Platon
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These 1

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Die Systemtheorie sollte für das tiefere Verständnis der Thesen inhaltlich bekannt sein (siehe Navigationsleiste).
»Realität und Wahrnehmung«

  oder »Ist die Rose wirklich rot


These: Realität ist keine Universalerscheinung, sondern eine definitiv systemimmanente spezifische Eigenschaft!


Prolog:

Es gibt vier Kräfte, die das Geschick des Universums lenken: Die Gravitation, die elektromagnetische Kraft (im Folgenden »em-Kraft«) und die sogenannte Starke und Schwache Kernkraft. Die letzten beiden treten nicht als unmittelbare Ursache von Wechselwirkungen für größere Strukturen in Erscheinung, da ihre Reichweiten lediglich in den Atomkernen wirken und nur dort limitiert sind. Die Gravitation ist zwar genauso wie die em-Kraft eine makroskopisch wirkende Kraft, aber sie ist für die Funktionsweise biologischen Lebens unbedeutend, da sie lediglich das Erdenrund zusammenhält. Nur die em-Kraft ist die einzige Kraft, die die feststellbaren Veränderungen, Funktionen und Wechselwirkungen unserer erfahrbaren Welt lenkt.

Wir erfahren diese Welt über unsere Sinne. Jeder Sinn ist eine System bestehend aus: Sensor an der Körperoberfläche, Nervenbahnen zum Gehirn, das Gehirn als Sitz des Bewusstseins, das Bewusstsein mit der Fähigkeit von Wahrnehmung und letztlich die Empfindungsausprägung, die mit einer Wahrnehmung einhergeht.

Jeder biologische (und technische) Sensor funktioniert ausnahmslos durch die em-Kraft. Die Wechselwirkung mit einer, wie auch immer gearteten Realität vor dem Sensor tritt frühestens erst auf, wenn der Träger der elektromagnetischen Kraft (z.B. Licht) diesen Sensor erreicht. Somit ist der Sensor die Quelle des Sinnsystems.

Das Sinnsystem ist so gebaut, dass eine Wechselwirkung im Sensor zu einer Folgereaktion am Anfang der Nervenbahn zum Gehirn führt. Der gesamte Weg zum Gehirn einschließlich der Wechselwirkungen im Gehirn sind durch elektrochemische Reaktionen auf der Basis der em-Kraft bestimmt.

Das Gehirn ist ein Organ, das der Sitz von wahrnehmendem Bewusstsein ist. Wie es das bewirkt ist bis heute völlig unbekannt. Für diese Untersuchung ist das unerheblich, denn wir wissen ja, dass es so ist. Letztlich erscheint in unserer Wahrnehmung ein winziger kurzer Eindruck von Helligkeit mit einer bestimmten Farbe oder das Gefühl einer Berührung; der Geschmack von z.B. süß, der gehörte Ton oder ein bestimmter Geruch. Alle möglichen Botschaften aus der Welt vor diesen Sinnen reiten sozusagen auf der em-Kraft und erscheinen letztlich als eine spezifisch ausgeprägte Empfindung, die ein Bewusstsein wahrnimmt. Somit ist das Bewusstsein die Senke des Sinnsystems und die dazwischenliegenden Systemelemente bilden den Übertragungskanal.
Diskurs:
Untersuchen wir jetzt diese Sinne in bezug auf Realität. Die Frage ist: Wie real ist eine Empfindung, auch »Qualia« genannt, in der Wahrnehmung eines Bewusstseins? Voraussetzen müssen wir hier die Differenzierung von bewusster Wahrnehmung auf der einen Seite und der damit einhergehenden Empfindung auf der Anderen.

Nehmen wir als Beispiel das Auge. Frühestens wenn eine elektromagnetische Welle (im Folgenden »em-Welle«) bestimmter Frequenz und Mindestamplitude (ein Photon oder Lichtquant) eine Wechselwirkungs-Sehzelle der Netzhaut erreicht (die »Zäpfchen« für je eine der Grundfarben oder »Stäbchen« für Hell-Dunkel), tritt darin in Folge eine elektrochemische Wechselwirkung auf, die wiederum in Folge einen Nervenimpuls zum Gehirn auslöst. Diese Reaktionskette braucht eine bestimmte Zeit, bis die Wahrnehmung der Empfindung im Bewusstsein auftritt. Jetzt erst tritt eine Wahrnehmung in die Realität des Bewusstseins als Teil dieser Realität bzw. als Element dieses Systems.

Die Frage stellt sich, und hier muss und kann tiefer differenziert werden, ob die Realität dieser Wahrnehmung identisch(!) ist mit der/einer Realität vor den Augen und mehr noch: mit einer, wie auch immer gearteten Realität vor dem Bewusstsein, denn auch das kann und muss man deshalb unterscheiden? Das Ganze wird noch komplexer durch die Frage, ob auch die Empfindung, die mit der Wahrnehmung ihrer selbst einhergeht, in gleicher Weise identisch ist mit einer Realität vor den Augen bzw. vor dem Bewusstsein?

Wenn wir z.B. eine rote Rose vor unseren Augen erblicken, so erkennen wir einen »hellen«, »roten« Gegenstand. Fragen wir uns jetzt, ob die Blütenblätter der Rose, so wie sie sich vor unseren Augen befindet, auch tatsächlich hell und rot sind; identisch(!) so, wie wir das empfinden? »Tatsächlich« in der Realität vor den Augen und im Sinne von »an-und-für-sich«?

Wie wir oben schon feststellen konnten und unzweifelhaft wissen, erhalten wir unsere Informationen oder Botschaften aus der Welt vor unseren Augen über die em-Kraft. Im Falle des Sehsinnes ist das eine em-Welle bestimmter Frequenz, die erst an der Netzhaut, im Augenblick der elektrochemischen Wechselwirkung, mit der Sehzelle in das Sinnessystem eintritt. Um das weiter zu analysieren, müssen wir das Sinnessystem erweitern zu einem System, das das Rosenblatt mit einbezieht und kommen zur Frage: Was geschieht vor der Netzhaut?

Eine em-Welle verlässt die Oberfläche des Rosenblattes. Frage: Ist diese em-Welle, auf dem Wege in unser Auge rot? Hat sie eine rote Farbe? - »an-und-für-sich«? Oder: Ist eine em-Welle selbstimmanent(!) hell; an und für sich? Ist Helligkeit (helles Licht aus einer Landschaft) eine Realität, die in identischer Ausprägung so vor unseren Augen besteht oder seiend ist, wie wir Helligkeit empfindend(!) wahrnehmen? Ist die Welt vor unseren Augen hell? - Wohl kaum! Die Physik selbst ist es, die uns die Antwort gibt: Eine em-Welle hat eine Frequenz und Amplitude, aber auf keinen Fall eine Helligkeit oder Farbe. Auf keinen Fall ist es auch im Entferntesten notwendig(!) diese Attribute definieren zu müssen. Und selbst wenn: Würde die em-Welle diese Helligkeit »an-und-für-sich« haben oder selbst diese Farbe sein(!) - oder führt sie sozusagen ein Farbbehälter mit sich, um diese dann in das Auge zu »ergießen«? Aus welchem Stoff oder Helligkeitsmittel würde diese Farbe denn bestehen? Nein - es gibt nicht den mindesten Ansatz in allem heute verfügbaren Wissen, dieses anzunehmen; annehmen zu müssen! Eine em-Welle hat definitiv keine Helligkeit oder Farbe: an und für sich! Und das ist in vollem Einklang zu bestehendem, verfügbarem Wissen aus allen wissenschaftlichen Bereichen!

Bleibt die Frage, wie diese Farbe in unsere Wahrnehmung gelangt, die dieses Rosenblatt doch offensichtlich hat?

Also noch einmal: Ist das Rosenblatt selbst »an-und-für-sich« rot oder hell - »an-und-für-sich« identisch so, wie wir es in unserer Wahrnehmung ausgeprägt empfinden? Auch hier definitiv Nein! Atome haben »an-und-für-sich« auch keine Farbe oder Helligkeit. Sie stimulieren mit ihren Eigenschaften und Wechselwirkungen lediglich die Energie von em-Wellen, die sie, nach der Beleuchtung durch die Sonne, weiterstrahlen. Max Plank hat den Zusammenhang erforscht: Die Energie E einer em-Welle ist eine Konstante »h-quer« (das Plank‘sche Wirkungsquantum) mal der Frequenz f der em-Welle. Somit emittiert eine em-Welle mit ihrer Frequenz lediglich einen bestimmten Energiehaushalt aus der Elektronenhülle der Oberflächenatome des offensichtlich roten Blattes.

Betrachten wir als Letztes den Übertragungskanal zwischen Sensor und wahrnehmendem Bewusstsein. Wenn die em-Welle die erste elektrochemische Wechselwirkung in der Sensorzelle der Netzhaut bewirkt hat, so löst diese eine elektrochemische Folgereaktion aus, die durch die Nervenbahn zum Gehirn jagt. Frage: Fließt hier (in Ignoranz des oben schon Beschriebenen) eine Farbe in stofflichem Sinne die Nervenbahn entlang zum Gehirn? - Definitiv Nein! Ganz abgesehen davon, dass diese »helle« Farbe schon gar nicht in unser Auge »ergossen« wird. Die Gehirnforschung und Neurologie ist heute dermaßen weit fortgeschritten und hat dermaßen viel gemessen in diesem Bereich. Niemals ist auch nur der Hauch eines Ansatzes erkannt worden, dass durch eine Nervenbahn »Farbe« oder ein »Hellstoff« fließt.

Und noch einmal: Wieso ist das Rosenblatt denn offensichtlich hell und rot? - vor unseren Augen? Könnte es sein, dass wir das nur in unserem Bewusstsein erleben? Wenn das so ist, dann muss man unterstellen: Jedes System hat seine eigene individuelle immanente Realität. »Realität« ist somit ein differenzierbarer Begriff. Diese Realität muss demzufolge in dem Organ Namens »Gehirn« generiert werden in Anbetracht der Musterverteilung von Signalen, wann, wo und wie diese über die Sensoren und die Nervenbahnen in das Gehirn gelangen.

Wir definieren:
Jedes biologisch individuelle System, dass zu Wahrnehmung fähig ist, besitzt eine immanente, individuelle Realität. Diese Realität wird aus den Signalen der vor diesem System liegenden Realität »generiert«! Wir nennen diese Realität »Generatorrealität«! Diese Generatorrealität hat nur für dieses System bestand, denn sie ist(!) die(!) Realität, mit der dieses System funktioniert im Sinne von »für-sich« und in bezug zu einer vor dieser Realität liegenden Realität.

Es besteht ein weiteres, wichtiges und seltenst wahrgenommenes Indiz, dass es keine Universalrealität geben kann:
Es gibt keine Möglichkeit festzustellen, ob zwei Menschen, wenn sie einen Gegenstand mit bestimmter Farbe sehen, in ihrer Wahrnehmung auch das Identische empfinden. Siehe die Menschen mit synästhetischer Wahrnehmung. Aus diesem Grunde darf man das auch nicht kritiklos unterstellen! Wenn der Farbeindruck schon ein innerhalb des wahrnehmenden Systems generierter Zustand ist, so ist definitiv nicht auszuschließen, dass die Empfindung eines Farbeindrucks in der Ausprägung des Farberlebnisses völlig unterschiedlich ist. Es ist zu unterstellen, dass, wenn eine Person die Empfindung »rot« wahrnimmt, so die Andere vielleicht, bezogen auf die Farbpalette der ersten Person, »rot« oder »rot«. Das ist kein Grund zu unterstellen, dass diese Personen nicht in der Lage wären, sich objektiv zu einigen. Jede Person hat diesen Eindruck in Verbindung mit dem Farbnamen in ihrer Kindheit erlernt, denn eine spezifische Eindrucksempfindung bleibt als spezifisch generierte Realität so systemimmanent ein ganzes Leben bestehen. Auch hier der offenbare und im Leben deutlich vernachlässigte Gedanke, wie oberflächlich wir Menschen in unserer Realitätswahrnehmung den Begriff einer Sache mit dem Innbegriff dessen verwechseln und als identisch unterstellen!

Im Weiteren könnte es sogar so sein, dass zwei Menschen zwei Farbempfindungspaletten haben, die so unterschiedlich sind, dass, wenn man diese Paletten übertragen könnte, jeder von Beiden Farbempfindungen wahrnehmen würde, die er noch nie in der Lage war wahrzunehmen; die in seiner Palette gar nicht vorkommen, denn Farbe ist letztlich nur eine Empfindung! Genauso ist das mit der Empfindung von Helligkeit. Unzweifelhaft nimmt jeder Helligkeit wahr, aber die damit einhergehende Ausprägung der Empfindung (Begriff und Inbegriff!), die jemand in seiner Wahrnehmung daraus erhält, kann auf keinen Fall als identisch zu einem Anderen unterstellt werden. Es gibt keinen Grund, warum das identisch sein sollte. Siehe wieder Synästhesie.

Diese Zusammenhänge lassen sich problemlos auf alle anderen Sinnessysteme übertragen. Was ist ein Ton (Verzeihung: Begriff und Inbegriff dessen:); eine Tonempfindung? Oder eine Symphonie. Ist das alles nicht letztlich der Grund, warum verschiedene Menschen unterschiedliche Geschmacksrichtungen haben? Was der Eine nicht oft genug hören kann, beleidigt die Ohren des Anderen. Oder die Empfindung eines Geschmacks, ein Gefühl auf der Haut (die einen lieben Schmerz, die Anderen (die Meisten) eben nicht) und letztlich der Geruchssinn?

Wie offenbar wir Menschen den Begriff einer Sinnesempfindung mit dieser als identisch im Sinne einer universalen Realität gleichsetzen, kann nicht mehr bezweifelt werden! Es lässt sich problemlos erkennen, dass das der Grund ist für die meisten zwischenmenschlichen Probleme auf der Welt, bis hin zu politischen und (gerade extremen) Glaubenssystemen. Wenn man das einmal verstanden hat, so erfährt man die wirklich extreme und tragische Tiefe des Grundes menschlichen Fehlverhaltens! Wie offenbar die Menschheit an dieser Art analytisch philosophischer Wahrheit vorbeigeht, zeigt, warum die Menschheit alles andere als reif; aus dem Mittelalter des Gedankengutes herausgekommen; wie weit die Menschheit kollektiv entfernt ist von einer reifen, moralischen und ethischen Mündigkeit sich selbst und ihren existenziellen Gründen gegenüber.

Wenn wir diese Analyse verinnerlicht haben, so erkennt man, das Platon schon vor rund 2500 Jahren genau an diese Seltsamkeit der (seiner!) Realität gestoßen sein muss. Sein »Ideenwelt« und sein »Höhlengleichnis« sind überliefertes Zeugnis dieser seiner Vermutung.

Noch einmal zurück zum Realitätsbegriff: Realität ist demzufolge und notwendigerweise ein differenzierbarer Begriff. Wir hatten die empfundene Realität als generierte Realität oder »Generatorrealität« definiert.

Wenn Sie, lieber, aufmerksamer Leser bis an diese Stelle gekommen sind, dann entseht hier eine etwas gefährliche Situation: Deshalb: bitte lesen Sie unbedingt weiter, denn es besteht die Gefahr, dass Sie innerlich überinterpretieren.

Die Frage, die sich jetzt zwangsläufig stellt, und das ist typisch für uns Menschen, ist: Wie real ist denn diese Generatorrealität?

Um es vorwegzunehmen: Diese Frage ist genauso falsch und überflüssig wie eine Frage, ob man einem Radieschen das Sprechen (im menschlichen Sinne) beibringen kann. Trotz Differenzierung gibt es keinen prinzipiellem Grund differenzierte Realitäten gegeneinander aufzuwiegen, dass sich die Eine vor einer Anderen auszeichnen würde im Sinne von: mehr oder weniger real! Jede Realität ist in ihrem System »die Realität«. Dies möchte ich hier begründen:

Das Gehirn ist unstrittig ein System, das irgendwie in der Lage ist wahrnehmendes Bewusstsein zu beherbergen. Ein Gehirn mit mehr Fähigkeiten verleit dem Besitzer auch mehr Flexibilität und Anpassungsvermögen, als einem Lebewesen mit weniger dieser Fähigkeiten, was eine Grundvoraussetzung zum Überleben der Art ist. Das zeigt der biologische Evolutionsverlauf auf unserem Planeten. Die generierte Realitätsausprägung in diesem System »Gehirn«, völlig unabhängig von der Stärke der Bewusstseins- und Wahrnehmungstiefe, ist dabei der Basisfaktor. Diese Realitätsausprägung ist für das System seines Besitzers genau »die Realität«, mit der seine Art überlebt hat. So gesehen ist diese Realität völlig real, für seinen Besitzer (überlebens-)richtig und sie funktioniert!

Der zweite Punkt ist, dass eine Realität die immanente Eigenschaft eines, diese beinhaltenden Systems ist. Die Bewertung einer Realität aus einem anderen System heraus hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Eine Realität ist die(!) Realität ihres(!) Systems! Das ist der philosophisch wahre Grund für das oft destruktive Verhalten von Menschen untereinander.

Der dritte Punkt ist, dass die Generatorrealität für seinen Besitzer eindeutige mathematische und physikalische Eigenschaften hat. Sie beherbergt also eine systemimmanente Mathematischkeit. So sind die Basisentitäten (Raum, Zeit, Energie und Materiemasse) unserer (menschlichen) Generatorrealität eindeutig mathematisch-physikalisch. Der Raum hat Länge, Breite, Höhe und Volumen. Körper lassen sich mit ihrem Verhalten in der Zeit berechnen: sie verhalten sich mathematisch-physikalisch. Alle Körper haben in Raum und Zeit eine Materie-Masse-Struktur, die sich mit ihrer Energie berechnen lassen usw.. Unsere Generatorrealität ist definitiv physikalisch und real - für dieses (individuelle) Gehirnsystem, und sie ist objektiv zwischen mehreren dieser Systeme der gleichen biologischen Art abgleichbar im Sinne einer objektiven Realität (siehe Farbwahrnehmung oben!).

Automatisch stellt sich die nächste Frage: Und wieso sehen wir dann diese Realität »vor unseren Augen«, wenn sie doch so gesehen eine generierte Realität in unserem Kopf ist?

Ganz einfach: Man kann sagen, dass unser Gehirn diese, seine innere, generierte Realität vor die Augen projiziert. Das tut es natürlich nicht wirklich im physikalischen Sinne, sondern es ist wiederum, wie jede andere auch, eine generierte Empfindung im Gehirn! Wir empfinden das so, als Ausprägung genauso wie eine Helligkeitsempfindung; als wenn sich das generierte Sein vor unseren Augen befinden »würde«. Auch diese Empfindung ist eine Generierungsleistung des Gehirns.

Das soll nicht heißen, dass das nur eine Illusion ist, sondern das ist die/unsere Realität! Die generierte Realität ist ja die systemeinbettende Folge einer Realität vor dem Bewusstsein. Insofern ist sie ein kongruentes Abbild dieser. Auch wenn die Summe aller em-Wellen, vor den Augen letztlich einen Tiger in meine Realität generieren, der vor mir stehend, mich fressen will, so ist dieser Tiger völlig real - vor meinen Augen - und besteht aus Strukturen in einem, uns beide einbettenden Realitätssystem vor meinem und des Tigers Bewusstsein. Wenn das nicht real wäre, dann wäre ich hinterher gefressen und könnte mich nicht mehr philosophisch darüber auslassen. Allerdings ist er ein Teil ebendieser Realität »vor dem Bewusstsein« und diese Realität hat ihre Eigenarten. Das ist auch der Grund, warum sich zwei Menschen objektiv einigen können: „Hey pass auf, der will dich fressen!“, ruft mein Nachbar vom Baum, weil er den Tiger genauso wie ich als solchen wahrnimmt.

Und es geht noch eine Stufe tiefer in die Erkenntnis: Wir gehen in völligem Einklang zu bestehendem Wissen davon aus, dass die em-Wellen vor unseren Augen alles andere als hell oder farbig sind. Aber auch diese Darstellung ist letztlich nur die abgeleitete Folge der Analyse generatorrealer Entitäten oder Erscheinungen dieser unserer Generatorrealität; es ist die Physik dieser generatorrealen Realität. Was ist denn eine »em-Welle«? Was ist das? - an und für sich? Man kann davon ausgehen, dass selbst die gestandensten Physiker dieser Welt seltenst darüber reflektiert haben und dass es eigentlich keiner weis. Niemand auf diesem Erdenrund kann beschreiben, was das tiefere Wesen; der tiefere Stoff ist, aus dem eine em-Welle besteht. Alle antworten sofort: Eine elektromagnetische Kraft wellt halt - irgendwie! Ist das eine echte, hinreichende und befriedigende Erklärung oder eher ein Dogma, das man hinnimmt in seinem »so-sein«; unbemerkt und kritiklos den Begriff mit dem Inbegriff dessen gleich setzt?

So weit, so gut: Auch ich habe keine Erklärung, was das ist, was da wellt. Aber ich kann einen Schritt in die Systemtheorie tun, die hierbei eine spezielle Betrachtungsweise zu sinnvoller Differenzierung der Entitäten und Begriffe ist. Wer behauptet, dass das nicht nötig ist oder selbst nur Begriff und Inbegriff weiter als identisch betrachtet, der wird zwangsläufig nicht weiterkommen. Dem wird sich die wahre Tiefe der Erkenntnis verschließen; zwangsläufig!

Wie also sieht dieses (generatorreale) Modell auf der Basis der Systemtheorie aus? Wir gehen davon aus, dass es ein Realitätssystem gibt, dass alles beinhaltet, um Teilsysteme hervorbringen zu können. Nennen wir dieses Realitätssystem einfach mal »Strukturrealität«. Es beinhaltet (immanent) alle Strukturen, um die von uns letztlich wahrnehmbare Realitätsausprägung hervorzubringen (inkl. des hier diskutierten Modells).

Wie diese Realität aussehen könnte oder besser: »seiend ist«, ist an dieser Stelle irrelevant. Die hervorgebrachten Teilsysteme sind letztlich Bewusstseine mit der Fähigkeit Empfindungen zu generieren, die aus Wechselbeziehungen hervorgehen, die ihr Sein in diesem allgemeineren Realitätssystem begründet haben.

Wir gehen davon aus, dass aus einem allgemeineren, umfassenderen Realitätssystem, das vor unserem Bewusstsein seiend ist, eine wie auch immer geartete Information oder Botschaft zu etwas gelangt, das wir aus der Sicht der/unserer Generatorrealität »Sensorzelle des Auges (oder eines anderen Sinnes)« nennen und funktionell beschreiben. Auch das nur Worte aus unserer generatorrealen Welt, die u.a. auch die Sprache ausgeformt hat. Das was wir hier »sensorischen Sinn« nennen, respektive hier nur die Sensorzelle, ist auch nur, so wie alles, ein Wissen aus generierter Realität; ein »Etwas«, das aus Atomen der Modelvorstellung unserer Generatorrealität besteht und nur dort wechselwirkt. Alles folgende, bis in unser aktiv generiertes Erleben, ist eine Empfindung von generierter Realität, die wiederum als Empfindung sozusagen virtuell vor die Augen projiziert ist. So entsteht der Tiger in unser aller Wahrnehmung, selbst wenn ein anderes Bewusstseinssystem andere Farbempfindungen für die gleichen objektiven Farben des Fells haben sollte!

So das ist das Modell auf der Basis differenzierter Realitäten: Alles Bestehende bildet ein System mit eingebetteten Untersystemen. In dieses sind wiederum spezialisiertere Teilsysteme eingebettet, die letztlich Körper mit Gehirn und Bewusstsein bilden.
 
Resümee:
Diese These zeigt deutlich: Der Begriff »Realität« muss differenziert werden! Zum Einen, weil man das kann ohne mit bestehendem Wissen zu kollidieren und zum Anderen, weil es die Systemtheorie gibt. Sein semantischer Inbegriff, also die Ausprägung von Realität, ist definitiv immanent systemabhängig!!!

Wenn wir betrachten wie dieser Begriff im Alltag typischerweise benutzt wird und wie wir Menschen uns verhalten, so können wir schon ahnen, warum schon Platon das in Frage stellte! Realität ist ein bisher nicht weiter differenzierter Begriff. Die Menschen tun so, als wenn es eine einzige Universalrealität als »die Realität« gibt, völlig unabhängig von einem System! Es ist äußerst selten festzustellen, dass Jemand bereit ist, sich damit analytisch auseinanderzusetzen. Es wird in typischer Weise kritiklos unterstellt, dass die empfundene Ausprägung von Realität im Bewusstsein, in identischer Weise, so vor dem Auge und(!) vor dem Bewusstsein liegend, seiend sein soll. Die erlebte Realität wird in ihrem »so-sein« einfach als universal hingenommen. Unser Bewusstsein ist nun Mal so gestaltet, dass der Akt des Nichtwahrnehmens selbst nicht wahrgenommen wird; prinzipiell nicht wahrnehmbar ist! Das ist der tiefere Grund, warum es Philosophie gibt! Sie ist die einzige Disziplin, die in der Lage ist, durch geduldiges Hinterfragen des Seins die Zusammenhänge nicht wahr genommener Nichtwahrnehmung zu entdecken.

Man kann also auf keinen Fall unterstellen, dass die Realität vor dem Bewusstsein identisch ist mit der Realität im Bewusstsein. Es gibt definitiv keinen Grund, warum diese verschiedenen Realitäten identisch sein sollten in ihrer Ausprägung und mehr noch: es gibt keinen definitiven Grund eine Realität vor einer anderen auszuzeichnen in dem Sinne wie: Diese sei realer als Jene. Jede Realität ist in ihrem System sinnvoll so ausgeprägt, dass sie für ihr Sein gesehen konsistent funktioniert!
 


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