkgebote

Es ist erschreckend wie sehr die Menschen, wegen fehlender Aufklärungsbereitschaft und Unwissen, aber auch Ignoranz, zeitgeistigen Paradigmen und ideologischer Weltanschauungen, am Richtigen oder besser: an Richtigerem vorbeidenken und vorbei-argumentieren. Das erkennbare, kollektive Fehlen spezifischen Wissens über die Abgründe, Gefahren und Konsequenzen der Kommunikation führt immer wieder, wegen des egozentrischen und egoistischen Urteilens und Wertens über Andersdenkende, zu Missverständnissen und allzu oft zu tragischen Konflikten.

Dabei ist es im Kern ganz einfach, wenn diese grundsätzlich notwendigen Randbedingungen des voraussetzenden Denkens zur Kommunikation, zum Urteilen und Handeln - nennen wir sie ruhig »Die 10 Denkgebote« - kennt und beachtet.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]

1. Die Mär vom vollständigen Denken
2. Der zureichende Grund
3. Das wissenschaftliche Sparsamkeitsprinzip
4. Identität und Differenzierung
5. Sprachkritik und Verortung
6. Sprache versus Modell
7. Eindimensional codiertes Denken
8. Die vier Schranken der Erkenntnis
9. Der Kategorische Imperativ
10. Die Mär von der Universalrealität
11. Epilog



1. Die Mär vom vollständigen Denken [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

das »Gödel’sche Unvollständigkeitsprinzip« und/bzw. der soziologische (Luhmann’sche) »Blinde Fleck«, als Folge der prinzipiellen Unmöglichkeit wahrzunehmen, was wir nicht wahrnehmen (können), dazu führt, dass wir immer geneigt sind so zu tun, als wenn wir etwas vollständig oder ausreichend erfasst haben, Kenntnis darüber haben und/oder in der Lage wären dieses vollständig kommunizieren zu können:

Du sollst dein eigenes Denken und das darauf begründete Kommunikationsverhalten deshalb mit gebotener Vorsicht nur als »wahrscheinlich richtig« und nicht als geglaubte, finale Aussage der in diesem Sinne oft zu hörenden, sprachlichen Entgleisung »Ich glaube dass ...« ansehen. Im wissenschaftlichen Bereich, wo es definitiv nicht um individuelle Weltsichten geht, hat eine solche einleitende Formulierung nichts verloren. Auch eine Überzeugung kann grundsätzlich nur relativ und wenn überhaupt, dann nur temporär zum momentanen Zeitpunkt für eine Zeitspanne als richtig angesehen werden, weil sie falsifizierbar bleiben muss. Besser wären die Einleitungen »Ich denke dass ...« oder »Ich halte es für sehr wahrscheinlich dass ...«, da sie von vorn herein ergebnisoffener klingen. Dieser kommunikationsdynamische Fakt darf in seinen gruppendynamischen Konsequenzen nicht unterschätzt werden. Der ausgesagte Glaube als alltäglich wahrgenommener Bedeutungsakt finaler, also ergebnisverschlossener, Überzeugung hat in der Wissenschaft genauso wie der dogmatisch überstrapazierte Begriff »Wahrheit« prinzipiell nichts zu suchen! Letzterer wäre durch »wahrscheinliche Richtigkeit« zu ersetzen.


2. Der zureichende Grund [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

die »Vier logischen Denkgesetze« insbesondere das vierte Gesetz vom »Zureichenden Grunde« konsequent in unser Denken einzubeziehen sind:

Du sollst immer daran denken, dass alle deine Thesen, die dein Weltbild ausmachen, immer auf einem allgemeineren Grund basieren müssen bzw. von einem solchen abzuleiten und damit begründet sind. Wenn du das nicht tust, dann befindet sich deine These nur als Behauptung sozusagen bezugslos im Nichts und wird genau dadurch zu einem Glauben, der mit der Realität der Welt vor deinen Sinnen nichts zu tun hat. Du sollst also deine Weltanschauungsgrundlagen und alle deine Einstellungen und Äußerungen daraufhin prüfen, damit deine Thesen toleriert, im besten Falle akzeptiert und als »wahrscheinlich richtig« verstanden werden können.


3. Das wissenschaftliche Sparsamkeitsprinzip [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

das »wissenschaftliche Sparsamkeitsprinzip«, auch »Ockhams Rasiermesser« genannt, eine wichtige, wertvolle und notwendige Randbedingung ist, um eine Hypothese gegenüber einer anderen als die sehr wahrscheinlich richtigere und zutreffendere herauszufinden:

Denke immer daran, dass dein persönlicher Tellerrand eben ein Rand ist und dass es dahinter grundsätzlich weiteres gibt. Prüfe alle deine Hypothesen daraufhin, ob es auch andere Hypothesen dazu gibt oder geben könnte. Wenn es solche gibt, dann prüfe, wenn möglich gemeinsam und sachlich mit dem Vertreter der anderen Hypothese, welche Hypothese in ihren Aussagen die geringere Anzahl an Annahmen macht, überbestimmt ist oder gar unelegante oder mystische Annahmen benutzt, die eigentlich nicht zusätzlich notwendig sind. Wenn es keine solche gibt, dann prüfe, ob deine Hypothese selbst auf zusätzlichen, nicht notwendigen oder gar uneleganten Annahmen, Zirkelschlüssen oder Tautologien beruht, also den Vier logischen Denkgesetzen widersprechen und die damit den eigentlichen Kern deiner Hypothesen überstrapazieren und/oder überdefinieren.


4. Identität und Differenzierung [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

erst die dreifache Differenzierung zwischen Bezeichner, dem damit Bezeichneten und der zugeordneten Bedeutung dazu führt, die vorhandenen Widerspruchmomente aufzulösen, um damit den wahrscheinlich richtigen Kern einer Entität erkennen zu können:

Es soll dir immer bewusst sein, dass das damit einhergehende, übliche Hinnehmen des dreifachen Für-identisch-Haltens zwischen Wissen, Wahrnehmung und dem vermeintlichen »so-sein« (der Essenz) einer Entität, deinen Blick für analytisches und methodisch richtiges Kategorisieren und Erklären - als Voraussetzung für sinnreichende Erkenntnis - aus Prinzip vernebelt. Wenn du das nicht tust, dann erscheinen zwangsläufig Widerspruchsmomente zwischen deinen Hypothesen und der erkennbaren Wahrnehmung einer betrachteten Entität, die somit grundsätzlich unauflösbar sind. Du wirst mit einem solchen Denken nicht an die Erkenntnis gelangen, dass unsere innere, wahrnehmbare Wirklichkeitsausprägung etwas ganz anderes ist, als die ontologisch betrachtete »Realität vor den Sinnen« und wiederum was ganz anderes, als eine epistemische Theorie darüber. Erst durch das Differenzieren systemimmanenter, spezifischer Realitäten, die eine betrachtete Entität in den drei differenzierbaren Ebenen jeweils als individuelle Systeme ausmachen, fügt sich alles wieder zu einem ganzheitlich konsistenten und Widerspruchsmoment-freien, deckungsgleichen (kongruenten) Ganzen zusammen. Erst durch das »Nicht-Hinnehmen der Worte an Realität statt« wirst du die Erkenntnis erlangen, dass deine Hypothesen notwendig, wenn auch noch nicht unbedingt hinreichend sinnvoll und nur wahrscheinlich richtig sind.


5. Sprachkritik und Verortung [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

deine/jede Sprache durch drei grundsätzliche Probleme gekennzeichnet ist:

Du sollst dir immer bewusst sein, dass deine Sprache:

1.) - grundsätzlich immer eine Stufe weiter von der eigentlichen Erscheinung entfernt ist die du beschreiben oder erklären willst, als ein Modell davon,

2.) - grundsätzlich durch deine Kultur, also deiner Gesellschaft mit ihrem Werteverständnis, konditioniert ist wenn du mit anderen redest, auch wenn du das an deinem eigenen Denken selbst kaum wahrnimmst und

3.) dass du mit endlichem Aufwand niemals vollständig argumentieren kannst und dass deine Aussagen damit immer einen Kompromisszwang zwischen Qualität und Quantität der Informationsvermittlung erfordern.

Sei deshalb auf der Hut mit alltäglichen Formulierungen und rein sprachlogischen Argumenten, die ganz schnell zu Missverstehen oder prinzipieller Ablehnung führen können, obwohl du wissenschaftliche oder ethische Akzeptanz erreichen willst. Versuche, so du die Hörbereitschaft eines Anderen erreicht hast, nicht rein verbal zu überzeugen, das funktioniert mit zunehmender Ferne zur anderen Kultur, Weltbild und Werteverständnis immer weniger. Führe alle deine Argumente ganz passiv auf reine aufklärende Information und so weit als möglich auf sprachunabhängige Modelle und weltweit bewährte syntaktische Regeln zurück und denke immer an den zureichenden Grund deiner Thesen. Lass das von deiner Sprache, Kulturverständnis und Wertesystem unabhängige Modell selbst wirken, denn nur so kann sich ein Anderer sein eigenes Bild davon machen, wie er mit deinen Thesen umgehen möchte und nur so wirst du relativ wahrscheinlich deine Thesen zumindest toleriert sehen.


6. Sprache versus Modell [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

die Sprache mit ihrem grundsätzlichen Sekundärvermögen aus Prinzip eine Stufe weiter von der/einer vermeintlich objektiven Wirklichkeit entfernt ist als ein Modell:

Du sollst dir immer bewusst sein, dass d/eine verbale Argumentation aus Prinzip kein kultur- und sprachunabhängiges Modell ersetzen kann, da sie sich noch eine Stufe weiter von der betrachteten Erscheinung entfernt befindet. Sprache ist plastisch und innig an ihre jeweilige Kultur gebunden. Da von Sprache unabhängige Modelle aber immer zwischen den von ihnen beschriebenen Entitäten und der Kultur-repräsentierenden, interpretierenden Sprache stehen, können sie von Menschen aus völlig differenten Kulturen problemlos als sinnvoll und akzeptabel erkannt werden. Reine sprachliche und somit kulturgeprägte Beschreibungen und Interpretationen über Entitäten stoßen deshalb sofort auf Ablehnung, weil sie Erstens ganz schnell wie eine reine Behauptung wahrgenommen werden und Zweitens mittelbar und was viel schlimmer empfunden wird: scheinbar auch die kulturelle Identität des Hörers in Frage stellen. Deshalb versuche immer, so ein Modell für das Betrachtete verfügbar ist, die zu vermittelnde Hypothese durch modellare Bilder und Formalismen darzustellen und zu untermauern. Sprache darf in solchen Situationen nicht aktiv argumentieren, sondern nur passiv beschreiben, was ein potentes, sprachunabhängiges Modell zu erfassen in der Lage ist, wenn du verstanden werden willst.


7. Eindimensional codiertes Denken [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

das eindimensional codierte Denken in »entweder-oder«-Kategorien erkenntnistheoretisch grundsätzlich keine Widerspruchsmomente auflösen kann:

Du sollst immer versuchen dich nicht am Ende oder zwischen zwei sich widersprechenden Thesen oder zweier Endpositionen eines Widerspruchsmoments festzubeißen, auch wenn das dein Diskurspartner tut, denn so kann grundsätzlich niemand eine Lösung erkennen. Auch eine Kompromisssuche oder der Versuch »schwächerer Lesarten« der Problematik auf der eindimensionalen Linie zwischen den Extrempositionen können ein Widerspruchsmoment grundsätzlich nicht aus der Welt argumentieren. Das ist ein weitestgehend unverstandenes, erkenntnistheoretisches Problem! Nur durch den Versuch das »horizontale«, eindimensionale Denken zu durchbrechen, indem du »vertikal« - in einer zweiten Dimension denkend, - nach dem zureichenden Grund suchst, aus dem heraus beide spezifischen und spezialisierten Ansichten ihren gemeinsamen Nenner finden, hast du eine Chance den gemeinsamen Kern zu finden. Nur »dort« wirst du erkennen können, wie du die beiden Argumentationssysteme differenzieren musst, um die jeweilige spezifische, individuelle Richtigkeit scheinbarer innerer Widersprüche zwischen den Positionen einheitlich zu lösen. Nur »dort« zeigt sich das gemeinsame, allgemeinere System, also der zureichende Grund, aus dem beide spezialisierten Aussagesysteme durch ihre spezifische Abgrenzung spezialisiert hervorgegangen sind. M.a.W.: Widerspruchsmomente sind rein menschengemacht! Sie bestehen nur in den differenten Wahrnehmung unserer inneren Wirklichkeiten, und sind kein Fakt in der Natur der Dinge vor unseren Sinnen.


8. Die vier Schranken der Erkenntnis [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

unser Denken grundsätzlichen vier wichtigen Schranken unterliegt. Du sollst immer versucht sein, diese vier Schranken deines Denkens zu kennen und in dein Denken und Verhalten einzubeziehen, um etwas bescheidener, aber auch kompetenter, zu wirken.

a) Das unbemerkte Hinnehmen der Dinge in ihrem vermeintlichen So-Sein (ihrer Essenz):
Du sollst deine Thesen und Hypothesen, auch wenn du noch so überzeugt bist, unablässig nach Verhaltensakten ergebnisverschlossenen Glaubens, zeitgeistigen Paradigmen, Mythen und Dogmen durchforsten und hinterfragen, da sie dein Denken und Urteilen unbemerkt behindern. Suche und erkenne die zureichenden Gründe, damit du nichts in seinem vermeintlichen »so-sein« nur kritiklos hinnimmst. Wenn du somit ein Paradigma erkannt hast, aber nicht weißt, wie die Alternative aussehen könnte, so hast du zumindest den Beleg für die nur temporäre Gültigkeit deines Wissens erkannt und bietet dir die Chance zu weiterer Erkenntnis.

b) Das prinzipielle Nichtbemerken fehlender Wahrnehmung:
Erkenne, dass du, so wie jedes Lebewesen aus neurologischen Gründen, prinzipiell nicht in der Lage bist introspektiv wahrzunehmen, dass du etwas nicht wahrnimmst! Darum sollst du auch mit deinen eigenen Gedanken und den Gedanken anderer immer tolerant umgehen und dich nicht an liebgewonnenen Thesen festbeißen.

c) Das individuelle, egozentrische Denken:
Erkenne bewusst, wenn und wann du aus deinem eigenen, inneren, Ich-Standpunkt heraus über Andere oder Anderes urteilst und nimm dich zurück. Dieses überhöhte, egozentrische Urteilen ist wiederum der Urgrund von unerkannter Subjektion, also dem ergebnisverschlossenen Glauben an den eigenen, exklusiven Zugang zu vermeintlich finalen Wahrheiten.

d) Das zentralistische Gruppen-Denken:
Bedenke, wie sehr das zentralistische Denken: „Wir sind der Mittelpunkt allen Seins und haben die exklusive Definitionshoheit über die Gegebenheiten der Natur.“ zu tragischen Prozessen gegen die Aufklärer der Geschichte und bis heute wieder zunehmend zu blutigen Konflikten geführt hat. Versuche dieses Denken bewusst zu erkennen und zu vermeiden. Auch wenn wir das in unserer heutigen Wissensgesellschaft weit überwunden »glauben«: Diese Hybris ist in vielen öffentlichen Diskursen immer noch mittelbar und abstrakt vorhanden. Sich und das eigene, gesellschaftlich-kulturelles Umfeld, sowie die darin verankerte Weltanschauung, als den Nabel der Welt anzusehen, ist heute leider wieder auf dem Vormarsch, wie das an jedem ideologisch radikalisierten Fundamentalismus, aber auch in unserer Parteienlandschaft festzustellen ist: Das eigene Weltbild wird exzessiv und allzu oft aggressiv über das der Andersdenkenden gestellt. Diese vierte Denkbeschränkung führt zu den inhumansten Erscheinungen auf unserem Erdenrund!


9. Der Kategorische Imperativ [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

der Kannt’sche Kategorische Imperativ aller modernen Kritik eine immer noch sehr denkwürdige und ethische Grundlage unseres Denkens, Wertens und Handelns sein muss:

Du sollst immer daran denken, wie es der Volksmund sagt: »Was du nicht willst, was man dir nicht tu’ das füg’ auch keinem anderen zu.« Der bekannte deutsche Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) formulierte diesen Kategorischen Imperativ so: »Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« und wollte damit den individuellen Willen, als Voraussetzung des Handelns, als eine allgemein »nicht schädigende und bewusste Kontrollinstanz« zum Ausdruck bringen. Kontrolliere allzeit auch dein Denken genau nach dieser Maxime, wenn du über Andere urteilst und mit ihnen kommunizierst. Versuche auch alle deine Hypothesen danach auszurichten und so vorzuformulieren, damit du nicht Gefahr läufst deine Argumente ethisch unfair zu formulieren und anderen damit zu nahe zu treten. Damit wirst du die höchstmögliche Toleranz auch zu deinem Denken und Verhalten erfahren.


10. Die Mär von der Universalrealität [Inhaltsverzeichnis]

Objektives, tolerantes und respektierendes, ethisch faires Denken als Grundlage zu humanen Werten und damit einhergehend zu gemeinsamem existenzsicherndem Handeln soll geprägt sein von dem bewussten Wissen, dass:

die selbst wahrgenommene Wirklichkeit grundsätzlich nicht als universal gültige Realität angesehen werden kann und darf:

Du sollst immer daran denken, dass deine von dir wahrgenommene, innere Wirklichkeit allzu leicht eine egozentrische Wahrnehmung ist. Sie ist keine universale Realitätsausprägung, die dich und deine innere Wahrnehmung mit der Welt vor deinen Sinnen zu einem universalen Wahrheits- und Realitätsgemengebrei macht: Es gibt keine Universalrealität und auch nicht »Die Wirklichkeit«, und beide werden permanent verwechselt Dieses leider übliche, undifferenzierte Denken ist kaum bekannt. Es ist ein unrichtiges Paradigma mit fatalen Konsequenzen und wirft ein deutliches Licht auf unseren kollektiven, erkenntnistheoretischen Unverstand.

Weiterhin neigen wir leider auch andauernd dazu, »diese Universalrealität« bzw. unsere dazu als identisch erachtete, eigene, individuelle Wirklichkeit, gegen eine andere aufzuwiegen und somit als universale, exklusive Wahrheit zu deklarieren. Auch darin liegt ein sehr interessantes und weitestgehend unbekanntes Widerspruchsphänomen: Auf der einen Seite unterstellen wir eine bzw. die »universalreale Wirklichkeit« und auf der anderen Seite urteilen wir permanent über Andere und Anderes nach dem Motto: „Meine Realität ist realer als deine!“ - und genau das ist letztlich der eigentliche Urgrund aller menschlichen Konflikte!

Sei dir also immer bewusst, dass des anderen Wirklichkeit, und erscheint dir diese noch so absurd, definitiv und tatsächlich eine für diesen Anderen völlig normale und richtig erscheinende Wirklichkeit ist. Dieses hohe, ethisch faire Denken enthebt uns nicht a priori der Möglichkeit uns jederzeit neu zu entscheiden, ob wir uns wehren sollen oder müssen, oder ob es darum geht wissenschaftlich rational zu denken, weil es um die Sache geht und nicht um uns. Jede systemindividuelle Realität ist genau diese Realität, die, als Summe der inneren Entitäten und Strukturen eines betrachteten Systems, widerspruchsfrei zu diesem System gehört, denn: Kein System, auch kein Denk- bzw. Weltanschauungssystem, ist »in sich«(!) widersprüchlich, sondern allerhöchstens unvollständig!


Epilog [Inhaltsverzeichnis]

Es ist schon fast »einen weltweiten Skandal« zu nennen, dass in der heutigen Zeit wohl die meisten, sich selbst als aufgeklärt überzeugten Politiker, aber auch sehr viele Wissenschaftler, die Einbeziehung dieser notwendigen und weitestgehend hinreichenden, erkenntnistheoretischen Grundregeln des Denkens grundsätzlich und geflissentlich vermeiden oder erst gar nicht kennen, und wirft ein entsprechendes Licht auf die Denkkulturen dieser Welt.

In diesem Zusammenhang noch eine denkwürdige Tatsache: Der seltsame, weil extrem unbekannte Unterschied zwischen Moral und Ethik! Wenn man jemanden fragt, was er denkt, um was sich Moral oder Ethik kümmert, dann wissen es die meisten Menschen nicht explizit, obwohl sie meistens nur mit dem Begriff »Moral« argumentieren. Es ist festzustellen und offenbar, dass alle Gesellschaften auf dieser Welt, gerade die Politiker, hauptsächlich in Moralkategorien, gepaart mit dem üblichen Wertungsverhalten »Meine Realität ist realer als deine!«, denken und werten. Da sich Moral in aller Regel aber rein auf egoistischer und gerade egozentrischer Definitionsbasis um »Gut und Böse« kümmert, führt das immer wieder zu entsprechenden Vorverurteilungen Andersdenkender. Das schafft Feindbilder mit tragischen Folgen! Man braucht sich nur den globalen Brandstifter und arrogant-überheblichen Egozentristen Trump, Erdogan, Putin, Orban, Kaczynski, Kim Jong Un, Assat, Netanjahu, sowie die vielen diktatorisch-autokratischen Regime anzuschauen. Das weitreichend nicht bekannte oder hinsichtlich der Konsequenzen unbewusste Problem ist, dass es ein moralisierendes »Das Gute an-und-für-sich « und »Das Böse an-und-für-sich« nicht gibt. Insofern ist dieses Denken wieder einmal der Grund unfairen, also unethischen Verhaltens im Vorfeld zu daraus möglichen, offenen Konflikten, wie es die Weltgeschichte zeigt. Es wäre also grundsätzlich besser, wenn wir alle endlich anfangen würden nicht in moralischen, sondern in ethischen Kategorien zu denken und zu urteilen, denn die Ethik kümmert sich um »fair und unfair«. Moral grenzt aus und Ethik verbindet. Wir Menschen haben ein untrügliches Gefühl, wenn wir unfair, also kränkend, behandelt werden! Ethik ist demnach ein absolutierbares Verhaltensmaß, wohingegen »Moral« ein relatives Urteilsmaß ist. Noch nie hat ein Machtmensch geäußert: „Ich bin der Böse und ihr seid die Guten.“, denn das wäre bestimmt überliefert worden.

Das Denken in Moralkategorien wird in kriegerischen Konflikten oftmals noch mit einem »Gott mit uns gegen den [bösen] Feind.« argumentativ unterlagert. Damit wurden und werden alle Kriege, auf allen Seiten, bis heute mit der üblichen Immunisierungsstrategie als »heilige (unantastbare) Richtigkeit« der Kritik entzogen und begründet. Diese Wirkung verstehend, ist ein Denken und Werten in ethischen Kategorien die grundsätzlich humanere Wahl im intergesellschaftlichen und interkulturellen Raum auf unserer in jeder Hinsicht immer enger werdenden Welt. Grundsätzlich sollte, wie es der bekannte Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon in seinem Buch »Manifest des evolutionären Humanismus« ausdrückte, die Argumentation »Gott mit uns!« keine Ehrfurchtsverhalten erzeugen, sondern kollektive Lachsalven hervorrufen. Dann würden sich die entsprechenden Politiker wohl rationaler verhalten und diese inhuman moralisierende und vorverurteilende Einfalt (vielleicht) endlich ablegen.

Diese Argumentation mag zwar unterkomplex sein, aber das Leben lehrt uns diesen offenbaren Verhaltenszustand in der menschlichen Gemeinschaft.