Platon
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These 6

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Die Systemtheorie sollte für das tiefere Verständnis der Thesen inhaltlich bekannt sein (siehe Navigationsleiste).
»Weltbilder und Paradigma«

  oder »Was lernen wir aus der Geschichte?«


These: Die Entwicklung unseres Weltbildes ist noch lange nicht abgeschlossen!

Diese These ist eine wichtige Voraussetzung zur These 7 »Paradigmawechsel« und baut auf den vorherigen Thesen auf. Sie müssen zur Vermeidung von Wiederholungen hier verständnismäßig vorausgesetzt werden.


Prolog: Die Historie

Bevor sich die Menschen das erste Mal Gedanken machten, wie sich die Welt zusammensetzen könnte, hatte der evolutionäre Werdegang längst dafür gesorgt, dass sich eine funktionierende Wirklichkeit in der Wahrnehmung der Lebewesen widerspiegelte. Wäre das nicht so gewesen, dann hätte es das Leben auf diesem Planeten ungleich schwerer gehabt. Die Möglichkeit, dass sich Gemeinschaften mit gleichgerichtetem Handeln zwecks höherer Überlebenswahrscheinlichkeit bilden konnten, ist auf diesen Mechanismus zurückzuführen. Er war unbedingte Voraussetzung dafür, dass es uns heute noch gibt. Das daraus folgende, erste Modell dieser Weltwahrnehmung sieht wie folgt aus:

Modell 1

Modell 1: Beobachter (der Leser hier selbst, der dieses Bild betrachtet!), Lebewesen und Gegenstand in Raum und Zeit sind »die Wirklichkeit« schlechthin.
Prolog ff:
Als sich die Lebewesen zu höheren Arten entwickelten, hatten die Lebewesen mit einem schneller funktionierenden Nervensystem eine höhere Wahrscheinlichkeit zum Überleben als andere. Da sich diese dadurch vermehrt fortpflanzten konnten, starben diejenigen mit schlechterer Verhaltenssteuerung aus. So waren später die Lebewesen im Vorteil, deren größere Nervenmasse schneller, spezifischer und umfangreicher reagieren konnte. Als sich daraus das Gehirn bildete, waren deren Träger in der Lage nicht nur taktisch, durch reaktives Verhalten ihr Überleben zu sichern, sondern zusätzlich durch aktives, strategisches, planendes und vergleichendes Verhalten. Damit war es jetzt möglich Werkzeuge zu entwickeln und zu gebrauchen, Fallen zu bauen und Gemeinschaften zu bilden. Die dahinter steckende, biologisch selektive Strategie potenzierte den Arterhalt zunehmend. Schlussendlich war so viel Potential im Gehirn vorhanden, dass die Menschen anfangen konnten ihre Wahrnehmung in bezug auf eine wahre Wirklichkeit zu hinterfragen. Mit immer mehr verfügbarem Wissen bemerkten ein paar Menschen, dass zwischen der Wahrnehmung von Wirklichkeit und der interpretierenden Logik, die sich in der verfügbaren Sprache widerspiegelte, eine subtile und seltsame Diskrepanz herrschte; und so sind wir bei Platon (427-347) angelangt.
 

Modell 2
 
Modell 2: Der Beobachter (der Leser hier selbst, der dieses Bild betrachtet!), der sich seinem »Ich« wiedererkennt, erlebt die Weltrealität über seine Sinne und beurteilt diese aus seiner egozentrisch motivierten Gesamtwahrnehmung heraus. Durch vorsätzliches Hinterfragen erkennt er (Platon), dass etwas nicht ganz stimmt mit »der Wirklichkeit« gegenüber »der Realität«.

Nach Platon und anderen, seiner altvordern Zeitgenossen dauerte es gute zweitausend Jahre, bis sich so langsam der wissenschaftlich fundierte, physikalisch motivierte Geist entwickelte. Das nächste Highlight in der Geschichte der Realitätsparadigma war der englische Physiker Sir Isaac Newton (1643-1727), der die Wissenschaft auf einen soliden Grundkonsens stellte und somit endlich aus der dunklen Epoche mittelalterlicher Alchemie herausführte: Beobachtung, Theorie und Experiment müssen sich einwandfrei ergänzen, damit eine wissenschaftliche Erkenntnis als solche akzeptiert werden kann. Eine erste, weitgehend richtige Physik des Lichtes (Korpuskel- oder Teilchen-Theorie; die Wellennatur des Lichtes wurde von dem holländischen Physiker Christiaan Huygens (1629-1695) vertreten) auf dieser Basis prägte die neue Stufe des Weltmodels und damit einer neuen Realitätsvorstellung, die allerdings nur eine ergänzte Variante der Platonischen Sicht ist.
 

Modell 3
 
Modell 3: Der Beobachter (der Leser hier selbst, der dieses Bild betrachtet!), der sich dem Modell seines »Ich« gegenüberstehend erkennt, erlebt die Weltrealität über seine Sinne und beurteilt diese aus seiner egozentrisch motivierten Gesamtwahrnehmung heraus. Das Platonische Modell wurde hier nur durch die Physik des Lichtes ergänzt. Dadurch entstand aber eine weitere Verhärtung des Platonischen Realitätsparadigmas, das die Wirklichkeit vor den Sinnen nach wie vor als »die Realität« schlechthin definiert und hinnimmt. Das Welterleben aber wurde, wenn auch halbherzig(!), als Modell dieser Realität erkannt, so wie es Platon durch seine »Ideenwelt im Kopf« beschrieben hatte.

Diese Darstellung vertritt ungeachtet der späteren physikalischen Ergänzungen und Verfeinerungen, und ungeachtet der Tatsache, dass damit das eigentliche Platonische Problem nicht erklärt ist, bis heute den unangefochtenen Gültigkeitsstandpunkt. Das Neue gegenüber Platon war, dass sich »Realität« jetzt durch ein physikalisches Modell beschreiben lies, so wie er das eigentlich schon vermutet hatte und das sich wiederum auf konkrete Wissenschaft stützte. Der egozentrische Beurteilungsstandpunkt aber wurde aus diesem Model heraus noch bestätigt und man war (und ist bis heute) überzeugt, den Beweis zu finden und »die Realität« als eine systemunabhängige und funktional universale Entität des Universums darzustellen. In Folge davon ist, dass der beseelte Mensch bzw. das Leben zunehmend aus dieser Weltsicht verbannt wurde, was bis heute zu einer weiteren Verhärtung der egozentrischen Einstellung führte: »Der Mensch als Beobachter steht diesem Universum gegenüber und außen vor.«

Schon Pythagoras (569-475 v.d.Z.) vermutete, dass die Welt die Reflexion einer perfekten mathematischen Form sein soll. Zusammen mit dem später entstandenen Platonische Ideal prägte das den Wunsch nach einem Naturverständnis auf dieser Basis. Die Kraft dieses Traumes lässt sich nicht leugnen, wie sich an den, von ihnen inspirierten Errungenschaften erkennen lässt: seien es die Kepplerschen Gesetze oder die Einsteinschen Gleichungen, die Newtonsche Physik, der Maxwellsche Elektromagnetismus oder bis heute die Quantenchromodynamik und die Superstringtheorien (um nur einige zu nennen!). Diese Vorbilder legen es nahe, das Ziel der theoretischen Physik und der Kosmologie in der Entdeckung einer wunderbaren mathematischen Struktur zu sehen, die der gesamten Realität zugrunde liegen soll: der »Grand Unified Theory« (GUT). Dies ist die fundamentale Denkweise, die auf dem momentan gültigen Paradigma beruht und dieses nachgerade auch noch zu betätigen scheint.

Aber, es wird immer deutlicher, dass die Physik so(!) alleine(!) nicht ausreicht, um die Welt zu erklären. Das bis heute gültige Paradigma, dass der ganzen Physik und aller anderen Weltsichten zugrunde liegt, könnte den weiteren Erkenntnisfortschritt auch aus Prinzip behindern! Was wäre denn, wenn »die Universalrealität« eine Illusion; eine Fehleinschätzung des Seins ist? Um dies deutlich zu machen möchte ich hier den Paradigmawechsel postulieren und beschreiben (siehe hierzu anschließend unbedingt auch die These 7 »Paradigmawechsel« in diesem Forum, die das anhand mehrerer Beispiele aufzeigt!).
 
Diskurs:
Die Zukunft
(Paradigma-
wechsel)
Die in diesem Forum vertretene Philosophie demaskiert in allen Thesen das überkommene Paradigma einer Universalrealität durch eine ganzheitliche Analyse der Widersprüche und Fehlsichten menschlicher Wertungen über (fast) alle Bereiche unserer Erkenntnis. In der These 7 fordere ich den Paradigmawechsel ein. Wie sich dieser in Folge zum Teil 1 (siehe oben: Historie) darstellt, möchte ich hier entwickeln und vorstellen:

Erster Schritt: Unterscheidung von Weltmodell und Welterleben:
 

Modell 4
 
Modell 4: In diesem ersten Schritt wird die Wirklichkeit des Welterlebens aus Modell 3 abgegrenzt zu einem Weltmodell das wir bilden und brauchen, um die Wirklichkeit überhaupt in ihrem »so-sein« beschreiben zu können. Im Kern war das schon immer so, nur hat man das nicht realisiert. Alle tun so und sind innerlich kritiklos so eingestellt, als wenn die Beschreibung des Welterlebens »identisch«(!) ist mit dem Welterleben »an und für sich«, was nachgerade zu Platons Widerspruch führte. Genaugenommen ist jeder Versuch eine Wertung oder Beschreibung zu bilden zum Scheitern verurteilt, weil man automatisch(!) über ein Modell geht; gehen muss. Jede Betrachtung der erlebten Wirklichkeit ist eine Modellbildung(!) bzw. ein Rückgriff auf ein vorhandenes Modell und niemals die Wirklichkeit des Welterlebens selbst. Dazu benutzen wir weitere Modelle, die wir schon früher gebildet und erlernt haben: Paradigmen, Sprache, Mathematik, Physik, Methoden und logische Prinzipien, etc.. Jegliche bewusste Reaktion auf Momente des Welterlebens wird automatisch(!) über das Weltmodell geführt und daraus begründet. In Folge ist diese Reaktion zwangsläufig die Ausgangsbasis des egozentrischen Verhaltens bei einer Beurteilung!

Damit ist die Platonische Vermutung der Ideenwelt vordergründig einwandfrei erfüllt, aber zeigt immer noch die Seltsamkeit zu einer Realität vor den Sinnen. Trotz aller Ausgefeiltheit an dieser Stelle kann und muss man feststellen, dass die »Realität vor den Sinnen« ein eigenes, völlig unabhängiges System bildet; bilden muss.

Das im Bild gezeigte Auge ist Symbol für alle Sinne an der Körperoberfläche, das über physikalische Prozesse auf der Basis der elektromagnetischen Kraft (auch nur eine Modellbildung!) die Botschaften aus der Außenwelt aufnimmt und der Zustandsmaschine »Gehirn« bereitstellt. Diese werden durch unbewusste Prozesse wie anerzogene, genetische und charakterliche Prägungen, Erfahrungen, Emotionen und Unterbewusstem zu einem inneren Welterleben ergänzt(!) und aufgearbeitet. Dieses hier schon individuell geprägte Welterleben ist dann die Ausgangsbasis zu einem Weltmodell, das durch die weiteren Elemente, wie sie im Modell 4 zwischen »Welterleben« und »Weltmodell« dargestellt sind, zu einer noch individuelleren Ausprägung des inneren Weltmodells führt. Schlussendlich ist das die Basis, die man im Bereich sogenannter »objektiver Wirklichkeit« überindividuell abzugleichen sucht und im Bereich, wo das nicht möglich ist, zu ohnmächtiger Subjektion und Egozentrie führt mit den möglichen Folgen von Denk- und Dialogblockade sowie Gewalt.

Das Modell 4 ist aber immer noch unsauber und deshalb bedarf es an dieser Stelle einer expliziten Ausführung, die dem Leser einen fundamentalen Umstand tief bewusst macht:

Jeder Versuch des (interessierten) Menschen ein Modell von Beobachter und Realität zu entwerfen, endet letztlich immer und zwangsläufig in einem grundsätzlichen Problem: Man kann die Modelle, egal wie man sie auch darstellt, prinzipiell nicht vollständig(!) darstellen! Jede Ausführung zeigt letztlich eine Welt im Kopf und eine Welt vor diesem. Man will damit die »Realität vor den Sinnen« dem »Welterleben« gegenüberstellen. Da aber die oben im Modell 4 dargestellte »Realität vor den Sinnen« (das Bild!) »nur« die Realitätsvorstellung, also wiederum nur ein Modell ist und nicht die wirkliche Realität vor den Sinnen »an sich«(!) (wie soll es auch?!) kommt es zu dem typischen und zwangsläufig rekursiven Zirkelschluss, der schon lange in der Philosophie bekannt ist. In Folge ist man versucht den Zustand, dass das Bild in sich selbst ja nur ein Modell ist (sofern man das überhaupt realisiert hat), in dasselbe Bildnis einzubringen.

Achtung, mit anderen Worten: Natürlich wissen wir auf der einen Seite, dass das oben gezeigte Modell 4 »nur das Bild von einem Modell im Kopf ist«. Aber wir verdrängen auf der anderen Seite völlig, dass die erlebbare »Wirklichkeit vor den Sinnen« etwas ganz anderes ist. Wir tun so, als wenn diese Wirklichkeit sozusagen in das Bild eingefroren ist. Die bewusste, reflektorische(!) und kritische Selbstwahrnehmung, dass das oben gezeigte Modell 4 »nur ein Bild ist« und nicht die Realität »an sich«, ist üblicherweise völlig unterbunden. Zwischen dem, was das Bild »darstellen soll« und die Wirklichkeit »vor den Sinnen« besteht keine Identischkeit des »so-seins«! Deshalb ist es (wieder einmal) völlig falsch in bezug auf die Konsequenzen unseres Wertens und Urteilens, in der üblichen, alles durchdringenden Denkbasis des überkommenen Paradigmas von einer Universalrealität auszugehen, die diese beiden Dinge zu einem Realitätsbrei zu vermischen sucht!

Das Modell ist also nur(!) ein Modell im Kopf des Beobachters und wenn er versucht auch das in seinem Bild darzustellen, dann muss er dasselbe Bild noch einmal verkleinert im Bereich »Welterleben« darstellen, womit aber nur ein Modell im Modell zu stehen kommt, usw.. Diese Rekursion geht gegen unendlich. Das Dilemma ist so also nicht lösbar!
 

Zwischenbild: Die unendliche Rekursion
 
Zwischenbild: Die unendliche Rekursion

Dies ist ein typisches Problem, wie es nur auftreten kann, wenn man den Menschen (also auch sich selbst) aus dem Betrachtungsraum entlässt. Auf der einen Seite will man ein Modell, das den Beobachter im Welterleben darstellt, auf der anderen Seite aber will man den beseelten Menschen »in«(!) dem Modell nicht haben. Das hat Tradition! Die Geschichte der Wissenschaft und gerade der kirchlichen Dogmen hat den Menschen schon immer versucht auszugrenzen, da er ja der Mittelpunkt allen Seins sein soll. Schließlich soll sich das Universum dem Menschen gegenüber befinden und des Menschen Selbstbildnis soll über allem stehen. »... macht euch die Erde untertan ...« ist eine typische Aussage der christlichen Religion. Was für eine Egozentrie. Mit dieser asymmetrischen Einstellung kann man dem Universum und seiner (seinen) Realität(en) erkenntnistheoretisch nicht nahe kommen! Man versucht (bis heute!) jede Weltsicht auf der Basis einer universalen Realität aufzubauen, die sich zwar vom Beobachter unabhängig vor diesem gegenüberstellt, aber sich dem Realitätsstandpunkt von dessen Wahrnehmung unterordnet. Hier ist aber nur der egozentrisch motivierte Wunsch der Vater des Gedankens und eine Wahrnehmung von dessen Einseitigkeit wird nicht wahrgenommen. Die Menschen befinden sich in einem Pfuhl von völlig überkommenen Dogmen, über die keiner mehr so richtig zu reflektieren in der Lage ist. Damit sind wir erneut bei der Forderung gelandet, das überkommene Paradigma abzulösen zugunsten einer differenzierbaren, systemtheoretisch vernünftigen Realitätssicht!

Wie also sieht die Lösung aus? Das Problem lässt sich nur dadurch lösen, dass man den beobachtenden Menschen (also auch Sie hier, lieber Leser) in das Modell mit aufnimmt und auf keinen Fall ausgrenzt! Wir bewusste Lebewesen sind Teil dieses Universums und stehen definitiv nicht(!) außen vor. Wir sind mitten drinne und nicht gegenüber! Wir unterliegen der (den) Realität(en) in einem tiefen, von Egozentrie völlig unabhängigen Sinne!

Das oben gezeigte Bild »Die unendliche Rekursion« ist eben nur ein Modell, das kongruenter Ausdruck »Ihrer«(! des Lesers hier) Wirklichkeitswahrnehmung (= Welterleben) ist. Diese Ausdrücklichkeit kann keinen universalrealen Charakter haben. Wie im Modell 4 oben dargestellt ist das Bildnis »nur« ein Bildnis Ihres(!) Weltmodells und die gezeigte »Realität vor den Sinnen« ist nur das Modell der »Realität vor Ihren(!) Sinnen«. Sie zeichnen das Modell aufs Papier und Sie müssen dabei unterscheiden, dass das Bild »nur« ein Bild des Modells ist, das Sie als das interpretierte Weltmodell Ihres Welterlebens im Kopf erkennen und diesem gegenübersteht. Wenn man das in der Tiefe seiner Konsequenzen verstanden hat, dann löst sich der gordische Knoten des Rekursionsproblems. Es besteht kein logischer Zwang mehr, das Modell im Modell unterzubringen, da das Modell Ihrem(!) inneren(!) Weltmodell im Kopf gegenübersteht(!), aus dem Sie(!) das zeichnen und/oder betrachten.

Also: Wenn Sie, lieber Leser, davon ausgehen, dass Sie mit ihrem inneren(!) Weltmodell Teil(!) eines Systems sind, das aus Ihrem inneren Beobachterbewusstein heraus dem Modell auf dem Papier gegenübersteht(!), dann ist das Rekursionsproblem verschwunden! Das Modell muss nicht mehr im Modell untergebracht werden, wenn man akzeptiert, dass es (ganz banal) eben das Modell im Kopf dessen darstellt, der das Bild betrachtet. Wir müssen uns lebende Beobachter mit in unser gezeichnetes Modell einbeziehen. Wir springen sozusagen aus den beiden Dimensionen des Papiers heraus und sehen uns mit unserem inneren Weltmodell diesem gegenüber. Damit haben wir den Menschen mit einbezogen in das Bild. Der unbeseelte Beobachter als Modellelement, wie er in Wissenschaft und kirchlicher Tradition als »der Mensch« modelliert wird, reicht nicht aus, um ein vollständiges Modell zu bilden. Auch die Kirche hat bisher nicht wahrgenommen, dass sie zwar auf der einen Seite den beseelten Menschen in den Mittelpunkt stellt, aber auf der anderen Seite in jeder Beschreibung ein unbeseeltes Menschenbild, nämlich »den Menschen« darstellt (auch zwei Dinge, die zu ein und demselben; zu einem Realitätsbrei vermischt werden)! Das dahinterstehende, egozentrische und universalreale Grundsatzverhalten ist so extrem, dass wir im Letzten sogar die Worte in unserer Sprache als die Realität eines Dinges schlechthin werten, wenn wir seine Dinglichkeit benennen oder beschreiben. Unsere psychologische Einstellung setzt das Wort mit dem Ding identisch gleich. Auf dieser Basis blockiert man aus Prinzip jeden weiteren Erkenntnisgewinn!

Nun ja ..., auch das Modell 4 kann so noch nicht alles eindeutig beschreiben, denn die Physik selbst ist es, die den Widerspruch schon in sich trägt und ein eigentlich falsches Realitätsbild vermittelt (siehe These 2: unser physikalisches Weltbild steht Kopf). Diesen Zustand muss man ernst nehmen, denn er hat tiefe Konsequenzen auf unsere Erkenntnis und(!) Erkenntnisfähigkeit! Deshalb entwickelt sich unser Weltbild im zweiten Schritt zu Modell 5:

Zweiter Schritt: Platons Ideenwelt konsequent
 

Modell 5
 
Modell 5: Das Weltmodell, das Welterleben und die Wirklichkeit vor den Sinnen wird als identisch erfahren und deshalb kritiklos hingenommen im »so-sein«. An dieser Stelle aber muss unbedingt klar sein, dass das schon alleine deshalb nicht richtig sein kann, weil sehr viele Filter- und Ergänzungsmechanismen in unserem Gehirn, ohne dass wir das bemerken, dafür sorgen, dass jede Stufe eine eigene Realitätsausprägung haben muss(!). So ist jede Wahrnehmungsausprägung eine durch innere Assoziationen des Gehirns ergänzte Wahrnehmung. Alles was wir sehen, fühlen, riechen, schmecken und hören, mit ihren inneren Ausprägungen von Farbe, Helligkeit, Formen, Raumhohlheit, Zeitverläuflichkeit, Wärme (und Kälte), Druck, Kraft, Gewicht, Aroma, Töne und Symphonien, Hunger, Ängste, Freude, Wohlgefühl, usw. sind reine Empfindungen, die schon auf der Basis unserer Alltagsphysik keine tatsächliche Entsprechung in der »Realität vor den Sinnen« haben können. Wenn wir die reinen standardphysikalischen Eigenschaften der Welt ungefärbt (im wahrsten Sinne des Wortes) wahrnehmen würden, dann wäre die Welt vor den Sinnen ohne Farben, ohne Helligkeit (usw.), den eine elektromagnetische Welle hat lediglich eine Frequenz und Amplitude, wenn sie unser Auge oder irgend einen anderen Sinn erreicht. Was soll daran hell im Sinne der Empfindungsausprägung sein oder eine Farbe an und für sich darstellen?! Oder wieso sollen Verdichtungsschwankungen (Schallwellengemisch) der Luft den Eindruck einer lieblichen Symphonie schon in der Realität vor den Sinnen in sich tragen?! Nein, diese Empfindungen entstehen erst in unserer Zustandmaschine »Gehirn«! Alles Empfinden auf dieser Ebene sind generierte(!) Wahrnehmungsleistungen des Gehirns in der Generatorrealität seines Bewusstseinsystems. Die Standardphysik selbst trägt diesen Umstand schon in sich. Kaum jemand aber bemerkt, dass dieses, in den Schulen vermittelte Weltbild völlig auf dem Kopf steht (siehe hierzu unbedingt These 2!). Trotzdem haben wir den Eindruck, als wenn diese wahrgenommene Welt vor unseren Augen so besteht. Das kann niemand und will ich natürlich nicht leugnen. Aber sehr viele Indizien unserer wissenschaftlichen Erkenntnis belegen diesen Eindruck von Wirklichkeit als eine reine Empfindung des Gehirns, die man nur als »virtuelle Projektionsempfindung« bezeichnen kann. Diese »virtuelle Projektion vor die Sinne« ist ein Akt, der ausschließlich im Gehirn stattfindet und dort als die Realität vor den Sinnen wahrnehmend empfunden wird. Das Welterleben findet so ausschließlich im Bewusstsein statt und kann demzufolge höchstens gleichwertig(!) sein, aber auf keinen Fall »identisch«!

Wenn wir von diesem Modell 5 ausgehen, dann kann die Wahrnehmung der Wirklichkeit »vor den Sinnen« nicht identisch sein mit unserem inneren Welterleben. Aber wo bleibt denn dann die äußere Welt ...; vor den Sinnen? Wo ist die Quelle der Informationen und Botschaften, die unsere Zustandsmaschine Gehirn füttert? Offenbar ist das Bildnis von Modell 5 unvollständig, denn man kann die Projektion des inneren Welterlebens vor die Sinne so nicht als realen Akt bezeichnen! Das Auftreten der Erfahrung einer Weltwirklichkeit vor den Sinnen ist eine reine Empfindungsleistung des Gehirns für unser Bewusstsein. Sie findet also nur im(!) Bewusstsein statt, auch wenn es uns so vorkommt, als wenn wir durch unsere Augen und Sinne in(!) die Welt vor(!) unserer Körperlichkeit schauen. Aus sehr vielen wissenschaftlich anerkannten Studien weis man längst, dass jedes Lebewesen eine ganz andere Ausprägung seiner Weltwahrnehmung empfindet. So sehen beispielsweise Insekten die Welt bevorzugt in einer ganz anderen Farbpalette, weil das durch eine effizientere Wahrnehmung ihr Überleben besser sichern kann, usw..

Diese hier vorgestellten Zusammenhänge sind völlig konform mit bestehendem Wissen aus Physik und Biologie und widersprechen in keiner Weise unserer Erfahrung. Alles bleibt so wie es schon immer war; nur eine andere Interpretation auf der Basis systemtheoretischer Differenzierung der beteiligten Systeme wurde vorgenommen. Wie also sieht jetzt das Modell aus? Wir müssen in einem weiteren, dritten Schritt diesen Zusammenhängen Rechnung tragen.

Dritter Schritt: Systemtheorie konsequent umgesetzt
 

Modell 6
 
Modell 6: Dieses Modell sitzt so, wie alle gezeigten Modelle, im Kopf des Lesers hier selbst, der somit ein Abbild seines inneren Weltmodells betrachtet! Noch einmal(!): Das ist ganz wichtig zu beachten, da man sonst Gefahr läuft wieder an bestimmten Stellen in die Falle zu tappen und dem üblichen, nichtdifferenzierenden Realitätsbrei aufzuliegen, ohne es zu bemerken!

Diese Darstellung beinhaltet jetzt alle beteiligten Subsysteme, die man benötigt um ein beinahe (vorläufiges) widerspruchsfreies, von Platon bis heute funktionierendes und passendes, und von allem Ballast des üblichen Realitätsbreis befreites Weltbild darzustellen. Es ist noch nicht ganz vollkommen, aber dazu unten mehr. An dieser Stelle erst einmal sind alle Anteile vorhanden. Wichtig ist (und das muss man sich immer und immer wieder bewusst machen, da wir hier gegen rund zweieinhalb Jahrtausende geprägter Paradigmen und Dogmen ankämpfen müssen, die unser Denken und unsere Kultur(en) wie ein Schimmelpilz durchwoben hat), dass jedes Subsystem, also Bewusstsein, Weltempfinden, Weltmodell und Weltwahrnehmung vor den Sinnen, und alle Subsubsysteme wie Paradigmen, Sprache, Mathematik, etc., ihre eigenen, inneren oder systemimmanenten Realitätsausprägungen auf der Basis eigener und unabhängiger, innerer Strukturen besitzt! Dieses Modell ist jetzt um ein wichtiges System erweitert, ohne das eine konsistente Darstellung nicht vollständig sein kann: die »Realität vor dem Bewusstsein«. Wenn die »Realität vor den Sinnen« der Empfindungsakt einer virtuellen Projektion im Bewusstsein seines Gehirns ist, dann muss es ja ein weiteres System geben, das die Quelle all der Botschaften von den Dingen vor dem Bewusstsein darstellt, die sich in unserer Wahrnehmung empfinden lassen und in das wir alle eingebettet sind: das eigentliche Universum (nicht »Weltall«!). Wieder ganz im Sinne, dass ein Ganzes (oder System) mehr ist die bare Summe seiner Teile (oder Elemente), weil sich funktionale Strukturbeziehungen immanenter (eigenschaftlicher) Mathematischkeit zwischen diesen Elementen ausbilden, ist ein abgrenzbarer Teil dieser Realität vor dem Bewusstsein ein System, das zu erweiterten und spezialisierten Funktionen oder Realitätsevidenzen führt: das Bewusstsein. Wie das Universum das bewerkstelligt kann wohl noch niemand sagen, ist hier aber auch völlig unerheblich; wir wissen, dass es so ist. Aus diesem Universum erhält das Bewusstsein Signale und Botschaften, die sich in unserer Weltwahrnehmung durch Sinnessensoren wie z.B. die Augen darstellen und die wir in unseren Modellen durch elektromagnetische Wellen beschreiben können. Diese Realität ist so ausgeprägt, dass sie, und das muss ja einfach so sein, auch weitere Struktursysteme beinhaltet, die wir z.B. als Messmittel wahrnehmen und die diese elektromagnetischen Wellen anzeigen können. Die Anzeige selbst ist wiederum eine Signalbotschaft, die den Weg in das Bewusstsein finden, wie die anderen Botschaften auch. Wiederum entsteht über individuelle Prägungen, Erfahrungen, Emotionen und Unterbewusstem ein Weltempfinden, das über die virtuelle Projektion eine »Sicht« auf die Messmittelanzeige generiert, die wir in unseren Modellen dann verarbeiten, interpretieren und werten. Eine egozentrische Weltwertung auf dieser Basis ist zwar nach wie vor möglich, sollte aber mit diesem Modell endlich verschwinden und einem, durch dieses Modell motivierten, liberaleren und demokratischeren Erkenntnisfähigkeit platz machen. Da aber das o.g. Modell in dieser Hinsicht noch nicht ganz vollständig ist kommen wir zum letzten Schritt:

Vierter und letzter Schritt: konsequente Systemtheorie auf der Basis des neuen Paradigmas
 

Modell 7
 
Modell 7: Die Egozentrie ist aufgegeben und wird jetzo nicht mehr dargestellt. Der Körper des (jedes) beobachtenden Bewusstseins ist genauso wie jeder andere Körper in einer allgemeineren Strukturrealität, der »Realität vor dem Bewusstsein« eingebettet, die das eigentliche Universum darstellt, in das alles höherspezialisierte eingebettet ist (siehe Systemtheorie!). Diese Strukturrealität bildet an der Grenze des Systems von Bewusstsein die typischen und seltsamen Zusammenhänge und Erscheinungen, wie sie aus der Quantenphysik bekannt sind. Jegliche Materialität, Energie, Raum und Zeit, die wir in unserer (inneren) Generatorrealität wahrnehmen und die wir als die Grundelemente des Seins werten, sind in dieser Realität noch etwas ganz anderes. Aber: sie sind so strukturiert, dass sie das ermöglichen; dass sie sich in unserem Weltempfinden als das ausprägen, was wir dann auch erleben. Wie diese Realität vor dem Bewusstsein letztlich ausgeprägt ist, ist völlig unerheblich bis auf die Wertung, dass sie eben genau das an Botschaften und Signalen erbringt, die, wenn sie in unser Bewusstsein gelangen, eben genau unsere Welt generiert. Diese prinzipielle Gleichbedeutung aber nicht »Identischkeit« der Signale reicht völlig aus, um die Welt so zu gestalten, wie wir sie kennen und in der wir uns dann selbstsicher bewegen.

Nachdem die Signale durch das System der Strukturrealität hindurch die Systemgrenze dessen überwunden haben, was in unser aller Welterleben als »unser Körper« mit Gehirn erfahren wird, werden diese erst einmal aufbereitet, reduziert und durch weitere generierte Empfindungen wie Raumhohlheit und Zeitverläuflichkeit, Helligkeit und Farbe, etc. ergänzt um schlussendlich im Bewusstsein als die Summe allen sinnlichen Weltempfindens zu erscheinen. Ein anderes Struktursystem, das in unserem Welterleben z.B. einen Würfel darstellt, erscheint als Wahrnehmung, die sich in dem Raum und der Zeit befindet, wie wir das erleben. Das Struktursystem »Gehirn« generiert weiterhin den Projektionsakt eines Erlebens, das hier das System der »Realität vor den Sinnen« bildet. Auch wenn dieses System wiederum völlig eigenständig, mit Empfindungsausprägungen ausgestattet ist, das wiederum völlig unabhängig vom System des Weltempfindens seine eigenständige Realitätsausprägung hat, so gehören beide als Subsysteme zum einbettenden System der sogenannten Generatorrealität. Diese Wahrnehmungsbasis bildete über die evolutionäre Entwicklung des Gehirns den Akt von Erkenntnis und Wissen, die sich in den wiederum in sich eigenständigen Subsubsystemen von Logik, Sprache, usw. manifestieren und uns zu Modellbildungen zur Verfügung stehen. Die Summe all des Wissens und der Erkenntnis ist dann letztlich in einem zusammengefassten Weltmodell, das wir kritisch interpretieren und weiterentwickeln, angekommen. Dieses Weltmodell bildet wiederum ein System in sich mit eigenständiger Realität, die nicht unbedingt mit dem Welterleben übereinstimmen muss, womit sich der Kreis schließt und wir wieder bei der Platonischen Ideenwelt angelangt sind. Alle Wirklichkeitsbilder, die über die Entwicklung unserer Erkenntnis hier (oben) vorgestellt wurden, sind gleichberechtigt über die Entwicklungsstufen in diesem letztgültigen Modell 7 aufgegangen und darin wiederzuerkennen. Alles, was wir wissen ist erhaltengeblieben und (aber) eine freiere, liberalere Weltinterpretation ist möglich geworden, die den Ballast falscher Fragen an »eine« (falsche) Universalrealität erkennen und ausklammern kann.

Zum Abschluss noch einmal eine Zustandsbeschreibung auf der Basis dieses Weltmodell, dass das überkommene Paradigma der Universalrealitätssicht ablöst in Hinblick auf die systemtheoretische Differenzierung unterschiedlicher, systemimmanenter Realitäten. Nur damit werden wir unsere Erkenntnis und Erkenntnisfähigkeit weiter fortführen können. Aber soll keiner meinen, dass dies eine finale Theorie ist. Sie ist nur ein nächster Schritt, denn Erkenntnis beinhaltet unter Prinzip keine finale Antwort, die eine letztendliche Wahrheit darstellt. Sie ist immer und unter allen Umständen ein Prozess! Das muss verstanden sein!
 

Zustandsmodell der Realitäten
 
Dieses Bild beinhaltet drei spezialisierte Systeme, die in der »Realität vor dem (den) Bewusstsein(en)«, dem System der allgemeinen Strukturrealität eingebettet sind, weil sie sich davon abgrenzen: Zwei Menschen und eine Uhr. Wir können diese Realität nicht »unmittelbar« sensorisch-sinnlich wahrnehmen, weil sie erst einmal in einem Bewusstsein mit all den, aus der Neurologie bekannten Prozessen angekommen sein muss. Diese Bewusstseine sind aus der Evolution heraus so gestaltet, dass sie eine maximale Effizienz zum Überleben der Art sicherstellen. So ist jede Art auf diesem Planeten vordergründig ein Konzept zum Überleben. Wir sind dieser Empfindungsweise von Realität ausgeliefert, aber sie ist für uns alle eine Basis, die wir akzeptieren können.

Jedes der beiden Bewusstseine betrachtet eine Uhr, um die eigene, innerlich empfundene Zeitverläuflichkeit aufgrund eines Zählers, der konstantperiodische Zustandsveränderungen zählt, zu synchronisieren. Diesen Akt nennen wir »objektive Wirklichkeit«. Irgend ein anderer Mensch muss diese Uhr ja gebaut haben. Das System des Uhrmachers hat in die »Realität vor dem Bewusstsein« hinein agiert um die Uhrenteile zu bearbeiten und zusammenzubauen. In der Generatorrealität des Uhrmacherbewusstseins hat sich das dann so dargestellt, wie wir das alle kennen: Die ganz normale Wirklichkeit. In der »Realität vor seinem Bewusstsein« allerdings haben sich dabei mehrere Einzelsysteme (die Uhrenteile) ausgebildet und ihre Strukturen verändert bis sie in einer strukturellen Endsituation waren, die der Uhrmacher als z.B. fertiges Zahnrad oder Uhrenfeder wahrgenommen hat. Schlussendlich hat das System des Uhrmachers diese Teilsysteme zu einem System zusammengebaut. Dabei bilden diese die Elemente eines neuen Systems (der Uhr), wobei das Ganze (die Uhr) mehr ist, als die Summe seiner Uhrenteile: Eine strukturelle Beziehung immanenter Mathematischkeit der Elemente untereinander bildet sich heraus, die die Uhr in unserer Generatorrealität »lauffähig« macht oder ticken lässt. Der Uhrmacher war vorher in der Lage durch seine Modellsysteme (Mathematik, Physik und Methoden, etc.) diese Mathematischkeit zu bestimmen und darzustellen als Modell auf dem Papier. Die Uhr ist somit ein abgegrenztes Struktursystem vor dem System des Bewusstseins des Uhrmachers, die in ihrer Ausprägung, im Weltempfinden, in der Generatorrealität, im Bewusstsein des Uhrmachers, dem System der Uhr gegenübersteht. Die Uhr ist fertig und schickt Botschaften über ihren inneren Systemzustand (die Anzeige) über ihren Systemrand hinweg, die durch andere Systeme (Menschen) aufgenommen werden können.

Zwei andere Menschen bilden in der Strukturrealität zusammen mit der Uhr ein neues System, dass sich zum Rest des strukturrealen Universums abgrenzen lässt: Da das ganze hier betrachtete System wiederum mehr ist als die Summe der zwei Menschen und der Uhr, bilden sich erneut, aufgrund von Strukturbeziehungen neue Systemeigenschaften heraus: Die beiden Menschen können eine objektive Übereinkunft über den Zeitstand in ihrer Generatorrealität bilden. Dabei nehmen die Menschen die Botschaften des Uhren-Subsystems und des jeweils Anderen auf, die sich dann in der Generatorrealität der Bewusstseine jedes einzelnen Menschensystems als eine »gesehene Uhr mit »Information« plus einen anderen Menschen ausprägt (siehe Bild). Jeder der beiden Menschen ist in der Lage die Uhr mit gleicher Botschaft und den Anderen aus verschiedenen, generatorrealen Blickwinkeln wahrzunehmen. Diese Wahrnehmung wird durch den Akt der virtuellen Projektion vor die jeweiligen Sinne so wahrgenommen, als wenn sich die Uhr und der andere Mensch vor den Sinnen »befindet«. Das ist allerdings, wie oben begründet, nur die Empfindungsleistung des Gehirns das es seinem Bewusstsein vermittelt. Es entspricht auf der anderen Seite in der Realität vor den Bewusstseinen allerdings genau dem, was die Uhr und der andere Mensch eben »ist«. Es besteht in dieser Modellvorstellung (von uns Lesern und von den beiden Menschen hier) keinerlei Notwendigkeit, dass diese Realitäten (die Generatorrealität und die Strukturrealität) »identisch«(!) sein müssen, was nachgerade genau zu diesem, hier vorgestellten Modell geführt hat. Der Kreis schließt sich.

Schlussendlich tauschen die strukturrealen Menschensysteme Botschaften aus um sich über ihre jeweilige Modellbildung objektiv zu bestätigen und die gemeinsame Wertung auszubilden, dass es schon 10:09 Uhr ist. Anschließend löst sich das strukturreale System wieder auf und die Menschen gehen ihren Weg.

Dieses Modell legt nahe, dass das Phänomen des Bewusstsein, systemisch gedacht, das Bindeglied zwischen der Strukturrealität des Universums und der Generatorrealität des Weltalls ist. Es ist eigenschaftlich der Mittler zwischen diesen beiden Realitätssystemen. Allerdings darf man dabei nicht übersehen, dass durch das Prinzip der systemischen Abgrenzbarkeit alle Subsysteme letztlich alle in dem System der Strukturrealität eingebettet sind und aus dessen Strukturelementen durch Spezialisierung hinzugewonnener Strukturbeziehungen der Strukturelemente untereinander hervorgehen.
 
Resümee:
Das hier vorgestellte Modell des bewussten Seins ist in der Lage alle Fragen an die Wirklichkeit durch ein sauberes Paradigma zu untermauern: die systemtheoretische Differenzierung systemimmanenter Realitäten auf der Basis, dass das Ganze mehr ist als die bloße Summe seiner Teile. Das ist ein axiomatisches Prinzip von Realität überhaupt. Die überkommene Einstellung, jegliche Wertung auf der Basis einer unterstellten Universalrealität auszuüben, muss ausgedient haben, wenn wir weiter kommen wollen im Prozess der Erkenntnis. Das systemische Denken und Werten auf dieser Basis befreit uns von den Fesseln falscher Fragen, die deshalb falsch sind, weil sie nach einer(!) universalen Antwort suchen, die aber systemindividuell anders ausfällt; ausfallen muss(!). Die geschichtliche Tatsache, dass grundsätzliche, banal wirkende Fragen an das Sein, schon in der Antike aufgeworfen bis heute unbeantwortet sind, steht in krassem Gegensatz zu unserer technologischen Entwicklung. Viel abstraktere und kompliziertere Dinge sind wir heute am Beherrschen und können uns so einfache Dinge, wie Realität(en) nicht wirklich erklären. Wir landen auf dem Mond und anderen Planeten und können das System eines Grashalms vor unseren Füßen nicht einordnen im Sinne der Platonischen Vermutung. Das Phänomen dabei ist unsere bisherige, kollektive Unfähigkeit, die Behinderungsfaktoren in unserer evolutionären, sozialen und kulturellen Prägung zu erkennen. Die Frage ist, was wir wollen. Weiterkrautern und uns aus egozentrischen Wertungen einer Universalrealität weiterhin gegenseitiges Leid zufügen? Oder Weise werden? Eine liberale und grundsätzlich maßstabgebende, philosophische Einstellung über das Sein zu haben, um dadurch gerechter, demokratischer und mündiger zu werden, damit wir mit uns und unseren existenziellen Gründen vernünftiger umgehen können!?! Jeder muss sich diese Antwort selbst geben - ich für meinen Teil habe sie.
 


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