Platon
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These 4

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Die Systemtheorie sollte für das tiefere Verständnis der Thesen inhaltlich bekannt sein (siehe Navigationsleiste).
»Zeit und Bewusstsein«

  oder »Kann man Zeit wirklich messen?«


These: Zeit ist eine ausschließlich immanente Entität der Generatorrealität im Gehirn; eine Eigenheit »vor den Sinnen«, aber nicht »vor dem Bewusstsein«!

Diese These baut auf den vorherigen Thesen auf, im Besonderen auf der These 2 »Unser physikalisches Weltbild steht Kopf«. Sie müssen zur Vermeidung von Wiederholungen hier verständnismäßig vorausgesetzt werden.


Prolog:

Die Zeit ist schon von jeher eine höchst suspekte, wenn auch extrem evidente Angelegenheit unserer Welterfahrung. Eine Entität, die äußerst nebulös und ohne Ausnahme alle empfindende Wahrnehmung durchwirkt. Es gibt wahrscheinlich keinen Philosophen, der sich nicht (mehr oder weniger) damit auseinandergesetzt hat. Beginnend bei den altvordern Philosophen über Augustinus von Hippo (354 - 430) bis heute eine nicht einwandfrei interpretierbare Eigenheit des Seins. Die Menge aller bisher entstandenen Deutungen sind ein Beleg für ihren stark phänomenologischen Charakter, der es uns so schwer macht zu entscheiden, ob es die ontologische Wirklichkeit nun gibt oder nicht. Aber wieso ist das so? Wenn die Zeit eine (unterstellte) Basisentität ist, genauso wie Raum, Energie und Materie, warum verschließt sie sich im Gegensatz zu den anderen Dreien so verwirrend unserer Logik? Das muss einen Grund haben, der nicht alleine am Phänomen selbst liegen kann, denn dann hätte man doch längst eine hinreichende Interpretation erreicht, oder? Es muss eine tiefere Ursache dazu geben!

Ohne die Leistung eines jeden Philosophen schmälern zu wollen (diese Arbeiten waren und sind definitiv wichtig!): Wir drehen uns doch offenbar im Kreise ... oder ist denn einer wirklich(!?) weitergekommen seit Platon und Augustinus? Was wir brauchen, ist ein anderer Ansatz! Ich unterstelle einmal, dass eine ganz andere Qualität im Ganzen liegt, die bisher nicht entdeckt oder wahrgenommen wird, da diese in einem Bereich liegt, der wahrscheinlich(!) an den Grundfesten unseAres Selbstbildnis rütteln dürfte (mal ganz abgesehen von religiösen Einstellungen)!

Die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse der letzten Jahre deuten aus den unterschiedlichsten (und unabhängigen!) Richtungen immer stärker darauf hin, dass wir es langsam angehen sollten, unser Selbstbildnis in analytisch konstruktive Zweifel zu stellen, wenn wir weiterkommen wollen. Die bisherigen Erklärungsversuche beschäftigen sich ausnahmslos alle (zumindest die, die ich kenne) mit der (mehr oder weniger) intelligenten Interpretation eigenschaftlicher Zusammenhänge von Zeiterfahrung mit unserer (auch rein semantisch verbalen) Logik auf dieser Basis. Sie durchforsten den Wald von allen Seiten und jede weitere (wenn auch immer subtil intelligenter ausformulierte) Arbeit auf dieser Basis vermehrt letztlich die Unüberschaubarkeit aller bisher festgestellten und feststellbaren semantisch, logischen Zusammenhänge ... die ich so erst mal nicht anzweifle! Jede hat sicherlich einen richtigen Kern, egal ob man sie als abgeschlossen-richtig oder unvollständig-falsch erachtet! Kritikwürdig (Betonung auf »würdig« im konstruktiven Sinne!) sind sie letztlich bisher doch alle, oder?!

Den Ansatz, den ich hier bieten möchte, geht ganz anders an das Problem heran. Wie in den vorstehenden Thesen wird auch dieser Diskurs keine semantisch-logische Eigenschaftsbeschreibung der üblichen, reinen Philosophie sein, sondern eine Eingliederung der Zeiterscheinung und der davon unterscheidbaren Zeitempfindung in bestehende wissenschaftliche, vornehmlich physikalische Erkenntnis auf dem Boden analytisch funktionierender Prinzipien und Methoden in höchst differenzierender Weise. Dadurch iAst eine Synthese von philosophischer Sichtweise und physikalischer Gegebenheiten möglich. Wer die vorstehenden Thesen aufmerksam gelesen und selbstkritisch verstanden hat, wie dieses Konzept auf der Basis der Systemtheorie funktioniert, der wird feststellen, dass sich auch dieser Diskurs wieder als Bestätigung der hier vorgestellten, ganzheitlichen Sichtweise ausbildet. Dabei werde ich den Unterschied zwischen Raumempfindung und Zeitempfindung wechselseitig herausstellen.
Diskurs:
In der These 2 habe ich auf rein physikalische Weise belegt, dass wir keine Sinnessensoren haben, die in der Lage wären das, was wir als Basisentitäten unserer Realität an- bzw. hinnehmen in ihrem »so-sein«, unmittelbar(!) wechselwirkungstechnisch aufzunehmen. Raum, Zeit, Energie und Materie sind erst nach mehreren Umsetzungsstufen im Gehirn letztlich die Zusammenfassung einer »Interpretierten Wahrnehmung«. Wir müssen dabei wieder unterscheiden in Empfindungsausprägung, semantischem Inbegriff dessen und den Begriff für die interpretierte Wahrnehmung von Zeit selbst. Jede Wahrnehmungsstufe generiert aus den Signalzuständen der elektrochemischen Nervenleitungen im Gehirn neue Wahrnehmungen im Sinne von »das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile«, die sich wiederum als Zustandsgesamtheit aller Signale in der nächstfolgenden Wahrnehmungsstufe darstellen. Schlussendlich filtert das Gehirn diese Summe jeweils zu einer Basisempfindung zusammen: Raumhohlheit und Zeitverläuflichkeit bilden sich heraus. Dabei besteht aber ein wichtiger Unterschied: Raumhohlheitsempfinden ist eine Wahrnehmungsqualität, die virtuell vor die Sinne (vornehmlich vor die Augen) projiziert empfunden wird. Wohlgemerkt: Das ist natürlich keine Projektion im physikalischen Sinne, sondern lediglich eine Empfindung im Bewusstsein »seiner selbst(!)«. Wie in These 2 dargelegt, ist das, was wir sehen oder mit der Hand als Widerstandslosigkeit um uns herum fühlen wenn wir diese durch »den Raum« bewegen, nicht ein Wahrnehmen von Raum »vor« den Sinnen, sondern (völlig isoliert im Gehirn eingeschlossen) ein Empfinden von »Raumhohlheit« innerhalb(!) des Bewusstseins auf der Basis der »Resultativ generierten Wahrnehmung«. Die Empfindung von Zeitverläuflichkeit dagegen hat keine Evidenz »vor den Sinnen«; diese Wahrnehmung hat keine(!) virtuelle Projektionskomponente vor die Sinne. Achtung: Das leugnet nicht die Tatsache, dass die Dinge augenscheinlich ihren Zustand oder ihren räumlichen Bezug verändern! Aber genau hier ist der Knackpunkt: Alles Wahrgenommene, auch die Veränderung wechselwirkender Dinge, ist »Empfindung an und für sich« im System »Bewusstsein«; eingebettet im System »Gehirn«: und das aus der Sicht unserer Generatorrealität interpretiert! Wir kommen weiter unten noch dazu die physikalische Zeit von der inneren Empfindung von Zeitverlauf zu differenzieren.

Zeitverlauf ist eine Empfindung, die unsere Wahrnehmung dermaßen nebulös durchflutet, dass man eigentlich (um es vorsichtig auszudrücken) keinen Ansatz finden »sollte«, diese qualitativ von der (und jetzt Achtung!) »Empfindung von Wirklichkeit vor den Sinnen« zu trennen und isoliert zu betrachten! Aus dieser Sicht könnte(!) man sogar behaupten: Sie ist immanenter Bestandteil unseres Bewusstseins oder ganz Extrem: das ist(!) unser Bewusstsein »an und für sich«, weil ohne diese empfindende Durchflutung ein Bewusstsein zum Erkennen von Wirklichkeit unserer Realität nicht in diesem Sinne funktionieren könnte. Zeitverläuflichkeit und Wechselwirkung bzw. Veränderung der Dinge sind aus der Sicht der Generatorrealität im System »Gehirn« identisch(!). Das aber würde bedeuten, dass wir uns von Urzeiten an um eine eigentlich in dieser Form nicht existente Frage kümmern! ... Aber sehen wir erst mal weiter. Um ein Verständnis des hier vorgestellten Modell zu erhalten, werde ich zunächst noch einmal die Raumempfindung heranziehen (weil diese »anschaulicher« ist), um anschließend die Zeitempfindung auf dieser Basis äquivalent zu deuten.

Aus sehr vielen Gründen und anhand vieler Beispiele nicht nur aus der Physik, lässt sich unterstellen, dass es mindestens zwei grundsätzliche Systeme gibt (plus ein postuliertes Drittes), die in ihrer Gesamtheit das Universum mit hervorgebrachten Bewusstseinen, die darüber nachdenken, ausmacht:
 

Basissysteme des Universums
 
  1. ein postuliertes, definitiv randloses, aller unterstes und aller allgemeinstes System: die Strukturrealität des Universums (Die Zeichnung ist das Modellsystem. Die Bildebene stellt das randlose(!) Struktursystem dar.);
  2. das Quantensystem mit seiner physikalischen Quantenrealität, das für diese Überlegungen aber erst einmal irrelevant ist; und
  3. die Generatorrealität(en vieler Lebewesen) mit wahrnehmenden Bezug zueinander, dem funktionellen Ziel des Überlebens der Art und der Fähigkeit zum vorsätzlichen Nachdenken.
Es lassen sich natürlich noch weitere Systeme und Untersysteme abgrenzend definieren und betrachten, aber diese bestehen letztlich nur aus Beziehungen gleicher, qualitativer Systemebenen untereinander.

Die Sicht, warum diese Gesamtstruktur des Universums (sehr wahrscheinlich) so seiend ist (nicht »existiert«, weil das ein rein generatorreales Attribut wäre), ist mit entsprechenden Beispielen aus vielen Bereichen bestehender, verfügbarer und konkreter naturwissenschaftlicher Erkenntnis äußerst umfangreich und würde hier zu weit führen. Wen das eingehender interessiert, dem möchte ich noch einmal mein Buch empfehlen: »Zustand und Erkenntnis oder Das Wesen der Dinge«, wo diese Dinge aus dieser meiner Sicht aufgearbeitet sind!

Betrachten wir jetzt unsere Wahrnehmung auf der Basis des Vorgenannten: Wir hatten ja in vorherigen Thesen schon differenziert, dass aus der generatorrealen Sicht heraus zwei Systeme unterscheidbar sind: Ein einbettendes System mit dessen innerer »Realität vor dem Bewusstsein« und eines, das darin eingebettet ist, weil das daraus hochspezialisiert hervorgeht (Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile!): das System unseres Bewusstseins, dass die Wahrnehmung seiner systeminneren, generierten Realität virtuell vor seine Sinnesgrenzen projiziert, was selbst wiederum nur eine empfindende Wahrnehmung im(!) System des Bewusstseins ist und sich nur »dort(!)« abspielt. Wir können davon ausgehen, dass es keinen, im physikalischen Sinne von Kraft, fernwirkenden Durchgriff auf diese Dinge vor den Sinnen gibt, weil selbst das schon der modernen und grundlegenden Physik widerspricht, also der generatorrealen Physik unserer wahrnehmbaren Realität: Es gibt keine Fernwirkung! Unsere Sinne sind keine tastenden »Fühler«, die die Welt vor unseren Sinnen sozusagen abtasten, sondern, wie in den vorstehenden Thesen belegt, sind ausnahmslos alle Sinne erst dann am »re«-agieren (also letztlich am Empfinden von Wahrnehmung), wenn die, aus dem generatorrealen Standpunkt heraus interpretierten Wechselwirkungsabläufe die Schnittstelle zum Gehirn längst erreicht haben, vorher definitiv nicht! Dieser Zusammenhang ist eigentlich aus allen Bereichen wissenschaftlicher Betätigung, von der Physik bis zur Neurologie, bestätigt.

Ich möchte das versuchen durch ein Bild darzustellen. Das Beste wird sein, wenn Sie sich das Bild ausdrucken, um den weiteren Ausführungen besser folgen zu können (rechte Maustaste, Bild in ein druckbares Dokument kopieren, ausdrucken ...):
 

Systemhierarchie des Seins
 
Das Bild gliedert sich in drei Bereiche:
  1. Die (postulierte) Strukturrealität als das unterste, allgemeinste, definitiv randlose, alles was im Universum seiend ist, einbettende System. Aus den bisherigen Überlegungen auf der Basis der Systemtheorie und auf Grund vieler Indizien aus allen Bereichen wissenschaftlicher Aktivitäten, die immer wieder zeigen, dass unsere Weltsicht in typischer Weise seltsam widersprüchlich ist, zeigt sich ein sinnvoller Weg zu einer ganzheitlich betrachtbaren Lösung, wenn man dieses unterste System allen Seins des Universums postuliert. Das ist nicht nur eine haltlose Annahme, sondern die mathematische Physik selbst läuft heutzutage darauf hinaus. Begriffe wie Superstringtheorie, Branes, Grand Unified Theorie, etc., haben Sie, lieber Leser vielleicht schon einmal gehört. Diese Begriffe bezeichnen mathematische Strukturen, aus denen sich unsere Welt auf einer untersten Ebene zusammensetzen soll. Diese Theorien (es gibt bisher mehrere Ansätze dazu) sind noch in der Erforschung. Ohne die mathematisch, sehr komplexen Zusammenhänge verstehen zu müssen oder zu kennen, bietet alleine schon das Postulat eine Lösbarkeit zur hinreichenden Interpretation unseres Seins, denn genau hier greift die Systemtheorie; sogar im Umkehrschluss, dass diese Theorie als analytisches Werkzeug mehr als sinnvoll ist.
  2. Die Generatorrealität(en): Mehrzahl, denn jedes mehr oder weniger bewusste Lebenssystem hat seine eigene, innere, generierte Realität, die ausschließlich für dieses System »die Realität« ist.
  3. Das Modellsystem, das der Generatorrealität äquivalent gegenübersteht und letztlich unsere Welterfahrung widerspiegelt. Dieses Modell stellt die Basis unserer Wissenschaft und Erkenntnis dar. Die funktionierende Äquivalenz dieses Modelsystems zu unserem Sein mit seinen mathematisch-physikalischen Eigenschaften ist der Grund, warum die Frage, ob es eine andere Realität, im Sinne von »mehr oder weniger Real« gibt, eine definitiv irrelevante, falsche Frage ist (siehe hierzu auch These 01: Realität und Wahrnehmung). Jedes bewusste, wahrnehmende System hat seine innere, immanente Realität und eine Bewertung oder Urteil über den betrachteten Systemrand des eigenen Bewusstseins hinaus in ein anderes, wenn auch ähnliches System, ist definitiv der Grund unserer erfahrbaren Seltsamkeiten mit der (dieser, als universal unterstellten) Realität. Erst die systemtheoretische Akzeptanz, das Realität systemgebunden individuell ist, löst den Gordischen Knoten. Das braucht niemandes Widerspruch zu erregen, denn genau diese Sichtweise reduziert alle Fragen, die wir an die Welt stellen, in höchst demokratischer und liberaler Art auf das sinnvolle Maß und lässt(!) alles und jede bestehende (individuelle) Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis erst einmal unangegriffen bestehen. Lediglich die Bandbreite vorhandener Interpretationen wird entwirrt. Wir erhalten die Möglichkeit, die sinnlosen, falschen Fragen zu erkennen.
Mit diesem Rüstzeug, möchte ich jetzt das Bild näher beschreiben und betrachte als Erstes nur das unterste der drei dargestellten Bereiche: Das Modellsystem unserer Wahrnehmung. Aber Achtung: Die folgende Interpretation basiert auf der generatorrealen Sichtweise unserer zweifelsohne richtigen und individuell realen Erfahrungswelt.

Wenn wir vor uns zwei Gegenstände sehen, dann empfinden wir zwischen diesen und uns den räumlichen Abstand. Wir vermeinen den Raum zu sehen. Unsere Zustandsmaschine »Gehirn« assoziiert aus den Botschaften der vor den Sinnen liegenden (wenn auch virtuell projizierten) Gegebenheiten eine Raumempfindung. Die Gegenstände erhalten einen räumlichen Bezug zueinander und zum Beobachter. Die physikalische Basis dazu ist die elektromagnetische (em-) Kraft, die eine Wechselwirkung mit den Sinnessensoren eingeht. Zwischen den sehr vielen Lichtwellen von der Oberfläche der Gegenstände besteht eine Strukturbeziehung dieser untereinander, die bis zur Oberfläche der Zustandsmaschine »Gehirn« über die Nervenbahnen der Sinnessysteme erhalten bleibt. Aus dieser impliziten Botschaft generiert das Gehirn dann die Abstandsempfindung. Dieses Grundprinzip ist völlig im Einklang mit unserer Physik. Auch wenn hierbei von einer virtuellen Projektion vor die Sinne ausgegangen wird, widerspricht das nicht der Realitätsempfindung, die wir alle dabei haben.

Was haben wir damit erreicht? Auch wenn das den einen oder anderen Leser stört, diese Realitätsinterpretation ist in der Lage die schon von jeher seltsamen Widersprüchlichkeiten zwischen der üblichen Interpretation und der grundlegenden Physik über die Dinge klarzustellen. Nur so, ist eine konsistente Erklärung von Realität möglich. Wir erinnern uns an These 01?: Wenn wir unterstellen, dass die Welt vor den Augen hell ist, dann versagt schon die grundlegende Physik; sie bietet keinen Interpretationsansatz dazu: Wieso ist eine em-Welle hell, oder farbig?! Eine Realitätsinterpretation auf der Basis des hier vorgestellten Realitätsmodells aber funktioniert widerspruchsfrei und belässt alle wissenschaftliche und physikalische Erkenntnis bestehen!

Die Frage stellt sich jetzt: Warum ist das, was ich als Abstand und Gegenstand empfinde genau das, was sich so auch vor meinen Augen befindet? Es könnte ja auch was Anderes sein, weil diese Interpretation auch eine Beliebigkeit hervorrufen könnt, oder?

Nun, das ist mehrfach begründbar: Aus der evolutionstheoretischen Sicht hätten wir als Art nicht überlebt, wenn wir dabei statt einen Tiger, einen Baum empfinden und »vor die Augen« projiziert »sehen« würden. Diese evolutionstheoretische Konditionierung ist zum Teil vererblich und zum Teil anerzogen und in einem (in dieser Hinsicht) funktionierenden, überlebenstrainierten Gehirn verankert. Zum Anderen, wieder, aus der Sicht der Systemtheorie, muss das eine äquivalente Identität im Sinne einer objektiven Wirklichkeit haben, über die sich zwei Systeme »Bewusstsein mit Wahrnehmung« einigen können (siehe auch hier wieder These 01, Realität und Wahrnehmung: Es bleibt sich gleich, ob der Eine »rot« empfindet und der Andere, bezogen auf den Ersten, »blau«. Für Beide ist der Zustand dieser individuell generierten Farbempfindung sinnbezogen äquivalent. Somit können sie sich objektiv einigen, was wiederum eine weitere Sicherstellung der Überlebenschancen der Art bewirkt.)

Die Beschreibung, was wir in der Summe empfinden, wenn wir die Welt »vor unseren sensorischen Sinnen« »sehen«, ist das Modell (System 7 im Bild) des Systems Bewusstsein (System 6: Bewusstsein (Generatorrealität), die Mitte des Bildes). Dieses ist das eigentliche Ausgangssystem, was mit dem Model (System 7) äquivalent beschrieben wurde.

Auch hier ist in üblicher Weise, wenn man aufmerksam und in dieser Hinsicht sensibilisiert und selbstkritischen die verfügbare Literatur und den öffentliche Diskurs verfolgt, festzustellen, dass das kaum jemand wirklich unterscheidet. Alle tun so, als wenn es diese eine universale Wirklichkeit gibt. Kaum einer differenziert explizit zwischen betrachtetem System und dem Modell, dass er dabei benutzt; es wird unbemerkt als identisch hingenommen. Das mag zwar in vielen Fällen ausreichen, aber in komplexeren Diskursen überschreitet man dann unbemerkt eine Relevanzgrenze. Die Folgen sind unsere philosophischen Gordischen Knoten aus vielen nicht bewertbaren Fragen auf Grund von Seltsamkeiten zwischen Erfahrung und logisch wissenschaftlicher Analytik; ob eine bestimmte Frage überhaupt eine Relevanz hat im Sinne einer notwendigen und hinreichenden Erkenntnis!

Doch wieder zurück zum Bild. Die Raumempfindung, der Gegenstand und Ich sind die evident wahrgenommene Wirklichkeit: »meine(! aber nicht jedermanns!)« Realität. Alle diese Systemelemente sind in sich wieder Systeme, die aus ursprünglicheren noch elementareren Elementen zusammengesetzt sind. Es muss also eine darunter liegende, gemeinsam einbettende Struktur geben, denn schon die evidente Tatsache, dass sich Mensch und Gegenstand aus Materie zusammensetzt, deutet auf einen gemeinsames Struktursystem hin, dass die Voraussetzung dazu in allgemeinerer Art bevorratet: das (postulierte) Struktursystem mit seiner Strukturrealität (oberer Bereich des Bildes). Dieses System stellt keinen Raum, keine Zeit, keine Energie und keine Materie dar. Diese Entitäten (der höherspezialisierten Systeme) gehen erst durch das aufeinander beziehende Sein dieser Strukturen in einem, aus unserer generatorrealen Modellsicht, abgegrenzten Teils der Strukturrealität hervor. Dabei entstehen genau die neuen Eigenschaften und Strukturzusammenhänge, die unser Sein letztlich ausmacht. Zur Erinnerung: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. So setzt sich als Beispiel alle üblich normale(!) Materie aus nur drei(!) Quantenteilchen zusammen: dem sog. up- und down-Quark und dem Elektron. Nur aus der Tatsache heraus, dass diese in unterschiedlichem, strukturellen Bezug zueinander stehen, somit unterschiedliche, kleine, abgrenzbare Teilsysteme bilden, entstehen in jeder Strukturvariante unterschiedliche Atome, Moleküle, Materie, Gegenstände und Leben oder letztlich die Mathematik, Physik, Chemie und daraus die Biologie. Aus jedem System entsteht nur(!) durch strukturellen Bezug der Systemelemente zueinander neue, weitere, aber damit auch spezialisiertere Entitäten, die die individuelle, innere Realität ihres (dieses betrachteten) Systems darstellen. Das ist Systemtheorie pur aus unserer generatorrealen Sicht heraus! Auch hier der Verweis auf mein Buch, da die weitergehende Beschreibung der Zusammenhänge hier zu umfangreich wäre!

Und wieder zum Bild: Also: Das strukturreale System bevorratet alle Strukturen und deren eigenschaftliche Mathematischkeit, um daraus über viele Stufen struktureller Zusammenhänge Systeme höherer Spezialisierung zusammenzusetzen, bis hin zum bewussten Menschen, der das zu ergründen sucht. Im oberen Teil stellt das System 1 die Strukturen zur Verfügung für den Körper eines Menschen, das System 2 das Gehirn und das System 3 das Bewusstsein. Hier liegt die Quelle von Bewusstsein in der Strukturentität begründet. Dieses bildet zusammen mit dem System 4 einen gemeinsamen Strukturbezug (System 5), womit der Gegenstand in unserem Bewusstsein auftaucht; die Empfindung des Räumlichkeitsbezugs ist in der Generatorrealität präsent.

Wohlgemerkt: das ist nur die logische Konsequenz systemtheoretischen Denkens aus all dem (hoffentlich noch nicht vergessenen) Vorherbeschriebenen! Auch wenn die Strukturrealität ein postuliertes System ist, auch wenn das in grauer Theorie versumpft, letztlich aber bietet es eine Interpretationsbasis, die in dieser Weise so noch nicht diskutiert wird! Wohlgemerkt (zum Zweiten): Es gibt klare Ansätze aus der mathematischen Erforschung der Physik, das die Strukturrealität zumindest auf dieser hier vorgestellten Modellebene seiend ist (nicht existiert, denn das ist ein raumzeitlicher Begriff, der in der Strukturrealität nicht ist)!

Dieses bisher beschriebene Bild (Modell-Gesamtsystem) würde, wenn »Ich« und der Gegenstand das einzige System im Universum wäre, beinahe schon ausreichen, aber es gibt auch noch andere »Ich’s« mit ihrer eigenen, wenn auch innerhalb derselben Art, überlebenstaktisch äquivalenten, objektiven Realität und weiteren Entitäten, die physikalisch mit »mir« wechselwirken. Damit kommen wir zum nächsten Bild, dass man auch wieder ausdrucken sollten.
 

Realitätsbezug der Bewusstseine
 
Oben ist wieder die universale Strukturrealität zu finden und darunter diesmal zwei Generatorrealitäten: das Bewusstsein 1 und das Bewusstsein 2. Beide nehmen den Gegenstand wahr aber auch jeweils den anderen Bewusstseinsträger. Für Jeden der Beiden ist der jeweils Andere im Prinzip eine identische Wahrnehmungsqualität wie der Gegenstand auch. Im oberen Teil der Darstellung erkennen wir wieder das System 3, welches über eine weitere Abgrenzung zusammen mit dem System 4, dem Gegenstandssystem (in der Strukturrealität) das System 5 bildet, dessen innere Realität über die, durch die Systembildung hinzugewonnenen Eigenheiten die Raumempfindung in der Generatorrealität von Bewusstsein 1 bildet. In identischer Weise ist das dann mit Bewusstsein 2. Hier ist es eben System 8 zusammen mit System 4 das System 9 und die Raumempfindung tritt in die wahrnehmende Realität von Bewusstsein 2 im System 10.

OK, was kann man daran erkennen: Nun, beide Bewusstseine können sich in ihrer Realität objektiv einigen, was das für ein Gegenstand ist, welche Form und Farbe er hat. Sie können sich mit viel Erklärungsbedarf und Relativitätsüberlegungen auf einen Ort in einem gemeinsamen, aber virtuellen Raum (Achtung:) vor beiden Bewusstseinen einigen.

Aber warum funktioniert das wieder? Wenn man die Strukturrealität nicht postulieren würde, hätten wir keine Chance einer Interpretation von Realität, denn dann wären wir nicht weiter als bisher: Mit einer Universalrealität ist das nicht zu machen, dann diese widerspricht schon der Physik unserer Generatorrealität selbst! Wissen wir noch?: »Unser Weltbild steht Kopf« und daraus folgt: Wir sind nicht in der Lage auf der ursprünglichen Weltsicht eine widerspruchsfreie Interpretation des Seins zur analytischen Logik zu formulieren. Aber auf der Basis dieses hier vorgestellten, systemtheoretisch differenzierenden Modells kommen wir weiter, denn es macht aus sehr vielen Gründen und aus bestehendem Wissen der physikalischen Forschung Sinn.

Erst die Verbindung beider Systeme Bewusstsein 1 und 2 über eine allgemeinere, einbettende Systemebene lässt eine Interpretation zu. Sie bevorratet alle Strukturen, die nur durch unterschiedliches Zusammenstellen (nicht wirken ...!) der Systemelemente eigene neue Entitäten bilden. Beide Systeme (5 und 9) bilden eine Vereinigung und somit wieder ein abgrenzbares System 11. Dadurch ist ein System entstanden, dass jetzt beide Bewusstseinssysteme in einer gemeinsamen Seinssituation generiert. Das ist die Basis für das Vermögen sich objektiv über einen Gegenstand zu einigen. Auf der Basis einer universalen Realitätssicht wäre das nicht erklärbar wie oben schon mehrfach begründet.

Mit diesem Verständnis modellsystembezogener Realitätsvorstellung über den Raum haben wir jetzt das Rüstzeug und kommen endlich zur Zeit. Aus der These 02 wissen wir, dass Raum und Zeit auf der gleichen Ebene der »Resultativ generierten Wahrnehmung« als Raumhohlheit und Zeitverläuflichkeit dem empfindenden Bewusstsein zur Verfügung steht. Sie stellen also gleiche Qualitäten dar.

Nebenbei bemerkt: Wenn das nicht so wäre, dann hätte es Einstein ungleich schwieriger gehabt Raum und Zeit mathematisch-physikalisch zur Raumzeit zusammenzufassen. Auch hier besteht auf der Basis dieses hier vorgestellten Gesamtmodells eine tiefe Wesensverwandtschaft zwischen Modell und bestehender Physik sowie eine mathematisch begründbare Verwandtschaft zwischen Zeit und Raum. Beide haben also ihre qualitativ identische Ausprägung in der/unserer Generatorrealität, die unzweifelhaft »Die funktionierende Realität« unserer Weltwahrnehmungsbühne ist.

Was aber ist der Unterschied? Raum wird als Empfindung »vor die Augen«, aber auch vor die Fühlsinne (Greifbewegung durch den leeren Raum) »projiziert«. Zeit und jetzt Achtung: verbleibt als Empfindung im Gehirn, in der Wahrnehmung, ohne eine unmittelbare, virtuell projizierte Wahrnehmungskomponente vor die Sinne. Noch einmal: Das leugnet nicht die feststellbare und physikalisch berechenbare Veränderung der Dinge. Dieses Phänomen haben die altvordern Philosophen, allen voran Augustinus von Hippo, schon lange herausgearbeitet. Zeit durchdringt die Dinge, aber wir können sie eigentlich nur spüren (Zeitmessung kommt noch!). Trotzdem die Zeitverlaufsempfindung in unserer Wahrnehmung sehr wohl ihre völlig normale, physikalisch-mathematische Konsistenz zu unserer Realität hat, was nachgerade diese hier vorgestellte Sichtweise im Umkehrschluss bestätigt. Sie durchdringt die Dinge dermaßen, dass sie eigentlich nicht wirklich trennbar davon ist. Wie kann man das wieder konsistent zum Gesamtmodell erklären und ohne bestehendes Wissen und Erfahrung in Zweifel zu ziehen?

Wir wissen, dass jede Wechselwirkung zwischen der, Bewusstsein generierenden Zustandsmaschine »Gehirn« und der Zustandsveränderung von Dingen in der Welt, die diesem gegenübersteht, auch eine Zustandsveränderung im Gehirn selbst ist. Alle elektrochemischen, neuronalen Prozesse, unterliegen andauernder Zustandsveränderung, sonst wäre das Gehirn und damit das Bewusstsein tot. Wahrnehmung kontinuierlich aufgespannt zwischen tiefstem Schlaf und höchster reflexiver Selbstwahrnehmung unterliegt unmittelbar(!) der andauernden Folge von innerer Zustandsveränderung. Diese Tatsache ist wieder völlig im Einklang mit der klassischen Physik: Zustandsveränderung ist Wechselwirkung (nicht nur) auf der Basis der Thermodynamik: Es muss ein thermodynamisches Energiepotential oder Ungleichgewicht bereitstehen, damit Zustandsveränderung durch Wechselwirkung überhaupt möglich ist.

Oben habe ich schon die Vermutung beschrieben, dass unser Bewusstsein und die Zeitverläuflichkeit so ineinander verwoben sein könnte, dass man es eigentlich nicht trennen dürfte, weil es schlussendlich sogar unmittelbare Bedingung dazu ist. Die Tatsache, dass wir zu innerer Selbstreflexion fähig sind, ist möglicherweise genau die Basis, dass wir alles Erleben zeitverläuflich empfinden. Sollte das so sein (und es gibt keinen Widerspruch zu bestehender Erfahrung und Wissen!), dann haben wir eigentlich schon die Antwort: Zeit ist genauso wie Raum eine gleiche Wahrnehmungsqualität. Der einzige Unterschied ist, dass wir Zeitverläuflichkeit nicht sehend oder fühlend vor die Sinne projiziert empfinden, sie verbleibt(!) in dieser unserer Wahrnehmung von Realität. Der Grund dürfte banal sein: Das Gehirn brauchte keine Empfindung, von »sichtbarer« Zeit im gleichen Sinne wie sichtbaren Raum vor den Augen, zu generieren, um sein Trägersystem (das Lebewesen) mit einer hohen Überlebenswahrscheinlichkeit auszustatten. Aber selbst, wenn es so wäre, wäre auch das wie beim Raum damit erklärbar. Da es aber nicht so ist, können wir uns dieses ersparen.

Wenn also der Gegenstand vor unseren Augen zu Boden fällt und damit den Zustand im System »wahrnehmender Mensch und Gegenstand« ändert, so ändert das, aus der Sicht unserer Generatorrealität, den Zustand im Gehirn in Folge, da diese Botschaft über die em-Wellen mit unseren Sinnen wechselwirkt. Dieses generiert daraus die Zeitempfindung, die diese Wahrnehmung durchdringt und unmittelbar begleitet. Alles weitere, was das Wesen der Zeit und des Raumes ist, ist damit hinreichend interpretiert und erklärt, und bedarf eigentlich keiner tieferen Analyse. Selbst alle zum Teil wirklich trefflich und hochintelligent kreativ ausformulierten Feststellungen aller Philosophen über das Zeitphänomen passen genauso in dieses Modell, wie die modernen und aktuellen Erkenntnisse der Physik. Es gibt keine seltsamen Widersprüche mehr und wir erkennen die falschen irrelevanten und unnötigen Fragen an dieses Phänomen.

Kommen wir als letztes zur Frage der »objektiven Zeit« und »Kann man Zeit messen«?

Durch das Unterscheiden von »Zeit« und »der Empfindung von Zeitverläuflichkeit« haben wir diese Entitäten spezifischen Systemen zuordnen können: Zum Einen die Zeit als objektive Einigungsmöglichkeit »zwischen« zwei generatorrealen Bewusstseinen und die Zeitverläuflichkeit individuell »in« jedem Bewusstsein. Die evident wahrgenommene Wirklichkeit hat, so hatten wir das ja schon bei der objektiven Vereinbarkeit über die Farbwahrnehmung geklärt, ihre, in gleicher Weise, individuelle Ausprägung der Empfindung von Zeitverläuflichkeit. Eine Person erlebt den Zeitverlauf als Langeweile, die Andere nicht; die Eine erlebt eine lange Zeitspanne, die Andere nicht. Trotzdem bilden beide Bewusstseinssysteme ein gemeinsames drittes System. Beide können sich, unabhängig von ihrer Wahrnehmungsempfindung, auf identische, objektive Farbe einigen, genauso wie auf einen identischen, objektiven Veränderungsverlauf: die physikalische Zeit.

Die letzte Frage stellt sich: Warum kann man denn »Zeit« überhaupt objektiv messen? und: Messen wir denn dabei tatsächlich Zeit? Um es vorwegzunehmen: Egal was wir uns erdenken, wenn wir Zeit messen wollen; wie auch immer das Messgerät gestaltet ist: Niemals messen wir Zeit und wieder Achtung(!): »an und für sich«! Jedes Zeitmessgerät, egal ob mechanisch, chemisch, elektronisch oder wie auch immer, zählt seine eigene, innere Zustandsveränderung und das digital ganzperiodisch(!). Damit das im Sinne einer objektiven Zeitdauervereinbarkeit funktioniert, muss ein solches Gerät lediglich so gebaut sein, dass es konstantperiodische Zustandsveränderungen durchzuführen vermag, die wir in der Anzahl von ganzen Perioden zählen und als Zeit (Achtung:) »interpretieren«. Auch das ein oft unterschätzter Zusammenhang in der Einschätzung von Realität im Diskurs. Welche Schule stellt den Unterschied, zwischen Zeitverlauf und physikalischer Zeit bei der Messung heraus und bringt die Schüler zum Nachdenken? Welcher Lehrer sagt seinen Schülern, dass das, was die Uhr anzeigt, keine Zeit ist, sondern eine Anzahl von Perioden konstanter Zustandsveränderung? Eine Uhr macht das auch, wenn wir nicht dabei stehen um das zu beobachten und sie macht das ohne(!) eigene(!) innere(!) Zeitempfindung! Der nicht differenzierte Unterschied zwischen Begriff und Inbegriff dessen mag wieder in den meisten Fällen durchgehen, aber auch hier überschreitet man sehr schnell unbemerkt die Relevanzgrenze und ohne dass es ein Lehrer merkt, versteht der Schüler einen kleinen Anteil der Welt mit entsprechender Konsequenz falsch und wird des Nachdenkens darüber entwöhnt. Zumindest kennt der geneigte Leser dieser Thesen hier jetzt schon meine Kritik: Begriff »Zeit« und »Zeitmessung« wird als identisch mit dem Inbegriff »Empfindung von Zeitverlauf« unterstellt und kritiklos, unbemerkt in ihrem »so-sein« hingenommen. Wenn man eine neue Schülergeneration in’s Leben entlässt, gehen die mit dieser ungeübten Situation, kritisch über semantische Dogmen nachzudenken und diese zu suchen in unserer sprachlichen Welt, an die Erklärung von wissenschaftlichen Beobachtungen heran und ... erleben seltsame Widersprüche ohne diese methodisch auflösen zu können. Nicht umsonst haben wir genau diese Situation; gibt es diese kollektive Konsequenz, der ich diese Thesen gegenüberstelle.

Also, Zeit ist nicht messbar! Auf der Basis der Systemtheorie ergibt sich dass sogar wieder im Umkehrschluss. Zeit ist eine Verlaufsempfindung ausschließlich im wahrnehmenden Bewusstsein selbst. Die vorstehenden Thesendiskurse belegen das. Sie ist eine Entität, die nicht (so wie der Raum) vor die Sinne projiziert ist, ist also keine Entität im virtuellen Realitätsteilsystem »vor den Sinnen«. Wir müssen auch hier wieder das üblich hingenommene »untrennbar unterstellen« von »Zeit« und »Veränderung der Dinge« strikt trennen. Man muss es so formulieren: Die Veränderung der Dinge dauern eine im Bewusstsein wahrgenommene Zeitdauer. So können wir gar nicht anders, als die Veränderung der Dinge (das wandern der Uhrenzeiger) zeitlich durchwirkt wahrzunehmen. Auf dieser Basis ergibt sich die ganzheitliche Sichtweise wieder: Aus diesem Grunde können die wahrgenommenen Gegenstände (die Uhr) keine Zeit »unmittelbar an und für sich« messen, sondern nur(!) die fortlaufende, im Bewusstsein auch wahrgenommene, digital konstantperiodische Zustandsveränderung. Die Uhr kann keine Zeit messen, weil das im virtuellen Raum vor den Sinnen, keine projizierte Entität ist! Das ist auf dieser Basis völlig logisch und rundet das Bild ab. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass alle Systeme, die Uhr, das Bewusstsein und die vor die Sinne projizierte Wahrnehmung, wiederum eingebettet sind im (in einem postulierten!) Struktursystem, aus denen das alles hervorgeht. Nur deshalb ist der scheinbare und uralte Widerspruch zu lösen, warum eine projizierte, virtuelle Realität vor den Sinnen in unserer Generatorrealität »real ist(!)«. Zeitverlauf spielt sich ja nur im System »Bewusstsein« ab, wobei aber, und das ist ganz wichtig, die Uhr ihre Systementsprechung in der Strukturrealität hat. Aus diesem Grunde ist die Uhr, so wie alles andere, räumlich Wahrnehmbare auch, in unserer Wahrnehmung vorhanden und ändert ihren Zustand konstantperiodisch. Die Uhr ist genauso wie die Zustandsmaschine »Gehirn mit Bewusstsein« ein abgrenzbares Teilsystem des Struktursystems. Beide bilden ein gemeinsames System, das eine Strukturbeziehung eingeht. Im Teilsystem »Gehirn mit Augensinn« lokalisiert sich die Wahrnehmung, die dadurch die Uhr »sieht«. Um es einfach auszudrücken: Die Uhr ist in unserem Kopf real vorhanden, weil sie ein gemeinsames, abgegrenztes Struktursystem mit dem Gehirn in der Strukturrealität bildet. Sie lässt ihre Zeiger auf der Basis immanenter Struktureigenschaften der Strukturrealität zustandsverändernd wandern und unsere Wahrnehmung generiert ein Zeitverlaufsgefühl dabei durch die Zustandsveränderung im Gehirn. Das im Struktursystem eingebettete Uhrsystem hat keine innere Zeitverläuflichkeit, weil sie als Zustandsmaschine gegenüber einem komplexeren Gehirn diese Entität nicht zu generieren vermag! Ergo: Sie kann keine Zeit messen und damit schließt sich der Kreis, so wie es oben in den Bildern dargestellt ist. Alles bietet jetzt auf der Basis systemtheoretischer Realitätsdifferenzierung eine hinreichende Erklärung, was Zeit ist und die seltsamen Widersprüche zwischen unserer evidenten Wahrnehmung und der physikalischen Interpretation seit Aristoteles und Platons Zeiten sind definitiv verschwunden, und das ohne bestehende, akzeptierte, wissenschaftliche Erkenntnis, vornehmlich der Physik, in Zweifel zu ziehen!!!

Es gäbe noch viel zu schreiben über die Zeit: Warum »gibt(?!)« es eine Vergangenheit und Zukunft, obwohl wir da noch nicht lebten bzw. leben? Was ist Gegenwart, Determinismus, Kausalität? Wieso können Quantenobjekte in Quantenversuchen so seltsam die zukünftige Entscheidung eines Beobachters, der diesen Versuch beeinflusst (beeinflussen wird!), vorher schon »wissen«? Hat »Zeit« in diesem Konsens einen grundlegenden Zustandseinfluss, eine Zustandsvoraussetzung auf meine Willkür? u.s.w., u.s.w. Um es vorwegzunehmen: Alle diese Fragen lassen sich auf dieser Basis hinreichend beantworten! Ich werde den Thesendiskurs mit der Zeit (oder sollte ich besser sagen: mit der Zustandsveränderung unserer Welt?!!) weiter ausbauen. Hier würde das Abrunden des Themas zu weit führen. Ist halt schon auch Arbeit und jedem, den das interessiert, möchte ich wieder mein Buch empfehlen.
 
Resümee:
Zeit ist genauso wie Helligkeit, Farbe, Raum, etc., erst einmal eine reine Empfindung in der Wahrnehmung evidenter Realität. Diese ist aus den vorgenannten Gründen die Realität schlechthin, weil sie funktioniert, mathematisch-physikalisch berechenbar ist und die Fragestellung, ob es eine Realität gibt, die mehr oder weniger real ist, ist eine typisch falsche Frage. Jede Realität ist für ihr System »Die Realität«. Das sollte sich so mancher Politiker mal klar machen. Auf dieser Basis; diese Thesen in diese Systeme zu übertragen, würde mehr Nachdenken, mehr demokratische und liberale, mündige und vernunftbetonte Verhaltensweisen begründen. Genau das ist meines Erachtens die eigentlich tief begründete Aufgabe von Philosophie.

Und wieder einmal ist offenbar, dass wir die Realität um uns herum im wissenschaftlichen, philosophischen und physikalischen Sinne völlig falsch einschätzen und dieses hier vorgestellte Modell der differenzierten Realitäten auf der Basis der Systemtheorie bietet eine konsistente Erklärungsbasis. Die Realität, wie wir sie erfahren und im Alltag hinnehmen, ist eine Realität, die zum Überleben der Art funktioniert. Sie ist eine Realität, die aber, wenn man sie in der üblichen Weise interpretiert, nicht in der Lage ist, alles Wissen konsistent und widerspruchsfrei zu interpretieren. Wenn wir das aber wollen, dann müssen wir den Schritt tun, unser evolutionskonditioniertes, psychologisches (oft auch religiös betoniertes) Selbstbildnis und die damit in Zusammenhang stehende zentralistische und egozentrische Einschätzung unseres Seins aufzugeben. Wir Menschen haben heute soviel Erkenntnis gesammelt, dass es fast schon ein Frevel ist, diesen Schritt nicht zu tun. Natürlich ist das ein Prozess, der in voller Breite in das psychologisch konditionierte Kollektiv der Menschheit einziehen muss und das ist ein Schritt, der seine Zeit braucht, aber auch Energie und Engagement. Es wäre nicht der erste Paradigmenwechsel in unserer Geschichte, der nicht mit viel, auch emotional geführtem Diskurs in die grundlegende Weltphilosophie der Menschen einzöge. Wir stehen an der Schwelle einer Situation, wo wir immer mehr Indizien dafür haben, dass das der nächste Schritt in der geistigen, erkenntnistheoretischen Entwicklung der Menschen sein muss, oder wir bleiben in unserer Entwicklung stehen.

Das Erdenrund ist heute, quantitativ gesehen, alles andere als vom Homo sapiens sapiens, also dem Vernunftmenschen, bevölkert. Nicht die Menschen kontrollieren ihr kollektives Verhalten, sondern wirtschaftliche Prinzipien definieren Wahrheit nach Bedarf. Der Prozess des Wissens ist dadurch unfrei und manipuliert. Religiöse und machtpolitische Dogmen trachten schon seit Jahrtausenden danach die Menschen vom Prozess des Wissens zu entmündigen. Das kann jeder erkennen, wenn er das nur will. Immer wieder wird »Wahrheit« kritiklos als finale Antwort auf Etwas hingenommen und definiert. Die Nachrichtenmedien sind voll davon. Unüberschaubares Nichtwissen diktieren unbemerkt unser kollektives Verhalten. Unvernunft und fehlende Mündigkeit beherrschen das Weltgeschehen. So gesehen stecken wir eigentlich noch tief im geistigen Mittelalter und der Schritt in eine mündige, sich selbst kontrollierende, vernunftbetonte Menschheit steht nach wie vor aus.

Aber schau’n wir mal ....
 


Wenn Sie lieber Leser mehr zu diesem Thema erfahren möchten, dann darf ich Ihnen gerne meine Bücher empfehlen.
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