Platon
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Einführung in die Systemtheorie (Systematik)

Die Systemtheorie stellt ein wichtiges Basiswerkzeug zur analytischen Betrachtung der Welt dar. Sie ist grundlegendes Ordnungsschema allen Seins und unbedingte Voraussetzung zum tieferen Verständnis (nicht nur) der in Philoreal vorgestellten Thesen!

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]

1. Einleitung
2. Forderungskatalog
3. Notwendige Begriffe, Definitionen und Voraussetzungen
    3.1 Zum Begriff »Systematik«
    3.2 Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit
    3.3 Erkenntnis
    3.4 Sein versus Existenz
4. Das System
    4.1 Klassifikation
    4.2 Merkmale und Attribute
5. Systemisches Ordnungsschema der Disziplinen
6. Die statische Systematik
    6.1 Das Modell
    6.2 Mathematische Grundlage
        6.2.1 Die Entität
        6.2.2 Der systemische Wert
    6.3 Realität
    6.4 Der Fundamentalsatz der Systematik
7. Die dynamische Systematik
    7.1 Die Elementargenesen 1. Ordnung
    7.2 Die Elementargenesen 2. Ordnung
8. Konstruktive Konsequenzen aus der Systematik
    8.1 Was ist Realität
    8.2 Eindimensional codiertes Denken
    8.3 Sprache und Modell
    8.4 Was ist Ethik
9. Fazit
10. Quellen
11. weiterführende Literatur



1. Einleitung [Inhaltsverzeichnis]

Es stellt sich schon von jeher die Frage, wie kann man alles Sein mit einer einheitlichen Theorie erfassen und auf grundlegende Zusammenhänge zurückführen. Im 19. und 20. Jahrhundert sind unter der Bezeichnung »Systemtheorie« aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen heraus Modelle entstanden, die aus der heutigen Sicht deutlich wesensverwandt sind. Diese Wesensverwandtschaft ist unabhängig zu den Disziplinen selbst und zeigt grundlegende Elemente gleicher Zusammenhänge. Sie wurden jeweils für ihren spezifischen Gültigkeitsbereich formuliert. So ist eine der ersten Systemtheorien in der Biologie entstanden. Beim analytischen Zerlegen biologischer Systeme verliert ein solches automatisch eine der wichtigsten Erscheinungen was ein biologisches System ausmacht: das Leben selbst. Nur über den Ansatz ein biologisches System als ein System ganzheitlich zu betrachten, ohne den analytisch differenzierenden Aspekt aus den Augen zu verlieren, war die Biologie in der Lage fundierte und moderne Erkenntnisse zu erlangen. Charles Darwin (1809-1882) kann wohl als Vorreiter der biologischen Systemtheorie angesehen werden, da er die Biotope bestimmter von ihm besuchter Inseln (u.a. die Galapagos-Inseln) als abgegrenzte Systeme und die darin entstandenen Arten als Subsysteme erkannte sowie als erster das bilateral wirkende Prinzip von »Anpassung oder Auslese« als Evolution formulierte [1].

Der Gedanke, alle (beliebige) Erscheinungen durch systemische Differenzierung, also abgrenzbare Bereiche elementarer Zusammenhänge und Beziehungen, zu unterscheiden, ohne dabei den ganzheitlichen Aspekt zu verlieren, nutzte schon der bekannte griechische Philosoph Platon (427-347 v.d.Z.) als wichtige Grundlage zur Beschreibung des Seins. Speziell in seinem Höhlengleichnis [2] kam genau das zum Ausdruck, was ohne ein solches Denken nicht analysiert werden konnte/kann: Der in allen Bereichen erkennbare, grundlegende Widerspruch zwischen unserer Realitätserfahrung und dem logisch analytischen Erklären, wenn man das Sein tiefer hinterfragt.

Der Begriff »Allgemeine Systemtheorie« geht auf Ludwig von Bertalanffy (1901-1972) zurück. Er versuchte als erster auf der Grundlage des methodischen Holismus gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen zu finden und zu formalisieren [3]. In neuerer Zeit wurde neben der Biologie u.a. auch aus der Regelungstechnik bzw. Kybernetik [4], dem Programmieren von Computerprogrammen (objektorientiertes Programmieren) und sogar aus der davon weit entfernten Disziplin der Gesellschaftswissenschaften (Soziologie, Niklas Luhmann (1927-1998) [5]) Systemtheorien beschrieben.
Auch wenn die Kybernetik, wie sie 1948 von Norbert Wiener (1894-1964) vorgeschlagen wurde [6], nie ausdrücklich auf die Systemtheorie verwiesen wurde, war das Systemdenken von Anfang an prinzipiell eingeschlossen [7]. Bei näherem Hinsehen erkennt man darin jeweils spezifisch identische Elemente und Prinzipien. Aus all diesem Wissen erscheint es naheliegend, dass es eine bisher in ihrer Konsequenz unformulierte, gemeinschaftliche, grundlegend von den einzelnen spezifischen Disziplinen unabhängige und allgemeingültige Systemtheorie geben muss oder besser: formulierbar sein sollte. Ansätze hierzu gibt es, wurde aber bisher nicht konsequent weiterverfolgt.

Der Wert einer solchen Systemtheorie liegt u.a. in:

sowie last but not least und ganz wichtig:

Die hier vorgestellte »Systematik der Systemtheorie« ist deshalb nicht nur eine Zusammenfassung der bestehenden Systemtheorien, sondern stellt das grundlegende, universale und allgemeingültige Modell allen Seins dar. Dieses Modell soll unabhängig zur Art und Klasse eines betrachteten Systems in der Lage sein, alles Sein mit der gleichen theoretisch fundierten Grundlage interpretativ und mathematisch zu erfassen, zu beschreiben, einzuordnen und in strukturierte Beziehung zu Anderem setzen. Das ist die denkbar beste Basis alles Sein zu verstehen.

Um das zu erreichen, muss ein Mindestumfang an Forderungen erfüllt sein. Eine solche systematische Systemtheorie (»Systematik«) setzt natürlich voraus, dass alles Sein im Ganzen und in Teilen davon jeweils ein System ist bzw. als solches auf der immer wieder gleichen modellaren Grundlage beschrieben werden kann, wovon auszugehen ist. Jede Betrachtungsebene (einbettendes System - betrachtetes System - Subsystem/e) muss dabei den gleichen Bedingungen, Prinzipien und Genesen, kurz: dem gleichen Modell unterworfen sein. Dieses Modell ist somit per Definition allgemeingültig anwendbar und insofern vollständig. »alles Sein« ist damit ein Begriff, der in bezug auf die Systemtheorie im Universum absolut nichts außen vor lässt bzw. lassen darf. Hierzu zählt nicht nur das, was wir über unsere Sinne wahrzunehmen in der Lage sind, sondern auch das, was wir durch den Prozess zu Erkenntnis als Wissenssysteme über die »vor den Sinnen« befindlichen Systeme kennen. Wenn es etwas, also eine Entität geben sollte, die nicht mit dieser Systematik erfasst werden kann, dann ist sie unvollständig und damit nicht mehr allgemeingültig. Aber: Sie ist keineswegs falsch in ihrem bisherigen Definitionsbereich. Sie ist dann, so wie die vielen bisher bestehenden, disziplinär orientierten Systemtheorien auch, lediglich noch zu spezifisch formuliert nicht für alle betrachteten Systeme gültig. Nur deshalb ist sie nicht übertragbar auf andere spezifische Systeme und deren Modelle und Theorien. Da die Systematik aber aus eigener Definition heraus offen ist und sein muss für den weiterführenden Prozess zu Erkenntnis, kann sie dann auch weiter modifiziert und damit weiter verallgemeinert werden um unser Wissen und unsere Erkenntnisfähigkeit weiter in die Zukunft fortschreiben zu können.


2. Forderungskatalog [Inhaltsverzeichnis]

Damit eine wirklich universal gültige Systemtheorie auch als allgemeingültig gelten kann, muss sie weitestgehend vollständig sein. Dabei ist aber zu bedenken, dass absolute Vollständigkeit aus grundlegenden und auch aus eben systemischen Prinzipien nicht erreichbar ist: siehe hierzu unten »Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit«. Deshalb dürfen die aufgezählten Forderungen nicht als finale Erhebung verstanden werden: siehe unten »Erkenntnis«. Wie jedes System ist und muss auch die Systematik wandelbar und/oder anpassbar sein oder sie wird unbedeutend (Anpassung oder Auslese = Evolution). Sie muss selbst somit genau dem mutativen Wandel unterliegen, der in den Forderungen erhoben ist. Da ausnahmslos alles, in jeder denkbaren Ebene, ein System ist bzw. als solches betrachtet werden kann, muss auch die Systematik als Wissenssystem systemisch betrachtet werden (können!). Damit aber kein Zirkelschluss entsteht muss sie von außen(!) betrachtet dem gleichen Modell und den gleichen Prämissen unterliegen wie alle anderen Systeme auch, die durch sie erfassbar sind. Sie muss sich der Evolution beugen (können) und damit der Emergenz (siehe unten: emergieren) zugänglich sein. Der qualitative Unterschied zwischen dem Wissenssystem »Systematik« und den restlichen Systemen allen Seins ist ihre relativ höchste zu erreichende Allgemeingültigkeit bzw. Vollständigkeit.

Die »universale Systemtheorie« ist dadurch gekennzeichnet, dass sie:

  1. in der Lage ist, alle beliebigen, speziellen Systemtheorien als Sonderfälle in sich einzubetten;
  2. weitestgehend invariant ist zur Art ihrer Formulierung, da sie sich auf von Sprache unabhängige Modelle, Axiome und Prinzipien gründet;
  3. unabhängig ist von sprachlicher Logik und tautologischen Prinzipien;
  4. unabhängig ist von den kausalen Dingen und Zusammenhängen der erfahrbaren Wirklichkeit;
  5. frei sein muss von Dogmen und/oder überkommenen Paradigma;
  6. notwendig, hin- und sinnreichend ist;
  7. elementar und logisch ist;
  8. so formuliert und gestaltet ist, dass sie den Prozess zu Erkenntnis offen hält;
  9. mathematische Strukturen aufweist, die sich mit der Mathematik und der mathematischen Vielfalt unseres Wissens und unserer Welt zu einer umfassenden Theorie ergänzt;
  10. konsistent, homogen, werte- und wertungsfrei gegenüber allen seienden Systemen ist;
  11. innere Symmetrie und Standpunktunabhängigkeit zu allen seienden Systemen, Entitäten und Dingen aufweist, unabhängig ob diese evident, rational, kategorisch, hypothetisch, modellar oder wie auch anders sind;
  12. ausnahmslos alle seienden Systeme bzw. alles Sein einbezieht, egal ob diese evident, rational, kategorisch, hypothetisch, modellar oder wie auch anders sind;
  13. alle Systemklassen, die aus Punkt 12. abzuleiten sind, durch ein einziges, umfassendes und allgemein gültiges, mathematisch begründetes Modell(-system) beschreiben kann;
  14. unabhängig und invariant ist zu unserer wie auch immer individuell ausgeprägten Realitätserfahrung;
  15. offen und variant ist für zukünftige Erweiterungen und Modifikationen im Sinne des erkenntnistheoretischen Prozesses, ohne den sie ihren grundlegenden Charakter dieser Forderungen verlieren würde;
  16. sich an ihren eigenen Forderungen und Aussagen selbstreferent messen lassen können muss;
  17. integrativ wirkt auf bisher getrennte Zusammenhänge und damit der Erkenntnistheorie in Bezug auf Reduktionismus versus Ganzheitlichkeit (Holismus) eine wichtige Synthese ist;
  18. ausnahmslos alle wissenschaftlichen Disziplinen unter ein interdisziplinäres, ganzheitlich gedachtes und universales Gültigkeitsschema zusammenführen kann, auch wenn sich bestimmte Disziplinen so definieren, dass sie genau diesen Forderungen widersprechen und in solchen Fällen einem Universalanspruch nicht genüge tun.

3. Notwendige Begriffe, Definitionen und Voraussetzungen [Inhaltsverzeichnis]
3.1 Zum Begriff »Systematik« [Inhaltsverzeichnis]

Die »Systematik der Systemtheorie« oder kurz »Systematik« ist gekennzeichnet durch weitestgehende Vollständigkeit im Sinne einer auf weitestgehend alles anwendbaren Allgemeingültigkeit. Die gleiche weitestgehende Allgemeingültigkeit ist auch in der Mathematik begründet und wiederzufinden. Die Mathematik ist ausnahmslos die allgemeinste Grundlage aller Disziplinen und sei es nur zum Zählen oder in der Statistik. In Anlehnung an den Begriff »Mathematik« ist die Wahl des Begriffs »Systematik« naheliegend, da auch die Systematik die definitive und denkbar allgemeingültigste Seinstheorie ist.

Beide Bereiche, die Mathematik und die Systematik ergänzen sich somit auf der bisher allgemeingültigsten Ebene, denn die Mathematik ist erkennbar ursächlich systemisch strukturiert und die Systematik ist ursächlich mathematisch auf einem Modell begründet.


3.2 Vollständigkeit und Allgemeingültigkeit [Inhaltsverzeichnis]

Allgemeingültigkeit ist die unbedingte Voraussetzung einer Vollständigkeit im Sinne der übertragbaren Anwendbarkeit auf alles Sein. Diese Begriffe sind aber relative Begriffe. Es kann aus grundsätzlichen Erwägungen und natürlichen Prinzipien keine absolute Vollständigkeit in diesem Sinne geben. Schon wie der österreichische Logiker und Mathematiker Kurt Gödel (1906-1978) aus bestimmten Bereichen nachweisen konnte, dass es kein System gibt, das in sich vollständig sein kann, so ist dieses Prinzip natürlich ebenso in der Systematik begründet. Auch der deutsche Soziologe und Systemtheoretiker Niklas Luhmann hatte diese Erkenntnis. Er hatte den »blinden Fleck«, den jedes soziale und bewusste System unter Prinzip bei der Selbstbeobachtung innehat, erkannt, definiert und begründet [8]. Schon das berühmte Lügner-Paradoxon »Alles was ich sage ist unwahr!«, das dem Kreter Epimenides (7./6. Jh.v.d.Z.) zugeschrieben wird: »Alle Kreter sind Lügner! [9]« offenbart das Problem. Es zeigt die Unvollständigkeit innerhalb(!) eines Systems (hier das sprachlogische System) durch das prinzipielle systemische Unvermögen die auftretende Unlogik mit den eigenen, in diesem System verfügbaren Entitäten zu lösen.

Wenn also nichts oder besser: »kein System« in sich absolut vollständig sein kann, dann gilt das selbstverständlich auch für die Systematik, denn auch sie ist ein (Wissens-)System. Wenn damit aber alle erdenklichen Systeme erfasst werden können, dann ist sie die bislang relativ vollständigste, eben allgemeingültigste Theorie allen Seins.


3.3 Erkenntnis [Inhaltsverzeichnis]

Aus dem Vorstehenden ist abzuleiten: Es gibt aus natürlichem Prinzip kein finales Wissen! Aus mehrfacher Hinsicht ist demnach kein System als in sich vollständig beschreibbar oder einfachheitshalber hinzunehmen. Insofern ist auch jedes Wissenssystem niemals als finalisierbar anzusehen hinsichtlich seiner inneren Thesen und Theoreme. Die daraus folgende Erkenntnis ist, dass aus Prinzip niemand a priori ausschließen kann, dass es nicht doch weiterführende Erkenntnisse geben kann, die heute lediglich noch unbekannt sind. Es muss immer offen bleiben, ob es nicht noch Systeme geben kann, auf die bezogen die Systematik eben doch noch unvollständig ist in dem Sinne, dass sie für ein solches System immer noch zu spezifisch auf bisher Bekanntes ausgerichtet ist. Es kann von keinem Menschen ausgeschlossen werden, ob nicht doch noch Systeme bestehen, die wir noch nicht kennen. Vollständigkeit ist demnach immer ein relativer Begriff und führt zu dem Theorem, dass jedes aus dem Prozess zu Erkenntnis entstandenen Wissen unter Prinzip niemals finale Antworten auf die Dinge mit sich führen kann. Es ist immer nur ein andauernder Prozess zu Erkenntnis, der zu besserem und vollständigerem Wissen in die Zukunft führt! Damit ist Erkenntnis immer ein dynamisches Verhalten. Das dabei gewonnene Wissen unterliegt demnach, wie jedes beliebige andere System auch, immer der Evolution von entweder Wandel zu möglicher Anpassung oder Auslese.


3.4 Sein versus Existenz [Inhaltsverzeichnis]

Die Begriffe »Sein« oder »seiendes Sein« sind hier dem Begriff »Existenz« vorgezogen. Auch wenn »seiendes Sein« sehr geschraubt klingt, diese Formulierung ist konsequent und notwendig. Der Begriff »Existenz« hat, gerade wenn es um allgemeinste, also vollständigere Bedeutung geht, nur bedingte Gültigkeit. Er kommt von dem lateinischen »existentia« und bedeutet so viel wie »dasein« oder »hervortreten« und ist im üblichen Sprachgebrauch deutlich an eine raumzeitliche Vorstellung gebunden. Schon in der allgemeineren Quantenrealität und in der Quantenphysik kann das so nicht mehr gehalten werden und zeigt damit die Unvollständigkeit.

Existenz alleine als »da«-sein trennt sich vom »so«-sein, also der Essenz, vom lateinischen »essentia« kommend, ab. Unter der systemtheoretischen Betrachtungsweise ist es demnach besser, allgemeiner und somit vollständiger von »seiendem Sein« zu sprechen, denn auch »nicht Seiendes« ist ein zumindest bedeutbares Sein, das durch Existenz und Essenz so nicht erfasst wird. Der Begriff »seiendes Sein« ist damit allgemeiner und losgelöst von bestehenden Vorstellungen und die semantisch allgemeinst mögliche Erfassung von »Existenz« und(!) »Essenz«.


4. Das System [Inhaltsverzeichnis]
4.1 Klassifikation [Inhaltsverzeichnis]

Systeme lassen sich grundsätzlich in vier Kategorien unterscheiden:

Vier Systemkategorien

Diese notwendige und hinreichende Klassifikation verdeutlicht und definiert den Systembegriff gegenüber dem üblichen Gebrauch wesentlich umfangreicher, allgemeiner und damit vollständiger. Gerade der physikalische und naturwissenschaftliche Systembegriff deckt interessanterweise hauptsächlich nur den Bereich der natürlich evidenten Systemklassen ab. Der soziologische Systembegriff Luhmann’s den Bereich der natürlich rationalen und nur rudimentär den Bereich der beiden imaginären Systemklassen.

Insofern ist (als Nebenanmerkung) die Frage, ob eine bestimmte (spezifische) Disziplin der etablierten Naturwissenschaften alleine (also aus sich selbst heraus) in der Lage sein soll die Welt mit allem Sein vollständig zu beschreiben, eine extrem wichtige Frage, auch und gerade in Anbetracht der vorstehend beschriebenen, prinzipiellen Unvollständigkeit spezifischer, eben nicht allgemeingültiger (Wissens-)Systeme. In dem hier und mit dieser Systemtheorie geforderten ganzheitlichen Denken ist die Antwort entgegen der öffentlich wohl unreflektierten Meinung eher nein. Wie sollte z.B. auch die Physik, da sie u.a. doch das Leben und den Lebensbegriff (verständlicherweise) ausklammert das Universum mit einer Weltformel vollständig(!) beschreiben können?! Interessant in diesem Zusammenhang ist Stephen Hawkings öffentliches Eingeständnis unter Einbeziehung des von dem österreichischen Mathematikers und Logikers Kurt Gödel entdeckten und formulierten Unvollständigkeitstheorems [10] nicht mehr davon auszugehen, dass die Physik alleine in der Lage sein könnte diese Weltformel zu finden [11]. Oder wie sollte eine der vielen Systemtheorien, die spezifisch auf einer disziplinären Ausrichtung basiert, speziell die z.B. nur die soziologischen Systeme abdeckt, sich »allgemeine« Systemtheorie nennen, wenn auch hier offenbar nur ein spezifischer Teil der in unserem Universum befindlichen Seinsebenen aus den o.g. Systemklassen abgedeckt ist?!

Die hier aufgeführten Systemklassen sind vollständig insofern, da sie den kompletten(!) Bereich allen Seins abdecken und klassifizieren. Beginnend bei rein physikalischen Systemen über die soziologischen Systeme bis hin zu den imaginären Bewusstseinssystemen, die damit zunehmend das Leben als biologische, soziologische und bewusste Systeme mit einbeziehen, ergibt sich ein quasikontinuierlicher Weg vom Chaos der Materie bis hin zu höchster Ordnung in unserem Wissen. Diese Analogie lässt hier schon die Erklärbarkeit vermuten, warum überhaupt Ordnung aus Chaos entstehen kann.


4.2 Merkmale und Attribute [Inhaltsverzeichnis]

»System« vom griechischen »systema« bedeutet »das Gebilde, Zusammenhängende, Verbundene«.

  1. Ein System besteht in der alanytischen Sicht aus einem Rand, einem Systemkern, Systemelementen, sowie den beziehenden Strukturen dieser Elemente wie Signale, Botschaften, Energien oder Stoffen, die über den Rand von außen in das System eingetragen oder von diesem nach außen portiert werden.

    Systemische Elemente eines Systems

  2. Ein System ist eine definitive und berandete Menge von Entitäten wie unter Punkt 1. beschrieben, die in einem abgrenzbaren Bereich so zusammenwirken, dass dabei ein vollständiges, sinnvolles, zweck- und zielgerichtetes, notwendiges, hin- und sinnreichendes Zusammenwirken in funktionaloperativem Sinne (das Vollziehen des Seinsgrundes) darstellbar ist. Jede unter Punkt 1. genannte Eigenheit des Systems ist eine Entität oder Erscheinung.
  1. Ein System kennzeichnet sich durch sein Operieren: Es tut oder vollzieht etwas. Da der Begriff »Operieren« eine Quantität darstellt, besteht ein Operieren im Sondefall aus dem puren Seinszustand. In diesem Falle ist das vollziehende Tun als das erhaltende Bestehen seiner Art, Form, inneren Anordnung seiner Elemente, Strukturen und Zusammenhänge, sowie das Portieren seiner Erscheinung in seine externe Umwelt zu verstehen. Die Erscheinung ist dabei das prinzipielle »Stören« bzw. Verändern des Zustandes der einbettenden Umgebung schon durch sein bloßes Vorhandensein.
  1. Jedes System ist gekennzeichnet durch eine immanente (eigenschaftliche) Mathematischkeit, die das Vollständige, Sinnvolle, Zweck- und Zielgerichtete des Systems hinsichtlich seines Operierens bewirkt. Diese Mathematischkeit ergibt sich aufgrund der Strukturen und die dadurch in wechselwirkende und zuständliche Beziehung gebrachten Elemente und ist somit der wesentliche Grund der systeminneren Realität. Man kann auch definieren: Diese Realität ist im Grunde nichts Anderes als der Ausdruck des Wesenszuges mathematischer Eigenschaften und Zusammenhänge.
  1. Ein System ist operativ immer autonom, also selbstfunktional definiert, aber nie autark. Wäre es das, so würde es sich vom Rest des Seins so abgrenzen und strukturlos bzw. bezugslos sein insofern, dass es kein systemisch seiendes Sein repräsentieren könnte oder würde. Es wäre kein natürliches System mehr im evidenten oder rationalen Sinne. Insofern wäre ein solches System im holistischen Gesamtverbund aller Systeme oder allen seienden Seins, die/das das Universum ausmachen, nicht seiend, denn es wäre nicht notwendig und eine Beliebigkeit dazu.
  1. Systeminnere Elemente sind im Allgemeinen für und in sich betrachtet generell auch Systeme (Subsysteme). Wenn man ein System studiert, befindet man sich auf einer bestimmten gewählten Betrachtungsebene, da sich alle seienden Systeme in- und zueinander schachteln (siehe unten). Das, was ein Element als eingebettetes Subsystem des betrachteten Systems »in sich«(!) vollzieht, interessiert an dieser Stelle noch nicht, sondern nur, was es selbst in seine Umwelt operiert. Diese Umwelt ist das Innere des betrachteten Systems. Die operierten Entitäten stellen ein Teil der Strukturen zwischen den Elementen dar, die das betrachtete System aufbauen und zu einem solchen machen. Diese Systemhierarchie lässt sich nach »unten« fortsetzen. Ein betrachtetes Subsystem stellt sich wiederum für sein einbettendes System als Element dar, das aus dessen verfügbaren Entitäten durch spezifische Strukturbeziehungen hervorgeht. Das einbettende Systeminnere ist dann die Umwelt des betrachteten Subsystems oder Elements. Ein Element ist somit auch ein System, das von »außen« in seinem System betrachtet nur als solches erscheint, da es nicht weiter differenziert wird.
  1. Die Struktur zwischen den Elementen oder Subsystemen ist die eigentliche systembildende Komponente. Sie ist der Seinsgrund der Operationsfähigkeit eines Systems. Erst wenn sich die Systemelemente durch Strukturen aufeinander beziehen und dadurch spezifische Zustandsbeziehungen (im nichtphysikalischen, allgemeineren Sinne) generieren, entsteht das Operieren bzw. die Vollzugsfähigkeit eines Systems. Strukturen können passiv oder aktiv sein im Sinne ihres wechselwirkenden Operierens. »Wechselwirken« darf in diesem Zusammenhang aber nicht nur als das physikalische Wechselwirken in Raum und Zeit verstanden werden, sondern wesentlich allgemeiner als seiendes Zustandsprinzip der Strukturen im betrachteten System selbst. Als »wirken« ist in diesem Kontext schon das bloße zuständliche Vorhandensein einer strukturierten Beziehung zwischen zwei Elementen oder Subsystemen zu verstehen und geht damit über das rein physikalische und deshalb unvollständigere Wechselwirken hinaus.
  1. Ein System hat einen funktionaloperativen Bereich und somit einen Rand. Alles außerhalb dieses Randes liegende wird nicht betrachtet; ist nicht Teil des Systems, das sich davon abgrenzt. Der Rand ist im Allgemeinen nicht identisch mit einer Oberfläche oder einer materiellen Grenze, die ein System haben »könnte«, kann aber bei den natürlich evidenten Systemen schon damit gleich ausgebildet sein wie z.B. beim Stein. Der Rand ist eher metaphorisch zu verstehen als definierter, nicht räumlich anzusehender Bereich des umfassenden, systemischen Vollzugs, der sein Vollziehen gegenüber dem einbettenden System abgrenzt, das wiederum seine Umwelt darstellt.
  1. Ein System hat einen Kernbereich. Die mathematischen Zusammenhänge und Modellbeschreibungen eines betrachteten Systems führen in diesem Bereich immer zu definiert eindeutigen Lösungen. Mit steigender Nähe zum Rand hin zeigen Systeme generell eine steigende Unentscheidbarkeit, ob eine der Lösungen tatsächlich »dort« seiend ist im Sinne von »wahrscheinlicher, wirklicher und vorkommender Existenz« der ermittelten Lösungsentität. Dieser Zusammenhang gilt, wie kann es auch anders sein, für alle natürlichen Systeme sowie für deren imaginär kategorischen Modelle. Die immanente, aber zur Außenwelt differierende Mathematischkeit natürlicher Systeme ist der Grund des Seins des Systems und(!) seiner inneren Entitäten. In gleicher Weise gilt das zum einen für die Modelle, die den betrachteten Systemen kongruent gegenüberstehen, zum anderen aber auch für die durch diese Modellsysteme operierte Mathematik, die die spezifischen Entitäten des natürlichen Systems überhaupt erst berechenbar machen. Die Ergebnisse aber werden zum Rand hin zunehmend inkohärent zur beobachtbaren Realität des natürlichen Systems, denn die dieser Lösung entsprechenden Entitäten sind im natürlichen System nur noch mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit »dort« (man darf sich das nicht räumlich vorstellen!) anzutreffen. Der Systemkern ist demnach eine definierbarer Bereichsanteil des betrachteten Systems, der sich durch Eindeutigkeit seiner mathematischen Zusammenhänge und deshalb von hoher Wahrscheinlichkeit kennzeichnen lässt. So gesehen hat auch der Kernbereich einen (weichen) Rand, der hier aber nicht als Rand eines Systems verstanden werden darf. Er ist kein System in einem System, sondern lediglich ein Zustandsbereich immanent mathematischer Wahrscheinlichkeit, die nach »außen hin« quasikontinuierlich abnimmt.

Erläuterung: Ein mathematischer Ansatz kann mehrere Lösungen haben. Eine grundlegende und oft unbekannte bzw. unterschätzte Schwäche der Mathematik ist, dass sie in den Lösungen prinzipiell keine Information(en) trägt, ob bestimmte Lösungen aus dem Lösungsvorrat in der immanenten Realität des mathematisch betrachteten, natürlichen Systems, so auch als erfahrbare Erscheinungen vorkommen oder seiend sind, bzw. wie dieses Vorkommen in Relation steht zu den weiteren Lösungen. Auch das ist eine Art Unvollständigkeit, denn auch die Mathematik selbst ist ein Wissens- oder Modell-»System«. Vollständigkeit ist definitiv eine Implikation der Forderung nach Widerspruchsfreiheit und dieses Moment geht einher mit gerade den Weltsichten und Modellen, die sich innerhalb ihrer Systemränder einigeln und isolieren ohne ihre Außenwelt zu berücksichtigen. Der österreichische Mathematiker und Logiker Kurt Gödel erkannte und veröffentlichte im Jahre 1931, dass kein System »aus sich selbst heraus«(!) als »in sich widerspruchsfrei« bewiesen werden kann [12]. Er konnte zeigen und mathematisch belegen, dass diese Unvollständigkeit und die damit einhergehenden Widerspruchsmomente das absolute Prinzip eines beliebigen, isoliert in sich selbst betrachteten Systems sind. Erst wenn man die »Außenwelt« dieses Systems berücksichtigt, dann gelangt man zu einer Vervollständigung! Gödels Kernaussage war:

»In jedem, von außen betrachtet, in sich als widerspruchsfrei erkennbaren System sind Aussagen möglich, die alleine, auf der Basis der systeminternen Zusammenhänge logischer und/oder mathematischer Art, in sich selbst nicht bewiesen werden können. So kann ein [als von außen so erkannt] widerspruchsfreies System u.a. auch nicht die innerhalb seiner selbst formulierte Behauptung der eigenen Widerspruchsfreiheit beweisen.«

Es ist kaum nachvollziehbar und kaum zu verstehen, warum diese so fundamentale Erkenntnis in so gut wie allen Diskursen auf unserem Erdenrund ignoriert wird; ignoriert selbst von gestandenen Wissenschaften! Bezogen auf die Unvollständigkeit der mathematischen Lösungen hinsichtlich der fehlenden Information des so vorfindbaren Seins dieser Lösungen heißt das nicht, dass diese Lösungen falsch sind, sondern nur, dass eine spezifische Lösung eine geringere Seinswahrscheinlichkeit hat als eine andere des gleichen mathematischen Ansatzes oder Zusammenhangs. Ein berühmtes Beispiel dafür ist das Elektron. Es ist wie alles andere auch ein System. Es grenzt sich vom Rest des Seins ab (Rand) und trägt und emittiert Eigenschaften (Entitäten) mit sich, die seine eigenschaftliche Mathematischkeit ausmacht und in dem entsprechenden Modell davon mathematisch dargestellt werden kann. Eine dieser Eigenschaften ist die elektrische Ladung. Als sich der englische Mathematiker Paul Adrien Maurice Dirac (1902-1984) daranmachte diese mathematische Beschreibung auf ihre Lösungen hin zu untersuchen, stellte er im Jahre 1931 fest, dass die elektrische Ladung mit zwei Lösungen vorkam: als bisher in der Natur experimentell gefundene, negative Ladung und mit umgekehrten Vorzeichen: der positiven Ladung [13]. Dieses »Positron« war aber bisher in den Experimenten noch nicht gefunden worden. Man kann das typische Dilemma, in dem Dirac nun steckte, leicht nachvollziehen: Er konnte anhand der Lösungen nicht entscheiden, ob dieses Teilchen in der Realität wirklich so auch vorfindbar real existierte. Die Mathematik bietet diese Information nicht. Trotzdem war die Lösung richtig: Ein Jahr später wurde das Positron tatsächlich messtechnisch von dem amerikanischen Physiker Carl David Anderson (1905-1991) entdeckt [14]. Das Vorhandensein freier Positronen ist demnach in der normalen, niedrigenergetischen Umwelt der üblichen Materie lediglich sehr unwahrscheinlich! Es hätte sehr wohl auch sein können, dass dieses Teilchen überhaupt nicht oder nur in sehr extremen Bedingungen, wie bei der Explosion eines Sterns (Supernova) auftritt. Man kennt heute viele solcher Teilchen, die nur bei extremen Bedingungen auftreten, wenn man in sehr teuren Teilchenbeschleunigern bestimmte (andere) Teilchen (z.B. Protonen oder Schwerionen) aufeinanderprallen lässt. Auch hier waren diese Teilchen, bevor man die Gelder ausgegeben hatte um diese Beschleuniger zu bauen, mathematisch nur »vermutet« worden!

  1. Jedes System ist durch Mathematik beschreibbar, die der Mathematischkeit des Systems kongruentes Abbild ist, unabhängig davon, ob die Mathematik zu dieser Mathematischkeit schon entwickelt und bekannt ist oder nicht. Dieses Abbild ist das mathematische Modell des Systems, das wiederum ein Wissenssystem für sich bildet und damit auf den gleichen systemtheoretischen Grundlagen basiert. Die Interpretation dieses Modells aber unterliegt den bekannten Wissenschaften und gültigen Paradigmen. So bildet der Mensch, wenn er ein natürliches System betrachtet zusammen mit dem darüber gebildeten Modell ein Gesamtsystem aus drei Subsystemen.

    Denksystem

  1. Jedes System beinhaltet eine eigene, immanent ausgeprägte Realität als die funktionaloperative Summe aller Entitäten, die das Vollständige, Sinnvolle, Zweck- und Zielgerichtete des Systems ausmachen. Diese basiert auf der immanenten Mathematischkeit des Systems, die den systemischen Vollzug bestimmt.
  1. Jedes natürliche System ist neben dem mathematischen Modell auch durch ein rein sprachlich basiertes, beschreibendes Modell aufgrund der Wissenschaften und Paradigmen darstellbar und interpretierbar, unabhängig davon, ob die Basen zu dieser Interpretation schon entwickelt und bekannt sind oder nicht. Dieses Modell basiert wiederum auf einem System logischer, axiomatischer Prinzipien immanenter Mathematischkeit, das als Modellsystem dem betrachteten natürlichen System sowie dem mathematischen Modell kongruent gegenübersteht. Auch insofern ist Sprache zwar eine existenztheoretisch wichtige aber dennoch lediglich eine Sekundärfähigkeit zur Erschließung von Wissen.
  1. Das Modell eines Systems ist nur dann ein kongruent äquivalentes Abbild identischer Interpretation und Ausprägung, wenn man die im(!) betrachteten System bevorrateten (immanenten) mathematischen Zusammenhänge beachtet. Nutzt man eine Mathematik, bzw. mathematische Zusammenhänge, die keine eigenschaftlich immanente Mathematischkeit des betrachteten, natürlichen Systems ist, weil sie darüber (über dessen Rand) hinausgeht, so kommt es zu Inkohärenzen. Die verwendete Mathematik muss kanonisch kongruent zur Mathematischkeit des betrachteten Systems sein, genauso wie das Modellsystem zum betrachteten System selbst.

Erläuterung: In der Physik ist oftmals festzustellen, dass mathematische Lösungen bestimmter Ansätze gegen unendlich streben, also keine verwertbare Aussage enthalten. So steht die Physik z.B. bei der Erforschung des sogenannten Urknalls vor dem Dilemma, einen »Zusammenbruch der Physik« postulieren zu müssen, wenn man sich den extremen Zuständen der Raumzeit nähert, die aus der Vorbetrachtung heraus unterhalb sehr kleiner Zeiten nach dem Zeitpunkt Null anstehen. Durch das übliche Paradigma einer in ihrem »So-Sein« kritiklos hingenommenen »Universalrealität«, die aus der üblichen, egozentrisch ausgeprägten Realitätswahrnehmung bzw. einschätzenden Wertung heraus unterstellt wird und die keine Rücksicht nimmt auf systemisches Denken, wird der Urknall sozusagen »von außen« auf der Basis des universalen »Hier und Jetzt« dieses von uns so wahrnehmbaren Weltalls betrachtet, obwohl im Sinne der im Innern des Weltalls bestehenden Raumzeit kein »Außen« mit ebendieser(!) gleichen Seinsausprägung seiend ist (um von »nicht gibt« abzugrenzen, was ein semantischer, philosophischer und systemischer Widerspruch in sich wäre). In gleicher Weise des unterstellten universalen Realitätsbreis wird mit einer als universal gültig definierten Mathematik operiert, die aber zu diesem damaligen Zeitpunkt »in(!)« der Raumzeit des Urknallzustandes noch nicht verfügbar ausgeprägt war, da sich die systemimmanenten Strukturen unseres heutigen Weltalls mit ihrer Mathematischkeit ja erst noch bilden mussten. Insofern stehen die angenommenen Modelle auf der Basis heutigen Zustandes des Weltalls nicht im kanonisch kongruenten Mathematischkeitskontext eines Zustandes, der diese Mathematischkeit eben noch nicht innehatte. Für die Fachleute unter den Lesern: Siehe die damals aufgetretenen Phasenübergänge der (in der Physik postulierten) Supergravitation (Theory of Everything) zu den heute bekannten vier Kräften der elektromagnetischen Kraft, der starken und schwachen Kernkraft sowie der Gravitation.

  1. Alle Systeme des Seins stehen in einem hierarchisch strukturierten Bezug zueinander, sind nebeneinander auf gleicher »Ebene« angeordnet und/oder ineinander geschachtelt. Dabei sind Systeme »höherer Ebenen« gegenüber ihren einbettenden Systemen mit spezialisierteren Realitäten bzw. Entitäten ausgestattet. Jede Spezialisierung oder auch Differenz grenzt das System in sich, also nach »unten« und »außen«, ab. Dabei gewinnt es an funktionaloperativen Entitäten bzw. immanenter Mathematischkeit. Es gilt der Satz des Aristoteles (384-322 v.d.Z.): »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!« Oder, um es mit heutigen Worten auszudrücken: Die innere Realität des ganzen Systems ist mehr als die bare Summe seiner Elemente und Subsysteme, die sich durch Strukturen immanenter Mathematischkeit zu einem System von Entitäten zusammenfinden.

5. Systemisches Ordnungsschema der Disziplinen [Inhaltsverzeichnis]

Ein weiterer Fakt ist festzustellen, der die hier beschriebenen Zusammenhänge offenbar unterstützt und im öffentlichen Bewusstein weitestgehend unreflektiert ist: Alle Disziplinen sind offenbar logisch in ein Ordnungsschema einzugliedern, dass wiederum ganz im Sinne der Systematik bzw. der systemischen Differenzierung die einzelnen (Wissens-)Systeme in den Verbund aller dieser Systeme als übergeordnetes System einbettet, wobei die o.b. Position der Systematik neben und in Ergänzung zur Mathematik schon einbezogen ist. Alle Disziplinen werden dadurch in einen systemischen Strukturbezug gebracht, der als Ganzheit das imaginär klassifizierbare System all unseres aktuellen Wissens repräsentiert.

Ordnungsschema der Disziplinen

Der hier gezeigte, »stark schemabezogene Strukturzusammenhang« ergibt sich aus der Frage, ob eine betrachtete Disziplin eine andere grundsätzlichere, also allgemeinere benötigt, um ihre Spezifität überhaupt definieren zu können. So benötigt die Physik unbedingt die Mathematik, die Chemie basiert auf der Physik oder die Mineralogie oder Biologie wieder auf der Chemie usw., aber jeweils nicht umgekehrt. Das zeigt sich grob gesehen auch in der Breite der Darstellung, dass eine »allgemeinere« Disziplin deshalb allgemeiner ist, weil sie zu mehreren spezifischeren Disziplinen die Voraussetzung ist. Wäre sie es nicht, dann würde diese Disziplin ausschließlich ein Teil der betrachteten Disziplin sein, da sie dann eben nicht die Voraussetzung auch für andere Disziplinen wäre. Insgesamt nimmt die Allgemeingültigkeit beginnend bei der Mathematik quasikontinuierlich ab. Letztlich aber ist die Mathematik und jetzo zusammen mit der Systematik zu allen spezifischeren Disziplinen die universal vollständigere, disziplinäre Grundlage.

Dieses Ordnungsschema zeigt einen weiteren interessanten und sehr wichtigen Fakt: Mit der Zunahme an Spezifität reduziert sich quasiproportional die Verfügbarkeit eines von sprachlogischer Argumentation und Interpretation unabhängigen Modells. Die Mathematik begründet sich am umfangreichsten auf eine Modellbasis in Form von Axiomen, Regeln, und Formalismen. Die Sprache reduziert sich dagegen auf eine Sekundärdisziplin, um sich das Wissen zu anzueignen. Ist das Wissen aber erlernt, dann tritt die Sprache zunehmend zurück und die Modelle alleine sind hinreichend. Je höher aber die Spezifikation einer Disziplin zunimmt, um so mehr tritt die Interpretation und sprachlogische Argumentation in den Vordergrund und ersetzt mehr und mehr ein disziplinärspezifisches Modell. Das hat eine entscheidende Konsequenz in Bezug auf interdisziplinäre Widerspruchsmomente, zwischenmenschliche Toleranz und einem fundierten ethischen Wertesystem. Es ist festzustellen, dass ein Wissenssystem, dass sich letztlich nur noch auf sprachlogische Argumentation begründet, auch die stärksten systeminneren und interdisziplinären Widerspruchsmomente generiert, wie z.B. hochspezifische Weltsichten (Glaubenssysteme, deren Theseninhalte sich gerade in neuster Zeit mehr und mehr von Aufklährung und verfügbarem Wissen entfernt). Je dogmatischer sich ein solches Wissenssystem definiert, um so spezifischer ist es und damit auch um so weniger allgemeingültig. Die Begriffe vollständig, allgemeingültig, spezifisch, übertragbar, etc. bedingen sich zueinander und stehen in einem fundamentalen Zusammenhang zu unseren Einstellungen und Weltsichten. Das sollte sich so mancher, der den Glauben der Aufklärung und dem verfügbaren Wissen vorzieht, mal bewusst machen!!!

Zu den o.g. stark schemabezogenen Disziplinen besteht noch der Bereich der schwachen Schemabezogenheit (einige Beispiele):

um einige wichtige zu nennen.

Die nun noch folgenden »Disziplinen« oder hier besser: reinen »Weltsichten« aus dem schemafreien Bereich bestehen auf einer deutlichen, rein glaubensmotivierten Subjektionsbasis und sind deshalb nur schwer als echte, objektive und erkenntnistheoretisch sinnreichende Disziplinen darstellbar. Der Grund dafür ist das völlige Fehlen eines von sprachlogischer Argumentation unabhängigen Modells, weshalb diese »Weltsichten« nur noch auf Sprache, also reinen kulturkonditionierten Thesen und Subjektionen basieren:

die Theologien und Religionen, die Astrologie, die sog. Ufologie, die Geistergläubigkeit, PSI (»Para Sensual Intelligence« oder »außersinnliche Wahrnehmung«), Magie und Esoterik, etc. pp.

Diese Disziplinen haben, wenn überhaupt, nur einen äußerst schwachen und in aller Regel willkürlich erscheinenden pseudowissenschaftlichen Bezug zur Logik, zur Philosophie und den Sprachwissenschaften, auf die sie sich teilweise berufen.

Die Tendenz zu mehr Spezifität in einem Wissenssystem gegenüber allen Disziplinen geht aber immer einher mit der zunehmenden Nichtverfügbarkeit an Modellen und damit (zwangsläufig) der Zunahme an einem Modellersatz durch die (oftmals scheinbare) sprachlogische Argumentation. Die damit bestehende erkenntnistheoretische Konsequenz wird unten noch diskutiert!


6. Die statische Systematik [Inhaltsverzeichnis]

Die statische Systematik definiert das Allgemeine Vollzugsmodell eines Systems und leitet davon die mathematische Basis ab.


6.1 Das Modell [Inhaltsverzeichnis]

Drei grundlegende Vollzugsoperationen sind definierbar. Ein System …

Weiterhin verfügt ein System über verschiedene Speichertypen.

Das Modell:

Das Vollzugsmodell

Für alle diese Merkmale sind im Modell Anteile definiert. Das Modell zeigt auch, dass ein System durch sein Operieren zwar autonom ist, aber da es in strukturiertem Zusammenhang zu seiner Umwelt bzw. seinem einbettenden System steht, kann es in einem allgemeinsten Sinne nicht autark sein, wenn es dort seiend sein soll. Ein theoretisch denkbares System, dass in keinerlei Strukturbeziehung zu seinem äußeren Realitätsbereich (dem einbettenden System) steht, ist insofern für diese Außenwelt nicht existent oder seiend, da es nicht in strukturierte Erscheinung tritt. Diese Aussage muss in einem tiefsten Sinne ernst genommen werden und ergänzt sich z.B. mit definitiven Aussagen aus den Relativitätstheorien Einsteins. Z.B. ist ein Stern (als System) nicht existent, solange er sein Sein nicht durch eine Strukturbeziehung, in diesem Falle ein Lichtstrahl den er emittiert, in eine systemische Strukturbeziehung mit dem eingeht, das er damit beleuchtet. Dieses andere System, dass diese Strukturbeziehung sozusagen von der Gegenseite erfüllt, damit sich ein System überhaupt bildet, ist nicht zwingend ein System, das in unserem Sinne von bewusster Wahrnehmung eine »Aha«-Reaktion operiert, sondern basiert hier auf der reinen Wechselwirkung. Diese hört z.B. an der Grenze des Weltalls, die auch optischer Horizont genannt wird, auf. Hypothetische(!) Sterne, die sich hinter dem Horizont befinden könnten, sind eben nur hypothetisch gedachte Entitäten. Da sie niemals mit unserem Bereich in Wechselwirkung treten könnten. Sie sind somit auch aus der Physik keine realen Entitäten im konsequentesten Sinne und deshalb nicht seiend.

Da die Erklärung zu diesem allgemeinen Vollzugsmodell den Rahmen dieser Beschreibung sprengen würde, wird folgend eine starke Vereinfachung verwendet:

Systemdiagramm des Vollzugsmodells

Die nun folgende mathematische Zusammenfassung bezieht sich auf dieses Allgemeine Vollzugsmodell.


6.2 Mathematische Grundlage [Inhaltsverzeichnis]

Die nun folgenden Grundlage reflektiert die wichtigsten mathematischen Zusammenhänge. Die Systematik basiert auf einem System von vier grundlegenden Formalismen, die hier stark vereinfacht wiedergegeben werden.


6.2.1 Die Entität [Inhaltsverzeichnis]

Die Entität ist der zentrale Begriff, der sowohl als Erscheinung innerhalb eines Systems als auch die Erscheinung des betrachteten Systems selbst in seinem einbettenden Umweltsystem beschreibt. Damit definiert die Entität die Erscheinung auf jeder systemischen Ebene. Bisher lediglich ein Bezeichner für eine beliebige Erscheinung, wird der Begriff hier nun auf eine mathematische Grundlage gestellt. Die Entität N ist gleich dem systemischen Wert S mal einem der emittierten Ausgangswert y:

=> N = S · y

Die Entität

Damit ist es möglich einer Entität einen Zahlenwert zuzuordnen. Der emittierte Ausgangswert y ist die Größe, die die Strukturbeziehung zur Außenwelt des Systems und/oder zu anderen Systemen/Subsystemen bestimmt, weil dieser Wert, sofern er als Eingangswert von anderen Systemen wieder aufgenommen wird, die Strukturbeziehung vollendet. Die Entität ist damit genau das, was man als Erscheinung zu erkennen mag oder das, was die Erscheinung zu anderem systemisch strukturiert: Das System und seine emittierte/n Größe/n.


6.2.2 Der systemische Wert [Inhaltsverzeichnis]

Der systemische Wert ist im allgemeinen ein Zahlenwert, der aus dem Verhältnis von aufgenommenem Eingangswert xa (und/oder einen Wert xi aus dem inneren Speicher) und dem wieder abgegebenem Ausgangswert y besteht. Dieser Zahlenwert repräsentiert die systemische Mächtigkeit hinsichtlich des Operierens und kann im Quotienten bei physikalischen Systemen auch eine physikalische Größe beinhalten:

=> S = y / x
wobei gilt: x = xa + xi

Der systemische Wert

Diese Formel beschreibt genauso wie der physikalische Wirkungsgrad η eine Wertzahl, die das Umoperieren eines Systems bewertbar macht, geht aber über die rein physisch-materiell-energetische Definition hinaus. Letztere definiert lediglich Zahlenwerte, die wegen der Entropie im physischen Universum (der Bereich der natürlich evidenten Systemklassen) nur zwischen 0 < η < 1 liegt. Wegen dieser Einschränkung versagt diese Definition im Bereich der anderen drei Systemklassen und ist ein weiterer Hinweis der nicht übertragbaren Allgemeingültigkeit der Physik zu einer vollständigen Weltbeschreibung. Wenn z.B. ein Wissenssystem durch die Emergenz (hier auch: »Synergie«) einen Gewinn an Information operiert, dann liegt der »Wirkungsgrad« oder besser und allgemeiner hier nun: der systemische Wert, sehr wohl auch über eins: 0 < S ≥ 1. Diese nun allgemeinere Definition im Bereich der systemischen Betrachtung des Seins ist unbedingte Voraussetzung, damit überhaupt Ordnung im Chaos entstehen kann und umfasst damit auch die physikalische Betrachtung als spezieller Sonderfall dieser allgemeineren Definition. Die Physik wird deshalb nicht als falsch, sondern lediglich als unvollständig erkannt!

Warnung: Der hier verwendete Wertbegriff darf auf keinen Fall verwechselt werden mit »einem/dem Wert« im Sinne von »Nützlichkeit« und der damit leider allzu oft im Zusammenhang stehenden Wertschätzung als Inbegriff von Unwertem aus einer eigenen, oft dogmatischen Subjektion bestimmten destruktiven Denkens heraus. Der Autor distanziert sich ausdrücklich von jedem Versuch Dritter, die in diesem Aufsatz vertretenen Zusammenhänge anders zu interpretieren als vom Autor dargestellt. Es handelt sich hierbei in Ermangelung eines besseren Begriffes um einen eindeutig rein mathematischen Wert, der eine Mächtigkeit bzw. ein Vermögen systemischen Vollzugs darstellt und nur für sich selbst steht. Er kann und darf nicht zu relationalen Vergleichen herangezogen werden, sofern die hier beschriebenen Zusammenhänge und Beispiele vom Leser übertragen und frei interpretiert werden sollten!

Beispiel »ein Stein«: Ein Stein operiert u.a. und zumindest eine Entität, die er selbst eben ist. Der emittierte Ausgangswert ist hier »Stein« oder anders formuliert: ein Stein operiert zumindest sein Steinsein und strukturiert sich damit, als Botschaft oder Ausgangswert y = »Stein« zu seiner Umwelt. Aus ableitbaren Gründen aufgrund des dahinterstehenden Modells, die hier aber zu weit führen würden, sind solche operierten Basiswerte z.B. beim Operieren des Steinseins bezüglich des systemischen Wertes S immer 1. Daraus ergibt sich eine Tatsache, die in unserem Sprachgebrauch längst niedergelegt ist und diese im Nachhinein sogar bestätigt: Wenn wir sagen, dass da »ein Stein« liegt, dann zeigt sich deutlich der entitätische Zusammenhang zum Formalismus und der Entität des Steinsystems, das sich uns mitteilt. Damit ist er die Erscheinung oder Entität

=> N = S · y = 1 · Stein

oder eben »ein Stein«.

Natürlich emittiert ein solches System noch weitere Ausgangswerte, die aber immer wieder auf demselben Formalismus beruhend zu der entsprechend beschreibbaren strukturbildenden Erscheinung in seiner Umwelt führen.

Wenn z.B. ein typisch physikalisches System einen Strukturwert aufnimmt, über seine komplexe Übertragungsfunktion umoperiert und wieder emittiert, dann liegt der systemische Wert immer bei kleiner 1 und bei gesellschaftlichen Systemen wie z.B. zwei kommunizierenden Menschen, die ein Problem zu lösen haben und eine entsprechende Synergie auftritt, bei größer als 1.


6.3 Realität [Inhaltsverzeichnis]

Hier nur der vorweggenommene Formalismus, da zu diesem Begriff und den sehr wichtigen Konsequenzen dazu unten ein eigenes Kapitel folgt. Die Realität R ist zu definieren als die Summe aller Entitäten Ni in(!) einem betrachteten System und ist somit, genauso wie der Entitätsbegriff nunmehr mathematisch begründet:

=> R = ΣNi


6.4 Der Fundamentalsatz der Systematik [Inhaltsverzeichnis]

Ausgehend von dem allgemeinen Vollzugsmodell und den damit in Zusammenhang stehenden Formeln lässt sich ein sehr interessanter und wichtiger Aspekt ableiten. Im Allgemeinen besteht ein System in seinem Inneren aus Subsystemen, die sich eben zu dem einbettenden System zusammenstrukturieren. Es lässt sich zeigen, dass die Summe aller Entitäten (ΣNi = R) gleich der Summenentität des einbettenden Systems wiederum in dessen Umwelt ist: ΣNi = ΣNa Wenn man diese Formel umstellt, dann ergibt sich der Fundamentalsatz der Systematik und es lässt sich definieren:

Die Summe aller Entitäten eines betrachteten Systems S ist gleich Null!

=> ΣNS = 0

Dieser Zusammenhang hat eine weitreichende Bedeutung auf alles seiende Sein. Aus verschiedenen anderen Bereichen, gerade der Physik, sind ähnliche Modelle und Interpretationen entstanden und insofern werden diese nun durch die wesentlich allgemeinere Systematik unterstützt bzw. die in der Physik u.a. Wissenschaften anstehenden Zusammenhänge dieser Art gehen als spezifische Sonderfälle gemeinsam oder auch ganzheitlich auf diesen Fundamentalsatz zurück!


7. Die dynamische Systematik [Inhaltsverzeichnis]

Neben der statischen Systemtheorie, welche die Architektur eines Systems und die systemische Architektur allen Seins erfasst und darstellt, befasst sich die dynamische Systemtheorie mit den Veränderungen des operativen Seinsgrundes der Systeme. Durch Veränderung der Entitäten und Strukturbezüge, verändert sich auch der gesamte operative Charakter bzw. das Erscheinungsbild eines Systems in qualitativer Hinsicht.

Es sind sieben elementare Genesen definierbar, die alles Wandeln von Systemen notwendig und hinreichend erfassen und beschreiben. Sie sind in zwei Ordnungsgruppen unterteilt:


7.1 Die Elementargenesen 1. Ordnung [Inhaltsverzeichnis]

Die Elementargenesen 1. Ordnung umfassen alle rein fundamentalen Wandlungserscheinungen.

generieren:
Zwei Systeme finden sich zusammen und generieren mindestens eine Strukturbeziehung zueinander, weil ein emittierter Ausgangswert von einem anderen System aufgenommen wird bzw. weil zwischen beiden im einfachsten Fall eine Zustandsbeziehung besteht.

kongenerieren:
Im Gegensatz zu »de«-generieren ein »Hin«-generieren zu einem System höheren systemischen Wertes. Ein System erfährt durch das Operieren seiner inneren Entitäten über die Strukturbeziehungen einen Zugewinn, z.B. bei zwei Menschen die Synergie oder allgemeiner die Emergenz (siehe unten).

degenerieren:
Wie »kongenerieren«, aber eine Reduktion zu einem System niedrigeren systemischen Wertes.

auflösen:
Der Gegensatz zu »generieren«. Die/Eine Strukturbeziehung/en spezifischer Entitäten der beteiligten Subsysteme in einem betrachteten System lösen sich auf. Die Subsysteme verblieben isoliert in ihrem einbettenden Umweltsystem.

duplizieren:
Das Duplizieren ist ein Generieren seiner selbst zu zwei identischen Kopien aus dem betrachteten System heraus. Duplizieren ist die Folge hochkomplexer, mit entsprechenden Steuermechanismen ausgestatteter Systeme und ein Anteil derer gesamtoperativer Fähigkeiten. Es ist ein aktives Verhalten, das durch eigene innere Strukturen bewerkstelligt wird. Man kann sagen, dass das Auftreten dieser Genese, nachdem bestimmte materielle Systeme eine mindeste Komplexität erreicht hatten, die eigentliche Initialzündung zum Werdegang biologischer Systeme war.


7.2 Die Elementargenesen 2. Ordnung [Inhaltsverzeichnis]

Die Elementargenesen der 2. Ordnung setzen sich aus Kombinationen der Genesen 1. Ordnung und zusätzlichen eigenständigen Wandlungserscheinungen zusammen, die nur zusammen mit und in diesen Genesen auftreten.

regenerieren:
Im Falle des Regenerierens ist diese Wandlung eine anfängliche Degeneration, die durch entsprechende Ressourcen in den systeminternen Speichern und einer verspätet anlaufenden internen Kompensation auf den ursprünglichen systemischen Wert zurückgebracht wird. Generell ist aber auch das Umgekehrte möglich: Eine Kongeneration tritt ein, die von einer degenerierenden Erhaltung kompensiert wird.

evolutieren:
Diese Genese ist eine beliebige Kombination von Wandel aus Kon- und Degeneration sowie Duplikation oder Auslese durch Auflösung. Sie ist die wichtigste Genese, die alle Systeme betrifft, wenn es um Existenzdynamik im Umfeld konkurrierender Systeme geht.

emergieren:
Die Emergenz ist eine sehr wichtige Genese, wenn es um Ordnung im Chaos geht. Sie ist ein Zugewinn an systemischem Wert und spontan hinzukommenden Entitäten in einem betrachteten System durch das Operieren seiner Subsysteme (Beim Menschen auch »Synergie« genannt, wenn es z.B. um Wissen geht).

Der Begriff »Emergenz« wurde im Zusammenhang mit »Evolution« das erste Mal von dem englischen Zoologen Conwy Lloyd Morgan (1852-1936) in seinem Buch »Emergent Evolution« (1923) in den öffentlichen Diskurs getragen und bedeutet soviel wie »spontanes Entstehen von Ordnung«. Emergenz tritt immer dann auf, wenn z.B. zwei Systeme generieren. Sie werden dadurch zu zwei Subsystemen in einem neu gebildeten System. Durch das Austauschen von Information über die dadurch bestehenden Strukturbeziehungen, wodurch z.B. im Falle der Synergie das Wissen des einen Subsystems »Mensch 1« durch Kommunikation mit dem Wissen des zweiten Subsystems »Mensch 2« wechselweise kombinierbar wird, entstehen hinzugewonnene Wissensanteile. Oder ein »Mensch« bildet ein System mit dem Subsystem »Buch« und kombiniert einseitig die statische Information des Buches mit seinem Wissen.

Die Emergenz ist damit genau das, was schon Aristoteles mit dem berühmten Satz: »Das Ganze [die Summe der Subsysteme zusammen mit den ausgebildeten Strukturbeziehungen] ist mehr als die Summe seiner Teile [die bare Summe der Subsysteme alleine]!« zum Ausdruck brachte. Dadurch entsteht der Zugewinn oder die Emergenz. Dieser Hinzugewinn tritt generell schon durch das Ausbilden von einfachsten Strukturbeziehungen auf. Selbst wenn nur eine Zustandsbeziehung zwischen zwei Steinen eintritt, die damit eine gemeinsame Erscheinung im Raum bilden oder generieren, wenn sie der Zufall an einem abrutschenden Berghang nebeneinander zu liegen kommen lässt, erhöht ein winziges bisschen die Ordnung im Chaos, denn jede Strukturbeziehung repräsentiert »für sich gesehen«(!) generell höhere Ordnung, als wenn diese Strukturbeziehung nicht besteht bzw. in einem Umfeld von unstrukturierten Systemen. Das ist das grundlegende Prinzip, das zusammen mit der Evolution und der drauf basierenden verbesserten Vermehrbarkeit bzw. Durchsetzbarkeit von Systemen mit durch Emergenz verbesserter Regenerations- und Anpassungsfähigkeit, warum Ordnung aus Chaos überhaupt entstehen kann und letztlich zu uns lebenden hochkomplexen aber mit hoher Ordnung (geringe Entropie) ausgestatteten Systemen geführt hat.


8. Konstruktive Konsequenzen aus der Systematik [Inhaltsverzeichnis]

Um die für unsere Existenz konstruktiven Konsequenzen der Systematik, die letztlich zu einer modellbasierenden Ethik bzw. zu einem Wertesystem zu führen, dass von kultureller Ausprägung des Vertretenden unabhängig ist, sind einige erkenntnistheoretische Theoreme zu diskutieren, die sich aus der Systematik ableiten lassen, ohne bestehendes Wissen als falsch hinzustellen. Die Theoreme beschreiben lediglich eine weiterreichendere Differenzierung der Begriffe, wodurch sehr konstruktive Konsequenzen für unser Denken, Werten und Verhalten bewusst werden.


8.1 Was ist Realität [Inhaltsverzeichnis]

Zwei Feststellungen sind zu treffen:

  1. Aus dem allgemeinen Vollzugsmodell ergibt sich zwingend: Realität R ist die Summe der systeminneren Entitäten Ni: R = ΣNi
  1. Eigentlich wissen wir es alle: Die Realität ist individuell stark unterschiedlich hinsichtlich der Wahrnehmung von Wirklichkeit, aber kaum jemand nimmt das als Grundlage seines Denkens, Wertens und Handelns.

Die Wirklichkeit, als »die Realität vor den Sinnen« ist etwas, was in Anbetracht der biologischen Konditionierung des Bewusstseins im Gehirn (das alles sind auch eigenständige Systeme!) als wahrgenommene Realität völlig individuell, also als eine systemimmanente Ausprägung vorliegt. Weil sich aber kaum jemand darüber bewusst ist, tun wir alle so, als wenn die eigene Realitätswahrnehmung »die Universalrealität schlechthin« ist und wir verstehen den anderen Menschen nicht wirklich, weil uns jede philosophisch orientierende und damit wissenschaftliche und erkenntnistheoretische Grundlage dazu fehlt. Alleine das ist schon ein urgründendes Paradoxon unseres Seins und unserer Selbsteinschätzung: Einerseits wissen wir alle um die Differenz zu des anderen Wahrnehmung, andererseits ignorieren wir das regelrecht vorsätzlich und tun unsere eigene Realität als die Universalrealität wertend über die des/eines Anderen oder Anderes stellen.

Unser Verhalten versucht in typischer Weise immer wieder eine (die eigene) Realität über eine andere zu werten und gegeneinander aufzuwiegen. Das aber ist grundsätzlich etwas, was es in der Realität vor unseren Sinnen nicht gibt: Jede Realität ist in ihrem System genau die Realität, die dieses System ausmacht! Das übliche menschliche Werten, »meine Realität ist realer als deine«, ist ein Verhalten, das keine Entsprechung in der Realität vor eines jeden Sinnen hat. Genau dieses Verhalten aber ist der tatsächliche und einzig ursächlichste Urgrund jeglichen menschlichen Konfliktes und der vielen Widerspruchsmomente über allen Wissens. Das zu erkennen führt zwangsläufig auf die/eine Ethik, die sich damit nunmehr auf das Modell der Systematik zurückbegründet und der Kreis schließt sich in konsistentester Weise.

Trotzdem macht uns dieses Verhalten nicht wehrlos, wenn es um Existenzsicherung geht. Dabei ist aber zu bedenken: Das evolutionstheoretisch und kulturhistorisch sehr wohl begründbare Urverhalten, in egozentrischer und egoistischer Weise, die eigene Realität als die gültige Universalrealität über andere und anderes zu stellen um damit die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen, erfährt nun eine notwendige Differenzierung. Einerseits ist dieses Urverhalten eine notwendige Existenzsicherungsmotivation in dieser, durch Evolution geprägten Ökosphäre: durchsetzungsfähiger Egoismus als notwendige Voraussetzung, dass es uns heute noch gibt. Andererseits aber ist diese Urverhalten der größte Hemmschuh für den Prozess zu rationaler Erkenntnis und läuft durch die zunehmende, durch Wissenschaft begründete Entkopplung unserer Existenz von der biologischen(!) Evolution mehr und mehr zu einer Existenzgefährdung aus uns selbst heraus aus, wenn z.B. »jemand den Finger über den Roten Knopf hält«. Man kann nur hoffen, dass sich so jemand dieses hier beschriebenen differenzierenden Denkens zu Toleranz und ethischem Respekt dem vermeintlichen Feind gegenüber bewusst ist, bevor er entscheidet!!!

M.a.W.: Es ist also ein genereller Paradigmawechsel unseres philosophisch orientierenden Denkens einzufordern! Die typische, von uns allen als vermeintliche, in ihrem so-sein hingenommene Universalrealität der eigenen(!) Wahrnehmungsbegründung muss abgelöst werden durch eine fundiert ethisch begründete und differenzierbare, weil systemimmanente Realitätswertung auf der Basis des von kulturkonditionierter sprachlogischer Argumentation entkoppelten, allgemeingültigen Modells der Systematik, die das zu bieten in der Lage ist.


8.2 Eindimensional codiertes Denken [Inhaltsverzeichnis]

Es stellt sich die Frage, ob die immer wieder unlösbar erscheinenden Widerspruchsmomente immanent verankerte Fakten in der Realität vor unserer Wahrnehmung sind oder nur in den/unseren sich gegenüberstehenden Vorstellungen und Theorien bestehen. Es ist aber davon auszugehen, dass die Realität vor unserer Wahrnehmung funktioniert, sonst könnte dieses Universum nicht bestehen! Widerspruchmomente sind lediglich in unseren individuellen Vorstellungen verankert, die sich auf unsere differenten Vorstellungen von logischen Zusammenhängen bezieht. Wir haben es hier mit einem grundlegend unverstandenen Fakt aus der erkenntnistheoretischen Ecke zu tun.

Wenn sich zwei Wissenspositionen gegenüberstehen und im Diskurs darüber ein vermeintliches Widerspruchsmoment auftaucht, dann gibt es genau drei grundsätzliche Verhaltensweisen der Diskurspartner. Jeder Versuch dieses Widerspruchsmoment unter wissenschaftlich objektiven Diskursbedingungen zu lösen basiert in aller Regel in einem typischen eindimensional codierten »entweder-oder«-Denken.

1. Verhaltensweise: Ausgangsbasis unvereinbarer Positionen:

Widerspruchsmoment

Jede Seite A und B erlebt die jeweils andere Position als unrichtig. Eindimensional wird in entweder bzw. oder gedacht und gewertet, weil jede Seite eben wie üblich von einer systemisch undifferenzierten Universalrealität ausgeht, in der sich die jeweiligen Positionen zwangsläufig als Widerspruchsmoment ergeben müssen.

2. Verhaltensweise: Der Kompromiss, eine oft universitär gepflegte Position:

Der Kompromiss

Dieses Bild veranschaulicht Versuche, zwischen den extremen Positionen einen interpretativen Kompromiss Ca1 bis Cb2 zu finden. Gerade in der universitären Philosophie, z.B. über das Materie-Geist- oder auch Leib-Seele-Problem, spricht man von starken und schwachen Lesarten. Auch wenn es das Ziel ist eine Lesart des Problems zu finden die weitestgehend widerspruchsfrei ist, diffundiert die Stärke des Widerspruchsmoments je nach Position des Kompromisssuchenden lediglich aus sprachlogischen Gründen aber nicht faktisch. Hierbei wird die daraus entstehende Interpretation des Problems über die eigendliche Natur der Dinge gestellt. Dieses aber ist kein Problem der Natur selbst, man könnte auch sagen, dass es der Currywurst mehr als egal ist, dass sie nach Currywurst schmeckt oder der Kneifzange, dass sie kneift.

3. Verhaltensweise: Die Suche nach dem verborgenen Naturgesetz um das Widerspruchsmoment zu lösen.

Das verborgene Naturgesetz

Hier ist dargestellt wie eine Person D versucht das/ein vermeintlich »verborgene/s Naturgesetz« herauszukristallisieren. Gegenüber dem Kompromissversuch aus dem zweiten Bild wird das Widerspruchsmoment hierbei erst recht herauspräpariert, z.B. durch Experimente wie bei den quantenphysikalischen (entweder) »Welle oder Teilchen«-Paradoxon u.v.a.m. Man versucht das und den Moment herauszufinden, wo das Widerspruchsmoment von einem in den anderen Zustand kippt, um einen Blick auf die dahinterstehende Ursache zu finden. Es hat einen Grund warum das bisher, bei allem technologischem Fortschritt, noch nie geklappt hat: Dieses Widerspruchsmoment ist rein menschengemacht und keines der Natur selbst (siehe »differenzierbare Realität«).

Also: Keine der drei Verhaltensweisen birgt eine grundsätzliche Möglichkeit auf dieser eindimensional codierten Denkbasis das nach wie vor in den Ausgangspositionen verankerte Widerspruchsmoment aus der Welt zu schaffen. Das eindimensional codierte Denken widerspricht somit grundsätzlich jeder erkenntnistheoretischen Lösbarkeit! Interessant ist nur, dass dieser erkenntnistheoretisch auserordentlich interessante Fakt in den Universitäten kaum bekannt ist, wie ich selbst vor Ort (Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz) bei meinem kleinen Philosophiestudium diskutieren und erleben durfte. Platons Intention der differenten Systemrealitäten (Höhlengleichnis) wird kaum so verstanden.

Hier nun greift die Systematik. Sie zeigt, sozusagen als vertikale Tiefe, eine generelle zweite Dimension des Denkens auf und das ist eine sehr wichtige Bereicherung unseres Denk- und Wertungsverhaltens. Auch wenn zwischen zwei Positionen ein Widerspruchsmoment besteht, so begründet sich das lediglich auf dem eben nicht vollständigen (nicht allgemeingültigen), weil zu spezifisch auf jede Position ausgerichteten Modell, dass eben deshalb nicht auf das andere Modell übertragbar ist. Erst durch das Erkennen eines (vertikal) unter diesen Positionen liegenden, allgemeineren Wissenssystems, das dadurch auf beide Positionen anwendbar ist, erklärt sich das jeweilige Spezifikum, das zu den typischen Widerspruchsmomenten aufgrund der unverstandenen Identitätsunterstellung zwischen Meinung und Person führt. Erst durch das systemische Differenzieren systemimmanenter spezifischer Realitäten gepaart mit dem Vollständigkeitsgedanken in Richtung allgemeinerer Systeme kann sich eine Lösung ergeben, weil man dann und nur dann eine weitestgehende Übereinstimmung zwischen unserem Wissen und den betrachteten Entitäten vor unseren Sinnen erreicht. Es gibt einige Beispiele, gerade aus der Physik, wo erst durch ein allgemeineres Modell die/eine Vereinigungstheorie gebildet werden konnte und wo diese zweite Dimension des Denkens zumindest mittelbar eingeflossen war. Nur dadurch war es möglich, das zu erreichen.

Ganz wichtig: Ein letzter erkenntnistheoretischer Fakt zu diesem Absatz: Aus genau diesem Grunde gibt es eigentlich kein falsches Wissen. Wissen ist innerhalb seines Systems immer richtig, denn kein Mensch denkt vorsätzlich falsches. Wissen ist allerhöchstens unvollständig, und hier schließt sich ein Kreis, denn weil ein Wissen zu spezifisch nur für sein System gilt, ist es eben nicht übertragbar und das Widerspruchsmoment besteht nur in unseren interpositionellen Diskursen auf der eindimensionalen Denkschiene darüber. Auch dieser Gedanke ist ein Ansatz von vielen in der Systematik, der letztlich auf ein liberales und letztlich ethisches Denken und Werten über andere und anderes führt!


8.3 Sprache und Modell [Inhaltsverzeichnis]

Wie oben schon gezeigt ist eine Zunahme der sprachbasierenden Interpretationen zwangsläufig umgekehrt proportional der Abnahme einer Verfügbarkeit von Modellen. Erst durch ein verfügbares Modell kann die Sprache ihren natürlichen Platz einer reinen Sekundärfähigkeit zur Wissensvermittlung einnehmen. Dieser Zusammenhang aber hat eine sehr wichtige Konsequenz:

Bislang ist der Versuch, einer anderen Kultur ein, aus unserer Sicht, vermeintlich besseres, hinsichtlich Humanität, Toleranz und von Respekt getragenes Wertesystem zu vermitteln dadurch gestört, weil sich hinter der bisher einzigen Möglichkeit rein sprachlogischer Argumentation immer auch und zwangsläufig die kulturkonditionierte Sprache und damit die andere Kultur selbst, die nicht die des Hörenden ist, niederschlägt. Warum sollte z.B. ein Taliban, der seine Frau aus der eigenen kollektivkulturellen Überzeugung in völlig rechtloser Situation »hält«, dieses/unser Wertesystem annehmen, wenn es sich aus seiner Sicht eben nicht aus der Umklammerung fremdkultureller Wahrnehmung ablösen lässt. Aber: keine andere Kultur, so auch kein Taliban, würde jemals ein Widerspruchsmoment erfahren, wenn es darum geht 2 und 2 zu 4 zu addieren. Warum wohl?: Weil hinter der Mathematik ein Modell steht, das keine sprachlogische und damit keine fremdkulturelle Argumentation benötigt. Genauso ist das mit der Ethik und der Systematik. Wenn sich also die Ethik auf ein von Sprache unabhängige Modell begründet, dann wird auch ein Taliban nicht umhinkommen, zumindest seine Situation zu überdenken; es sei denn, dass er von Dogmen geleitet dieses Nachdenkens unfähig ist. Damit aber können wir zumindest sicher sein, dass unser Wertesystem tatsächlich und nicht nur vermeintlich das relativ bessere ist!

Allgemeiner ist festzustellen: Auf der Basis der o.g. schemabezogenen wissenschaftlichen Disziplinen bis hinunter zu den weitestgehend schemafreien Disziplinen oder besser Weltsichten lässt sich eine quasikontinuierliche Abnahme der modellaren Grundlage feststellen, die zwangsläufig damit einhergeht, die sprachlogische Argumentation zunehmend als Modellersatz heranzuziehen und Sprache zu einer Primärdisziplin zu erheben oder erheben zu müssen. Gleichermaßen ist dabei aber auch festzustellen, dass genauso die systeminneren und -äußeren Widerspruchsmomente zunehmen. Wir alle wissen, dass gerade die schemafreien, weil modellfreien Weltsichten den größten Interpretationsbedarf zeigen ohne(!) die Widerspruchsmomente aus der Welt schaffen zu können. Die Menschen streiten schon von jeher um Ansichten, die sie, auch und gerade wegen der Ermanglung eines vom menschlichen Werten unabhängigen Modells, zu finaler Erhebung von Wahrheit definieren. Dieser Fakt ist auch kaum jemandem in der öffentlichen Diskussion bewusst, obwohl genau das offenbar ist und jeder eigentlich durch seine Erfahrung wissen müsste (ein weiteres Paradoxon unseres Seins!).


8.4 Was ist Ethik [Inhaltsverzeichnis]

Ausgehend vom allgemeinen Vollzugsmodell der Systematik, das einerseits von kulturkonditionierter Sprache unabhängig ist und andererseits nachweislich die bislang allgemeingültigste Theorie allen Seins ist, besteht eine beinahe direkte Verbindung zur Ethik, die sich somit auch auf dieses Modell begründet. Das muss auch so sein, sonst wäre die Systematik eben nicht allgemeingültig. Über die aus dem Modell ableitbaren mathematischen Zusammenhänge führt das zur Grundlage der differenzierbaren, weil systemimmanenten Realität und über dieses Realitätsverständnis zur Grundlage eines ethischen Wertesystems, das unser Denken, Werten und Verhalten über Andere und Anderes auf einen grundlegend toleranten und respektierenden Nenner bringt. Das verhindert aber nicht die Fähigkeit und der Rechtfertigung, genauso auf der Basis der Systematik beruhend, sich eines physischen Angriffs Andersdenkender zu erwehren. Das aber ist immer wieder neu zu entscheiden.

Mit nunmehr verbesserter ethischer Mündigkeit ist jedes Mal neu zu entscheiden, ob eigene Grundbedürfnisse der Existenz zu schützen sind oder ob es sich um Wissenschaften handelt. Das Übertragen der in ihrem so-sein hingenommenen Universalrealität in wissenschaftliche oder andere theoretische Bereiche funktioniert nachweislich eben nicht und führt genau auch zu den Widerspruchsmomenten in unserem Verhalten.

Auf dieser Basis wird die Philosophie endlich zu dem, was ihre eigentliche Aufgabe ist: zu einer echten Orientierungswissenschaft, die dem Menschen tatsächlich etwas zu bringen vermag.

Auf der Basis differenzierten Realitätsverständnis’ führt das zu mehr tolerantem und fairen Umgang mit Andersdenkenden (Ethik) mit der wesentlich verbesserten Chance wirklich echte und sinnreichende Lösungen unserer Probleme im Leben und in den Wissenschaften zu finden.

In diesem Zusammenhang noch eine denkwürdige Tatsache: Der Unterschied zwischen Moral und Ethik!
Es ist festzustellen und offenbar, dass alle Gesellschaften auf dieser Welt, gerade die Politiker, hauptsächlich in Moralkategorien gepaart mit der Wertung »Meine Realität ist realer als deine!« denken, werten und handeln. Alle reden nur von Moral und wenn man sie fragt, was Moral denn impliziert und bedeutet, dann kann das kaum jemand wirklich erklären. Da sich Moral in aller Regel aber rein auf egoistischer Definitionsbasis um Gut und Böse kümmert, führt das immer wieder zu entsprechenden Vorverurteilungen Andersdenkender und -handelnder und Feindbilder werden geschaffen. Das Problem ist, dass es »Das Gute« und »Das Böse« an-und-für-sich nicht gibt. Insofern ist dieses Denken wieder der Grund unfairen, also unethischen Verhaltens im Vorfeld zu offenen Konflikten. Das Denken in Moralkategorien ist immer der Akt einer willkürlichen »ich bin gut und du bis böse«-Einteilung, die oftmals noch mit »Gott mit uns gegen den bösen Feind« argumentativ unterlagert und was noch viel schlimmer ist: gerechtfertigt wird und wurde. Damit werden und wurden alle Kriege auf allen Seiten begründet. Diese Wirkung verstehend ist ein Denken und Werten in ethischen Kategorien die grundsätzlich humanere Wahl im intergesellschaftlichen und interkulturellen Raum auf einer immer enger werdenden Welt.


9. Fazit [Inhaltsverzeichnis]

Hier konnte nur ein grober Abriss wiedergegeben werden. Die Systematik ist wesentlich umfangreicher in Hinsicht auf die tiefen Zusammenhänge unseres Seins und unserer sehr differenten Weltbilder. Die Systematik ist und kann mehr als man gemeinhin bisher unter den bestehenden systemtheoretischen Ansätzen zu vermuten glaubt und sie ist definitiv mehr als nur »ein weitverzweigter und heterogener Rahmen für einen interdisziplinären Diskurs«. Sie ist aufgrund Ihrer fundamentalen und auf einem Modell basierenden Allgemeingültigkeit gegenüber den bestehenden wissenschaftlichen Disziplinen, wenn diese in der Summe doch ein Abbild der Dinge vor unserer Wahrnehmung sind oder »sein sollen«, nicht nur dieser Diskurs über die Dinge, sondern auch der heterogene und holistische Rahmen allen Seins vor unserer Wahrnehmung, das sich in unserem Verständnis abbildet. Sie ist eine holistische Basisdisziplin allen Wissens und allen Seins, das letztlich zu einem höchst liberalem, tolerantem und ethischen Seinsverständnis führt bzw. führen kann im Umgang mit uns und unseren existenziellen Gründen.


10. Quellen [Inhaltsverzeichnis]
11. weiterführende Literatur [Inhaltsverzeichnis]

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