Platon
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These 7

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Die Systemtheorie sollte für das tiefere Verständnis der Thesen inhaltlich bekannt sein (siehe Navigationsleiste).
»Ein grundlegender Paradigmawechsel ist angesagt«

  oder »Was ist die Konsequenz aus allen Thesen?«


These: Wir kommen ohne Änderung der grundlegenden Wahrheitsvorstellung nicht wirklich weiter im Prozess zur Erkenntnis!

Diese These ist die Quintessenz aus allen Thesen dieses Forums, die in Zukunft noch erweitert werden. Da sie, unabhängig von jeder gesellschaftlichen Kultur, an den Grundfesten üblicher Realitätsauffassung und dadurch menschlichem Selbstbildnis rüttelt, ist diese These durch die sechs Beispiele relativ umfangreich. Ich kann den geneigten Leser nur um entsprechendes Interesse und Geduld mit sich selbst bitten, denn weil(!) es an den Grundfesten rüttelt, kann man das Thema nicht mit drei Sätzen abhandeln. Es ist unumgänglich wenigstens diese Beispiele mit entsprechendem minimalen Umfang aus vielen Bereichen aufzuzeigen, auch wenn diese nur die oberste Spitze des Eisbergs sind. Die grundsätzliche Fehlsicht menschlicher Erkenntnis(se), und das ist das Erstaunliche daran, ist in ausnahmslos(!) allen Bereichen des menschlichen Seins erkennbar! Die Beispiele sind aus meiner Sicht auf ein Mindestmaß zur Verständlichkeit reduziert. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, einigermaßen jeden bei seinem Wissensstand »abzuholen«. Da man das nicht jedem recht machen kann, sehen sie es mir bitte nach und informieren Sie sich z.B: was das 4. Beispiel über die Quantenphänomene angeht durch entsprechende Literatur weiter. Ansonsten wünsche ich dem geneigten Leser viel Interesse und Erkenntnis!


Prolog:

Wer alle vorstehenden Thesen aufmerksam gelesen, die ganzheitlich analytische Sichtweise auf die Zusammenhänge und das tiefere Wesen der Dinge unter Zuhilfenahme der Systemtheorie erfasst und verstanden hat, der wird die hier dargestellte These eigentlich schon erwartet haben: Ein Paradigmawechsel ist angesagt und notwendig, weil(!) wir heute in der Lage sind diese Zusammenhänge analytisch zu erkennen und zu beschreiben
»Das unbemerkt unterstellte Hinnehmen einer/der sogenannten »objektiven Universalrealität« muss zu Gunsten einer systemimmanenten und -individuellen Realitätssicht, mit all den daraus folgenden Konsequenzen auf das/unser Denken, Bewerten und Urteilen, aufgegeben werden. Es ist zu fordern, dass diese Sichtweise (nicht nur, aber beginnend bei) in die Wissenschaften und Wissensvermittlung einzieht und ihre Bedeutung generell Beachtung findet, weil wir auf der Basis des bisherigen Paradigmas der/einer Universalrealität nicht wirklich weiterkommen im Prozess der/unserer Erkenntnis!«
Prolog ff:
In allen uns zur Verfügung stehenden Informationsplattformen (von der Schule über die Literatur bis hin zum Internet), über alle darin dargestellten Bereiche menschlichen Bedenkens, Theoretisierens, Argumentierens, Beurteilens, Disputierens und Handelns, und über alle Disziplinen (wie Religion, Politik, Weltsichten, Philosophien, Wissenschaften und u.v.a.m.) ist ausnahmslos festzustellen, wie wir Menschen untereinander in einem letztendlich sinnwidrigen und aufgrund egozentrischer Weltsichten prinzipiell unlösbaren Widerstreit stehen. Dadurch wird in zunehmenden Gefährdungsmaße die Randbedingungen unser aller Existenz in einer immer enger werdenden Welt destabilisiert.

Im Prinzip wissen wir das doch alle selbst: Ein Disput wegen widersprechender Erscheinungen entsteht ausnahmslos aus einem Grunde: Weil wir aus unserer eigenen Wirklichkeitswahrnehmung über die Wirklichkeit und das Verhalten einer anderen Person oder Gruppe urteilen. Wir tun unbemerkt und unkritisch immer so, als wenn »ich« die Wahrheit in Form einer finalen(!) Richtigkeit gepachtet hätten. Wir stülpen diese, unsere(!) Realitätswahrnehmung der anderen Person(en) oder dem betrachteten System über und weil wir dadurch die Anderen nicht wirklich verstehen (wollen? oder können?), urteilen wir dann darüber in einer oft unkonstruktiven Weise. Der Widerstreit mit den typisch destruktiven Folgen ist oft vorprogrammiert.

Das soll nicht heißen, dass wir aufhören sollten zu Disputieren! Natürlich müssen wir uns untereinander abgleichen, denn sonst würden wir eine andere, wichtige Randbedingung unserer Existenzfähigkeit aufgeben: die Optimierung von überlebensstrategischen Verhaltens- und Handlungsweisen. Dabei muss aber klar sein, dass das unter kontrollierten Bedingungen des Verhaltens in gepflegter, mündiger und konstruktiver Sachlichkeit geschieht: Wir nennen das »liberal« und »demokratisch«.

Und es gibt noch einen zweiten, von menschlicher Meinung unabhängigen Bereich, der zu genau den gleichen, prinzipiellen Problemsituationen führt: sich widersprechende Zustände, wenn man einen Zustand aus verschiedenen, ja sogar offenbar objektiven Blickwinkeln betrachtet (um es ganz allgemein auszudrücken!). Der bis heute unlösbare Widerstreit zwischen der Allgemeinen Relativitätstheorie Einsteins und der Quantenmechanik, die schier verzweifelten Versuche einer Interpretation quantenmechanischer Versuche durch die sog. Kopenhagener Deutung mit all ihren Nachbesserungen bis heute, oder die seltsamen mathematisch-physikalischen Zustände, die in den Lösungen auftreten, wenn man versucht, sich dem Zeitpunkt Null des sog. Urknalls zu nähern, wobei die Physiker vor der verzweifelten Situation stehen, einen sog. »Zusammenbruch der Physik« beschreiben zu müssen (nur(!) drei Beispiele). Alle diese Widersprüchlichkeiten zwischen menschlichen und physikalischen Systemen gehen schlussendlich auf einen gemeinsamen Nenner: Das Nichtbeachten der Konsequenz einer unkritisch hingenommenen, universalen Realitätsunterstellung.

Nur wenn wir diesen Zusammenhang bis hinein in die daraus folgenden Konsequenzen ernst nehmen sind wir in der Lage konstruktiv zu agieren. Die tiefere Bedeutung und Rechtfertigung dazu liegt allerdings in der Erkenntnis, wie diese Zusammenhänge systemtheoretisch einzubetten sind, damit wir ein Werkzeug und philosophischen Maßstab zu unseren Handlungen und Verhaltensweisen haben, was wir schlussendlich als Paradigma bezeichnen.

Der unkritische Umgang mit dem, was wir »Realität« nennen, indem wir alle so tun, als wenn Realität eine Universaleigenschaft der erfahrbaren Wirklichkeit ist die nicht differenziert werden kann (oder könnte?!), ist das Grundmoment, das einen liberalen und demokratischen, selbstsicheren, mündigen und lockeren selbstbewussten Umgang mit uns untereinander und unseren existenziellen Gründen verhindert. Erst durch diese maßstabgebende und dadurch nachvollziehbare, philosophische Einstellung erwächst Konstruktivität, Vertrauen, Selbstsicherheit, Planbarkeit und Nachhaltigkeit zu unserer Existenz schlechthin! Die Menschen müssten nicht mehr ihr Heil in religiös institutionalisierten Glaubenssystemen, Esoteriken und Sekten etc. suchen.
 
Diskurs:
Das momentane Paradigma über die Beurteilung von Realität, in Hinsicht auf Erkenntnis von Wirklichkeit und Wahrheit des Wesens der Dinge, ist am Ende und hat ausgedient. Ganz im Sinne, dass Erkenntnis niemals eine finale Antwort auf die Dinge enthalten kann, ist Wissen und Entwicklungsfortschritt von uns Menschen unter Prinzip ein Prozess (auch das ist eine, wenn auch oft verdrängte und völlig unterschätzte Erkenntnis!). Zumindest war und ist niemals auch nur Ansatzweise im Nachhinein ein Umstand aufgetreten, woraus man auf eine Finalität menschlicher Weltsicht(en) schließen könnte, auch wenn man im Allgemeinen (und gerade im Speziellen: Politik, Religion, Materialismus, etc.) noch so sehr danach trachtet. Wie oft müssen denn letztendlich noch die typischen und gerade in der Historie tragischen Rückzugsgefechte religiöser Weltsichten stattfinden, wenn der Klerus seine, als unverrückbar dargestellten und definitiv falschen(!) Realitätsdogmen gegenüber physikalischem und kosmologischem Erkenntnisfortschritt nicht mehr weiter aufrecht erhalten kann, weil diese Weltsichten ein statisches und somit finales Weltbild zu erzwingen suchen. Aus welch subtil verdrängendem und kollektiv indoktriniertem Bewussteinszustand heraus, zeigt gerade die Geschichte der christlichen Kirche, mit welch tragischen Prozessen (genannt seien hier nur Giordano Bruno (1548-1600) und Galileo Galilei (1564-1642)) diese im Nachhinein nicht umhin kam, ihre Weltsicht(en) »nachzubessern«, weil die Widersprüche zu jedermanns Allgemeinwissen über die grundlegendsten Dinge der erkennbaren Welt immer unhaltbarer geworden sind. Ein Prozess, der das Verhalten der Kirche (nicht nur in Rom!) in steigendem Maße bis heute belastet und in Frage stellt. Oder dass gerade die Gesellschaftssysteme, die es noch nicht geschafft haben eine Trennung zwischen Staat und Kirche zu vollziehen, ihre Dogmen durch Unterdrückung von mündigem und freiem Denken mit exzessiver Gewalt am Einzelnen aufrechterhalten, weil sonst der Irrsinn (irrender Sinn!) dieser Weltsichten offenbar würde. Ein deutlicheres Zeichen, dass Erkenntnis, egal welcher Art, unter Prinzip keine finale Wahrheit beinhalten kann(!), ist kaum noch denkbar.

Wenn man wahrnimmt, mit welcher Beharrlichkeit die Menschen von einer Universalrealität ausgehen, aus der man alles andere zu beurteilen sucht, dann widerspricht das der grundlegenden Verfahrensweise fehlerfreien Vorgehens. Wenn man nicht weis, wie groß der Fehler ist, den man macht, wenn man reduktionistisches Denken ansetzt und etwas vereinfacht bzw. zusammenfasst zu einem gemeinsamen Nenner, dann muss man doch erst recht die größtmögliche Näherung und Differenzierung erkennen, analysieren und anstreben wollen, oder? Später, wenn man die Erkenntnis hat, kann man immer noch auf ein verantwortliches Maß reduzieren. Diese Taktik wird überall angewendet, wenn die Menschen forschen, komischerweise aber nicht bei der Realität; und das, obwohl offenbar genau das die Ausgangsbasis jedes Konflikts zwischen Menschen auf dieser Welt ist. Die Kritiker des Reduktionismus werden dieser Betrachtung recht geben.

Im Sinne Martin Heideggers (1889-1976) Ausführungen verlangt das »Seiende« einen Beweis für das »Sein der Außenwelt«, in die man mit seiner Wahrnehmung eingebettet ist. Dieser Beweis ist bis heute nicht sinnreichend erbracht. Alle Versuche in dieser Richtung führen zu apriori-Aussagen mit nicht enden wollenden, rekursiven Zirkelschlüssen. Im Sinne einer grundsätzlichen, rein analytischen Kritik auf der Basis Heideggers stellt sich die Frage: Ist das seinmotivierte Verlangen eines Beweises letztlich nicht, auch und gerade Ausdruck dieser unentwirrbaren Apriorismen? Stellt sich dieses Verlangen nicht gerade deshalb ein, weil wir Erkenntnis erlangen wollende Menschen bisher regelrecht unfähig sind den Inbegriff von »Realität« zu entwirren? Eine Beweisforderung ist Ausdruck, dass noch nicht wirklich (im Sinne von »Umsetzung«) erkannt ist, wie eine sinnreichende Erkenntnis über Realität nur über eine systemtheoretische Differenzierung mit einwandfreier, innerer Konsistenz führt. Das muss man wie ein Werkzeug sehen, dass uns vor den typischen Zirkelschlüssen, durch Eindeutigkeit auf der Basis der Fragen, die wir an das Wesen dieser Entität stellen, bewahrt. Ein Beweis soll sozusagen die Aussage, dass alles ist, wie es ist, erzwingen, ohne auf eine konsistente, sinnreichende Differenzierung zurückgreifen zu müssen. Man erwartet von einem Beweis eine (wieder typisch!) finale Bestätigung, mit der man sich (vielleicht?!) zufrieden geben kann und erwartet, dass sich die Erkenntnis über die Beweisführung quasi von alleine einstellt. Ich möchte das etwas verschärft formulieren: Eine sinnreichende Erkenntnis über die Realität der Außenwelt; die »Realität vor den Sinnen« würde eine Beweisforderung unnötig machen! Ich möchte das anhand des folgenden Bildes verdeutlichen:
 

Platons Ideenwelt
 
Dieses Bild zeigt Platons Problem auf den Punkt gebracht: Das Weltempfinden und die Außenwelt sind »ZWEI« (Systeme)! Das Phänomenologische an dieser Konstellation ist letztlich aber nur, dass es zwar zwei Systeme sind, aber nur eine Wirklichkeit und jetzt Achtung: »sein soll(!)«. Das führt zu dem Schluss: Nicht die Natur ist phänomenal, sondern wir selbst mit unserer Einstellung sind es, die »Etwas« phänomenalisieren. Es ist der Ausgang jedes Problems, wenn man versucht ist, beide Systeme zu einer Universalrealität zu vereinen ..., schon sind die seltsamen Widersprüchlichkeiten von jedem erfahrbar, wenn er sich wie Platon damit auseinandersetzen will(!). Das Ganze verschärft sich noch durch die, aus der Logik unserer Sprache entspringenden Zirkelschlüsse. Und dass das ein Grundsatz-logisches Problem ist, zeigt sich dadurch, dass das unabhängig ist von der Sprachkultur: Sowohl die altvordern Griechen als auch die modernen Sprachen laufen auf die selben Probleme hin.

Die Erklärung dafür ist relativ einfach: Wir Menschen haben ein grundsätzliches Problem damit, »die« Realität; die Universalrealität zugunsten der zuordnenden Seinsfakten auszudifferenzieren im systemtheoretischen Sinne? Dahinter steckt ein psychologisches, kollektives Problem, dass uns die Lösung vor der Wahrnehmung verdrängt und verschließt: Wir müssten nämlich den evolutionsbasierten, überlebensstrategisch motivierten Egoismus in seiner egozentrischen Ausprägung aufgeben. Das aber wäre gleichzusetzen mit einer Aufgabe unseres grundlegenden Selbstverständnis, was uns Menschen ausmacht, zumindest empfindet jeder vordergründig so, ohne das näher beschreiben zu können. Die Konsequenz wäre eine Aufgabe des alltäglichen Verhaltens im Sinne von »ich(!) habe(!) recht(!)« in bezug auf das Bevorteilende. Wir Menschen trachten zu unverrückbar dogmatisierten Weltsichten. Auch wenn das so mancher aus Befangenheitsgründen nicht wahrhaben will: kommerziell ausgenutzter Machterhalt von Institutionen durch Bindung vorsätzlich dumm gehaltener Menschenmassen an ein gemeinsames Glaubensdogma, das allzu oft an einer wirklichen, geschweige denn differenzierbaren und systemindividuellen Realität vorbeigeht! Man braucht sich nur die Werbung in den Medien anschauen: Jeder Werbespot hat ein und dieselbe Botschaft: »Denke nicht, kaufe!« So gesehen ist jegliche religiöse, politische und wirtschaftliche Institution auf diesem Planeten vordergründig ein erkenntnis- und fortschrittshemmendes Unterfangen durch Entmündigung kritischen Denkens auf breitester Ebene. Soll doch keiner leugnen, dass genau das die Geschichte der Menschheit und die heutige Zeit offenbart!

Es gibt keinen rationalen Grund, warum wir nachgerade der heutigen Aufklärung und Wissensverfügbarkeit danach trachten sollten oder müssen, eine Frage, wenn wir diese noch nicht beantworten können, durch eine geglaubte (Schein-)Antwort zu beantworten. Warum kommen wir damit eigentlich nicht klar eine Frage einfach als Frage stehen zu lassen? Weiterzuforschen, auch wenn wir niemals eine Antwort erhalten sollten? Es besteht doch kein rationaler Grund eine Antwort einfach und wenn auch aus vordergründigen Überlegungen und nahe liegenden Erwägungen zu »konstruieren«, und in einer geglaubten »Wahrheit« zu verankern. Nachgerade solche Antworten in folgenden Generationen oftmals nicht mehr in Zweifel gezogen werden ( ... können, im Sinne von »vermögen«!). Natürlich kennen wir die Mechanismen, warum wir permanent nach Antworten suchen und es irgendwie nicht abwarten können endlich eine Antwort zu haben: Weil uns die Natur mit einem religiösen Bedarf ausgestattet hat. Wir neigen aus überlebensstrategischen Gründen zu Erklärungen über die Unbill unserer Existenz. Unwissenheit schafft Ängste als Triebfeder und Motivation eine Antwort zu suchen. Dieser Trieb ist überlebenswichtig und so können wir es einfach nicht abwarten eine Frage offen stehen zu lassen! Dabei übersehen wir aber aus Prinzip, das wir uns dabei in eine Situation bringen, die den Forschungstrieb, und das offenkundig gerade bei religiösen Fanatikern, unterbindet. Diese Leute lehnen eine Aufgabe ihrer selbstdefinierten, finalen, wenn auch falschen Antwort in oftmals aggressiver Weise ab; welch ein irr-Sinn.

Das Ganze soll aber auf keinen Fall leugnen, dass wir Menschen eine tiefe religiöse Veranlagung haben, die allerdings von den entsprechenden Institutionen gnadenlos ausgebeutet und korrumpiert werden. Oder dass diese Institutionen in bestimmtem kulturellem Umfeld nicht auch ihre guten Seiten hätten! Aber die Attribute, die wir doch eigentlich wirklich anstreben; in einer immer enger werdenden, globalisierten Welt anstreben sollten, sind doch liberalere und demokratischere, gerechtere und konstruktivere Zustände auf der Basis grundlegender Menschenrechte. Nicht nur in der Politik, sondern auch in unserer innersten maßstäblichen Einstellung zu den Dingen und in bezug auf den Erkenntnisfortschritt. Dazu ist es aber unbedingt notwendig, dass wir uns frei machen von den typischen statischen Finalitätsdogmen, die unser übliches Weltbild aus gesellschaftlichen und kulturellen Randbedingungen heraus prägen; frei machen von der inneren Einstellung, dass es finale Wahrheiten überhaupt geben könnte; und frei machen von der tiefsten unbewussten und kritiklos hingenommenen Unterstellung, dass es nur eine(!) universale(!) Realität: »die eigene, selbst erlebte und wahrgenommene Wirklichkeit« gibt! Das aber nicht um jeden Preis. Hier ist keine Revolution angesagt, sondern Evolution. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Veränderung hin zu freier Erkenntnis auf der Basis des neuen, hier vorgestellten Paradigmas ist anzustreben. Wie gesagt: Alles ist ein Prozess und niemals abgeschlossen.

Natürlich brauchen wir Verlässlichkeit aus stabilen Randbedingungen unserer Existenz. Das schließt definitiv nicht aus, dass wir uns aber auch Anpassen können. Nicht nur im evolutionstheoretischen Sinne der Biologie auf diesem Planeten, sondern auch im Sinne unserer Weltsicht(en) und Paradigmen. Ein Stehenbleiben bedeutet prinzipiell einen Rückschritt durch Anpassungsfehlverhalten im evolutionstheoretischen Sinne. Dadurch ziehen wandelbare, anpassungsfähigere System an diesen vorbei, was nachgerade den Rückschritt bedeutet. Auch das ist eigentlich nichts Neues!

Wir leben kollektiv, von den meisten Menschen jedenfalls so gesehen, in einem grundlegenden Widerspruch und merken das nicht, weil wir das trefflich verdrängen können: Auf der einen Seite wissen wir doch alle, dass Anpassungsfähigkeit eine grundlegende Fähigkeit zum Überleben der Art ist. Auf der anderen Seite aber tun wir alle so, als wenn das immer nur für andere gilt. Wir trachten nach Stabilität der Verhältnisse und wundern uns, wenn Teile dieser Menschheit immer wieder und genau aus diesem Grunde in ihrer Existenz gefährdet sind. Jeder kann das nachvollziehen und jeder weis das letztlich auch: Wenn wir die Anpassung an neue Rahmenbedingungen unserer Existenz außer Kraft setzen, sei es aus gesellschaftlichen, politischen oder materiellen Gründen, dann gefährden wir unmittelbar die Randbedingungen unserer Existenz. Soll aber keiner unterstellen, dass das nicht auch(!) für unsere Weltsichten gilt: Sind doch diese es, die unser Verhalten in einer immer wissenderen Gesellschaft in bezug auf die Technifizierung unserer Existenzumgebung prägen und das Fundament unseres Werdegangs darstellen.

Es mögen viele in der systemtheoretischen Differenzierung, die dieser These zugrunde liegt, wenn sie über diesen Zusammenhang des Seins das erste Mal hören, eine Verkomplizierung unseres Denkens und der Dinge vermuten. Aber das ist nicht richtig! Natürlich ist das auf der einen Seite eine Denkweise, die unser Denken (im positiven liberalen Sinne!) beeinflusst. Auf der anderen Seite ist das aber keine Belastung im Sinne eines Leistungsprozesses, der zusätzlich zu unserem üblichen Denken und Handeln auftritt. Diese Erkenntnis ist ein grundsätzlicher Maßstab; eine innere Einstellung zu den Dingen, die wir in unserer Wirklichkeit erleben. Genauso, wie ein routinierter Autofahrer zielgerichtete Bewegungen hinter dem Steuer ausführt, um den Wagen sicher auf dem Wege zu halten, erkenne ich in der systemtheoretischen Differenzierung von Realität nicht eine Verkomplizierung, sondern im Gegenteil eine fundamentale Entkrampfung bei der Betrachtung und interpretierenden Beschreibung der Dinge, die für unsere Existenz und Erkenntnis wichtig sind. Falsche Zusammenhänge werden erkenn- und bewertbar entkoppelt. Das Festhalten an der Lust des Phänomenalen bringt uns nicht weiter. Durch Zurücknahme reduktionistischer Regeln wird dabei die tiefere Bedeutung der Fragen, die wir Menschen an das Wesen der Dinge stellen, offenbar. Falsch gestellte Frage, die wegen Durchmischung von unterschiedlichen Realitäten zu einem Universalrealitätsbrei aus Prinzip zu keiner Antwort führen können, werden erkennbar. Wir erhalten einen Maßstab, um unsere Fragen an die Dinge bewerten zu können; ob sie uns überhaupt sinnvoll weiterbringen können im Prozess der Erkenntnis. Das möchte ich im Folgenden an einigen Beispielen verdeutlichen:
 
1. Beispiel:
Ist die Mathematik oder das Genom eine Erfindung oder eine Entdeckung des Menschen?

Eine uralte und typische Fragestellung, auf die es bis heute keine eindeutig richtige Antwort gibt; geben kann(!), trotzdem wird sie immer wieder gestellt und man ergibt sich in tiefsinnigen Diskursen der Lust am phänomenologischen Charakter dieser Frage hin. Um es vorwegzunehmen: Es gibt auch keine eindeutige Antwort, weil es mindestens zwei Systeme gibt, für die die Antwort jeweils anders ausfällt (so banal ist das)! Es handelt sich also um eine sog. »falsche Frage«, die sich nur dann stellt, wenn man eine universale Realitätssicht vertritt und anzuwenden sucht! Unterschätze keiner, was diese Denkweise für Konsequenzen hat auf unsere letztgültigen Verhaltensweisen in die Welt, Gesellschaft, Kultur und Erziehung unserer Kinder zu mündigen Bürgern! Auf der systemtheoretischen Differenzierung von Realität ergibt sich aber sehr wohl eine bzw. zwei Antworten: Die Natur unserer erleb- und erfahrbaren Wirklichkeit ist ein System, das durch seine immanente, im und nur in diesem System verwurzelte, eigenschaftliche Mathematischkeit gekennzeichnet ist. Wir Erkenntnis gewinnen wollende Menschen bilden dann ein Modell, das in der Lage ist, die Vorgänge in dieser Wirklichkeit unabhängig davon so zu bestimmen und zu be-»urteilen«, dass diese mit der Realität der erlebbaren Wirklichkeit kongruent und konsistent übertragbar übereinstimmt. Dabei benutzen wir ein Vehikel, das in der Lage ist, diese Mathematischkeit in mathematischer Logik portiert auszudrücken: die Mathematik. Das Modell, dass der erlebbaren Realität gegenübersteht, beinhaltet also eine eigene, innere, mathematisch strukturierte Realität, die in der Lage ist durch Mathematik dargestellt zu werden. Auf dieser Basis wird klar, dass die reale Mathematischkeit der erlebbaren Weltwirklichkeit als immanente Eigenschaft dieser Realität eine »Entdeckung« ist und die Mathematik, die dieser weltwirkenden Realität in ihrem(!) Modellsystem gegenübersteht eine unabhängige, wenn auch konforme Realität ist, die wir Menschen »erfunden« haben um die Wirklichkeit beurteilen zu können. Ein oft unterschätzter Zustand: Die wenigsten Menschen haben wirklich verstanden, dass wir uns eigentlich niemals mit der Realität an sich beschäftigen, sondern aus fundamentalen Gründen ausschließlich mit den Modellen, die wir »erfinden«; erfinden müssen, wenn wir etwas verstehen wollen, denn letztlich findet Erkenntnis im Bewusstsein statt! Es ist genau der Zustand, den schon Platon zwischen »der Realität vor den Augen« und der »Realität im Bewusstsein« erkannt hat. Seine Beschreibung der »Ideenwelt« drückt das aus. Sie ist sein Modellsystem, um überhaupt eine Chance zu haben das erklärbar machen zu können. Die vorstehenden Thesen dieses Forums belegen das in gleicher Weise! Die meiste Zeit befassen sich die Wissenschaftler nicht mit der Realität, sondern mit der mathematisch physikalischen Darstellungen von ihr; befinden sich also in der Entwicklungszone eines Modells davon. Das Schlimme daran ist aber, dass alle dabei so tun, als wenn diese Darstellung; dieses Modell, die Realität »selbst ist«, in identischer Weise; als ob die Worte, die diese Zusammenhänge interpretieren und auf Schüler portieren, schon die Bedeutung identisch an und für sich darstellen. Unterstelle keiner, dass dieses Verhalten keine Konsequenzen hätte und eine fundamentale Erkenntnisbremse darstellt. Das obige Beispiel ist nur die Spitze des Eisbergs. Diese Art zu denken; dieses Paradigma der/einer Universalrealität ist ein sehr wackeliges Fundament für unseren Erkenntnisprozess, das immer deutlicher Zutage tritt. Das Wissen darum, wie diese Einstellung auf unseren Erkenntnisfortschritt wirkt, zeigt, wie ahnungslos, dilettantisch und oberflächlich wir Menschen und sogar gestandene Wissenschaftler tagtäglich damit umgehen. Nicht umsonst versuchen schon seit mehr als hundert Jahren bestimmte Kritiker auf diesen Zusammenhang hinzuweisen; im Besonderen durch Sprachkritik (siehe wikipedia => Mauthner)!
 
2. Beispiel:
Was ist Wahrheit?

Eine Frage, die unsägliche Bände philosophischer Ergüsse füllt. Wenn man jemanden fragt, was man allgemein unter Wahrheit versteht, dann erlebt man ausschließlich den Versuch, etwas Absolutes zu beschreiben. Eine typische Finalität, die sich im Rahmen von Moral und Ethik bewegt. Alles Begriffe, die einen äußerst nebulösen Charakter haben. Jede Beschreibung dieser Begriffe wird im Zusammenhang den anderen Begriffe verstanden und beschrieben. Ein Zirkelschluss tut sich auf! Irgendwie ist »Wahrheit« ein nicht recht fassbarer Begriff. Wieder die Lust am phänomenalen Charakter einer zutiefst falschen Frage!

Versuchen wir als Erstes eine Definition: Wahrheit kann man als die projizierende oder verbindende Komponente von »Richtigkeit« auf das momentan gültige Paradigma verstehen: Richtig ist, was der Basis jeglicher Wertung am nächsten kommt. Was aber ist richtig? und: Hat ein Paradigma einen Absolutheitsanspruch? Wohl kaum! Ergo kann auch »Wahrheit« kein finaler Inbegriff sein, auch wenn man immer wieder lustvoll versucht den Beweis des absoluten Charakters zu erbringen. Wahr ist, was sich auf der Basis des momentan als gültig erachteten Paradigmas als nützlich herausstellt, selbst grundlegende wissenschaftliche Dinge wie Mathematik und Physik, die bar jeder menschlichen Komponente sind oder besser: »zu sein scheinen«(!). Achtung: Dieser vorhergehende Satz verbirgt schon die ersten üblichen Be-»urteil«-ungen im Sinne dieses Beispiels, deren Unterscheidbarkeit man nicht wahr bzw. nicht ernst nimmt (auch wenn und sofern man davon weis): Man unterstellt diesen Dingen eine(!) wahre Realität und verwechselt die Worte, mit denen man das Wissen über die Dinge ausdrückt auf der einen Seite mit den Modellen, die man über die Dinge hat und auf der anderen Seite mit der Realität an sich, die man in der Natur; in der Wirklichkeit vor den Sinnen »wahr« nimmt! Alle drei Bereiche sind aber drei völlig eigenständige Systeme, die ihre eigenen, inneren Realitäten haben. Sie sind lediglich angestrebt gleich in Ihren Vorhersagen aber nicht »identisch«!

Analysieren wir die Zusammenhänge etwas genauer und fragen uns, wie sich die Wahrheit auswirkt, wenn man unser Welterleben in bezug auf diesen Begriff konsequent differenziert. Wir haben oben schon erkannt, dass es drei Systeme gibt: Die »Realität vor den Sinnen«, ein spezifisches Modell, das wir einem bestimmten Teilaspekt dieser Realität gegenüberstellen und unsere Sprache sowie die Mathematik, die dieses Modell beschreibt und interpretiert. Welche qualitativen Unterschiede haben die drei Systeme? Auf der Basis des heute üblichen Weltverstehens nehmen wir als erstes über unsere Sinnesrezeptoren aus der »Realität vor den Sinnen« Signale auf und unsere Zustandsmaschine »Gehirn« generiert(!) daraus ein Welterleben, das wir Wirklichkeit nennen. Im Grunde genommen stellt sich hier schon die erste Differenzierbarkeit ein, die diese »Realität vor den Sinnen« einem Modell gegenüberstellt, das unser Gehirn generiert. Auf diese Modellbildung, das die Summe allen Welterlebens darstellt, haben wir keinen rechten Einfluss. Wie in dem oben eingefügten Bild ist das die erste Unterscheidung, die man treffen muss, wenn man die Platonische Frage an das Reale ernst nimmt. Auch wenn wir immer wieder versucht sind diese Unterscheidbarkeit zu ignorieren und beides als ein und dasselbe, Identische hinzunehmen: Es funktioniert nicht und wir haben auf die Platonische Kritik der Realität bis heute keine Antwort, weil wir es kollektiv gesellschaftlich einfach nicht akzeptieren wollen oder können (warum auch immer?)! Es ist der qualitativ selbe Fehler, wie bei der falschen Frage aus Beispiel 1: Wir stellen eine Frage und bemerken nicht, dass eine Antwort auf keinen Fall beide Systeme hinreichend erfüllen kann. Und so wabern wir philosophisch zwischen den beiden Extrema hin und her und stellen fest, das eine Antwort richtig und dann doch wieder nicht ganz zutreffend ist. Der phänomenale Charakter begeistert dann jeden.

Jedes Gehirn generiert seine eigene systeminterne Realität und hier fangen schon die ersten, aber auch die für jeden offenbaren Schwierigkeiten an, wenn sich zwei Bewusstseine versuchen gegenseitig zu beurteilen. Aber machen wir es nicht zu kompliziert und fragen uns: Aus welchem Grunde sollten wir eigentlich annehmen oder besser: unterstellen, dass die generierte Realität (im Sinne von wahrer Wirklichkeit) der »Realität vor den Sinnen« identisch ist, und ich meine »identisch«!? Es gibt keinen!!! Oder möchte jemand leugnen, dass wir nicht Unterscheiden könnten zwischen zumindest objektiver und subjektiver Wirklichkeit auch wenn diese, daraus folgende Konsequenz geflissentlich, aus egozentrischen Verhalten heraus, verdrängt wird? Man kann hier schon ahnen, dass sich in subtiler Weise noch weitere Systeme eigener Realitätsausprägung abgrenzen lassen, die jede für sich nichts mehr mit einer universalen und als »wahr« unterstellten Realität zu tun haben. Eine Wahrheit ist in diesem Umfeld nicht mehr eindeutig definierbar!

Wahrheit und der ihr gegenüberstehende Begriff Falsch(heit) sind, wie viele andere Begriffe auch, Urteilswerte, die unzweifelhaft wichtige Komponenten unserer Existenz sind um überhaupt über etwas urteilen zu können. Sie sind aber prinzipiell solange schwammige und unklarere und jetzt: »In«-begriffe, solange man unabhängige Systeme mit unabhängigen Realitäten zu einer einzigen Universalrealität zusammenzwingen will. Sie werden unter diesen Bedingungen einer liberalen und symmetrischen Sichtweise auf alle Bereiche des Seins und schlussendlich der Menschen nicht gerecht.

Also: Lassen wir auch hier die systemorientierte Differenzierung zu, schmeißen das überkommene Paradigma über Board und belassen die Wahrheit als Teil der systemimmanenten Realität in ihrem(!) System. Jetzt sollte es möglich sein diesen Begriff eindeutig zu definieren: Wahr ist, was im eigenen(!) System dessen Funktionsentitäten erfüllt! Im 5. Beispiel (Sind Gespenster reale Erscheinungen oder nicht?) werde ich daraus eine höchst liberale und gerechte Situation entwickeln!
 
3. Beispiel:
Was ist Philosophie?

Sie mögen überrascht sein, aber auch (und gerade) die Philosophie unterliegt dem Problem falscher, unnötiger Fragen auf der Basis des überkommenen Paradigmas! Auch hier muss eine neue Ausprägung philosophischer Randbedingungen dazu führen, die Philosophie selbst in einen neuen, frischen Wind zu bringen. Die Verkrustung überkommener Fragen müssen über Bord geworfen werden. Das wird auf der Basis des hier geforderten Paradigmawechsels möglich sein, wenn auch nicht sofort und in jedem Falle eindeutig. Aber das macht nichts, ist Erkenntnis ja doch ein Prozess, oder?!

Die Philosophie ist letztlich durch die starke Begeisterungsfähigkeit des neugierigen Menschen an dem phänomenologischen Charakter der erlebbaren Wirklichkeit motiviert. Aber auch hier, was die disziplinäre Philosophie betrifft, macht sich ein Abgrund umfangreicher, vorhandener Abhandlungen und Ausführungen auf, die letztlich nur dadurch auftreten, weil man »auch hier«(!) nicht systemtheoretisch differenziert. Was nutzen den Fragen an Zustände die nach allgemeingültigen Antworten suchen, die es aber von vornherein nicht geben kann. Allgemeingültigkeit bedeutet doch die Übertragbarkeit in beliebige Systeme.

Kein »Philosoph« besitzt und/oder verwendet ein analytisch maßstabgebendes Werkzeug, um zu erkennen, dass er sich genau deshalb mit einer falschen Fragestellung beschäftigt: Es wird kritiklos eine Allgemeingültigkeit unterstellt mit der Folge, dass man davon überzeugt ist, die Antwort im Sinne einer trefflichen, sinn- und hinreichend beurteilenden Formulierung zu entwickeln. Ich weis, dass ich hier an den Grundfesten der Philosophie rüttle, obgleich ich mich selbst mit dem Philosophieren beschäftige. Wie auch immer: Eine neue philosophische Arbeitsbasis muss her!

Philosophie heißt übersetzt: Liebe oder Freund der Weisheit (philos und sophos). Die Liebe zur Weisheit entspringt der menschlich motivierten Neugier; der Gier nach Begeisterung an den phänomenalen Dingen unserer Wirklichkeit. »Begeisterung« ist ein Wort, das eine Empfindung des Geistes, des eigenen Ich’s beschreibt, das besetzt ist mit hoher Glücksempfindung und dem Gefühl einer hohen Erlebnisdichte im Sinne von hochmotivierter Kurzweilempfindung. Ich werde die Vermutung nicht los, dass ein Großteil philosophischer Ergüsse vordergründig nur dazu dienen, diesen Empfindungszustand herbeizuführen. Die Folge davon ist, dass es eigentlich dabei nicht wirklich darum geht analytisch sinnreichende Antworten zu entwickeln. Es ist ein Spagat zwischen der Suche nach Antworten und dem rechten Maß an verbalen Nebelkerzen, die ein Weiterphilosophieren am morgigen Tag ermöglichen. Philosophen haben (ich unterstelle hier!) einen (oft unbewussten) Hang dazu, die Begeisterung am Thema aufrechtzuerhalten. Das ist erst einmal nichts verwerfliches, neigen wir doch alle dazu liebgewonnene Empfindungszustände nicht aufgeben zu wollen. Aber das würde ja gerade eintreten, wenn wir anhand eines analytischen Werkzeugs erkennen würden, das die meisten(?!) philosophischen Fragen und Ausführungen letztlich falsche Fragen sind, auf die es keine Antwort geben kann. Siehe die Frage nach der Wahrheit (2. Beispiel). Solange man nicht systemtheoretisch differenziert, verbleibt ein Antwortensystem im Schwebezustand gigantischer und oft auch unverständlicher Verbalmengen an philosophischen Ergüssen. Die Philosophie heutiger Prägung muss sich selbst die Frage gefallen lassen, um was es eigentlich geht? Wenn man sich die Szene betrachtet, wie sie öffentlich auftritt, dann stellt sich die Frage, was einen Philosophen ausmacht? Ein überwiegender Großteil der Leute, die sich Philosoph nennen oder genannt werden, sind eigentlich keine (bitte: Das soll keine Kritik an den Personen und deren Leistungen sein, sondern eine kritische Auseinandersetzung, was ein Philosoph ist!).

Was also ist ein Philosoph? Es gibt hier eine ganz wichtige Aussage: »Ich beschäftige mich nicht mit Philosophie, sondern ich philosophiere.« Also nicht die interpretierende Beschäftigung mit dem, was philosophierende Leute gesagt und geschrieben haben, sondern das unabhängige Selbstphilosophieren ist philosophische Betätigung und macht einen Philosophen aus! Ergo spreche ich den sog. Philosophen, die Berühmtheit dadurch erlangen, weil sie sich analytisch mit den Thesen anderer, echter Philosophen auseinandergesetzt haben, ab, dass sie Philosophen sind, auch, wenn sich bestimmt der eine oder andere Gedanke echter philosophischer Art dabei herauskommt. Aber wenn dieser Gedanke nicht unabhängig(!) weiterphilosophiert wird, dann ist das keine echte Philosophie im Sinne von »es zu tun«!

Der überwiegende Teil studierter Philosophen sind Leute, die sich anschließend an einer Schule wiederfinden, oder ihr täglich Brot mit der Verbreitung philosophischen Wissens verdienen (noch einmal: das ist keine Kritik am Verhalten und der Leistung dieser Leute, natürlich sind das auch wichtige Betätigungen in unserer Kultur!). Ein weiterer Teil setzt sich analytisch mit den Ergüssen anderer Philosophen auseinander und interpretieren diese Arbeiten. Ganz im Sinne, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, entsteht durch jede Interpretation wiederum eine zusätzliche Thesenmenge, die anschließend auch wieder der interpretativ analytischen Betrachtung unterliegt: was für eine Inflation. Sicherlich sind diese Arbeiten wichtig, aber auch hier werde ich das Gefühl nicht los, dass sich das Ganze langsam zu einem Selbstzweck auswächst. Ich kann mich an den vor ein paar Jahren im Fernsehen ausgestrahlten Versuch erinnern, die Philosophie über dieses Medium an den Otto-Normalmenschen heranzubringen. Entschuldigung: Es mag ja von vornherein schlecht konzipiert worden sein, aber was da ein (Verzeihung) »philosophisches« Dünnbier gelabert wurde, das war schon peinlich. Der Otto-Normalinteressierte war sehr schnell abgestoßen, weil er nichts verstand, und der unabhängige, philosophisch Vorbelastete stellte sich die Frage, was das noch mit einer verwertbaren Philosophie zu tun hat. Wenn es denn wirklich so ist, dass sich die Szene der sogenannten Fachkoryphäen vornehmlich in der Interpretation und dem Schlagabtausch zwischen den einzelnen philosophischen Hauptrichtungen abgibt (z.B: Kantjaner und Hegeljaner), dann muss man sich nicht wundern, wenn die Philosophie ihre Akzeptanzbasis beim Otto-Normalmenschen verliert. Die Szene sitzt völlig isoliert in einem selbstdefinierten Elfenbeinturm und ergibt sich dem verbalphänomenalen Selbstzweck hin. Mal ganz abgesehen davon, dass der damalige Philosoph, wüsste er von den Interpretationen seiner Philosophie, sich im Grabe herumdrehen würde. Hier werden mit Sicherheit Interpretationen über diese Texte geliefert, wo sich der altvordere Urheber sehr wundern würde, weil er das so bestimmt nicht gemeint hat. Sicherlich ist das alles der tiefere Grund, warum heute die Tendenz dazu besteht, die Philosophie als Studienfach zu isolieren und zunehmend die öffentlichen Gelder für die Lehrstühle zusammenzustreichen. Die Geldgeber sehen den gesellschaftlichen Sinn dieses Studiums nicht mehr ein. Der Grund ist die selbstverantwortete Isolation des sehr oft unverstehbaren Denkens und Verbalisierens. Also: Es muss wieder eine frische, dem Otto-Normalmenschen verwertbare und verständliche Philosophie her, wie sie von den philosophischen Praxen im Lande vertreten und umgesetzt werden!

Ich hoffe sehr, dass diese Kritik konstruktiv verstanden wird, auch wenn sich mancher studierter »Philosoph« mit Sicherheit aus legitimen und nachvollziehbaren Befangenheitsgründen daran stören wird.

Jetzt aber zu unserer eigentlichen Frage: Was ist Philosophie? Wo stecken die falschen Fragen? Nun, es ist eigentlich hier nichts Neues mehr. In identischem Tenor der vorstehenden und folgenden Beispiele lässt sich feststellen, dass auch diese Disziplin versucht ist, trotz aller Erkenntnis und Unmenge an Fragen an die längst und vielfach beschriebenen, seltsamen Widersprüchlichkeiten, am Paradigma der Universalrealität festzuhalten. Alle Hinterfragungen suchen in trotzig naiver Haltung den Beweis für die Universalrealität zu finden und zu belegen, dass die Widersprüchlichkeiten nur scheinbar seien. Aber was ist, wenn es diese Universalrealität nicht gibt; wenn sie nicht seiend ist. Logischerweise ergeben sich auf diesem Standpunkt Fragen, die in diesem Sinne rein fiktiv sind, denn mögliche Antworten darauf sind keine Antworten, die das Seiende »wirk«-lich und sinnreichend eindeutig belegen könnten. In diesem Sinne sind es falsche Fragen. Das Problem der Philosophie ist nachgerade, aus dem unüberschaubaren Wust an Fragen die Richtigen oder besser: die Richtigeren zu extrahieren. Einen Maßstab zu haben, um die Fragen an sich in diesem Sinne bewerten zu können!

Immanuel Kant (1724-1804) hatte die andauernde Kontroverse darüber, ob wir die Wirklichkeit der Welt überhaupt erkennen können, als »den Skandal der Philosophie« bezeichnet. Auch er kannte kein andere Sichtweise als die auf das vorherrschende Paradigma der Universalrealität. Insofern hatte er aber dennoch im Umkehrschluss richtig vermutet, dass das aus grundsätzlichen Erwägungen und Erfahrungen so nicht funktionieren kann. Er stellte die Universalrealität somit unter Kritik, ohne eine Lösung für den Diskurs bieten zu können. Auch das keine Kritik an seiner Arbeit, befand er sich ja schon auf dem richtigen Weg. Den Begriff »Skandal« benutzte er als Kritik an der Szene, die einfach seit Platon nicht sinnreichend weitergekommen ist an dieser Stelle der grundlegendsten Frage aller Philosophie: »Was ist Realität?«. Wenn man betrachtet wie lange schon durch so viele Denker mit ihren Arbeiten diese Fragestellung aus allen Regeln der Kunst durchdacht wurde, dann wundert man sich schon, dass man trotz der Unmenge an Arbeiten nicht einen Schritt weitergekommen ist. Alles zusammen durchleuchtet das Sein in infinitesimalen Argumentationseinheiten und letztlich ist nur ein Effekt eingetreten: Eine Inflation an Erkenntnis; und bitte: das ist nur eine Feststellung! Aber die Konsequenz daraus ist, dass jede weitere Arbeit, die zwischen ihren Zeilen von einer Universalrealität ausgeht mit immer höherer Wahrscheinlichkeit Aussagen und Fragen beinhaltet, die so oder so ähnlich schon mal gedacht wurden, weil man sich in immer nur demselben Bereich hin und her diskutiert. Dabei übersieht man, dass man sich zwangsläufig und kritiklos über die Grenzen bzw. systemischen Ränder einzelner echter Systeme hin und her bewegt und feststellt, dass ein eben noch stimmiges Urteil über Realität, Wahrheit, etc. aus seltsamen(?!) Gründen ihre Konsistenz verliert. Die typische Erfahrung, die eigentlich jeder Denker hat seit Platon: Die seltsame, erkenntnistheoretische Differenz zwischen der Welt vor den Augen und der Weltwahrnehmung im Kopf, wenn man beide als ein und dasselbe durch die systemische Logik der Sprache zu erkennen sucht. Wie banal: so offenbar funktioniert das nicht. Diese Tendenz ist grundsätzliches Prinzip dieses Zustandes. Im Grunde genommen ist selbstredend jeder Denker auf der Suche nach der Türe, die die Erkenntnis aus diesem Gefängnis herausführt. Das aber kann nur geschehen, wenn man mit allem Nachdruck das Grundlegendste aller Weltsichten in Frage stellt und ändert: das fußende Paradigma! Das Fundament, auf dem sich alle Erkenntnis aufbaut. Es ist der unterste Halt, an den sich zwar auf der anderen Seite mit Recht niemand so gerne heranwagt, denn wir würden unseren Erkenntnisweg und unseren existenziellen Werdegang destabilisieren. Aber ab und zu sollte es an der Zeit sein, das Fundament in Frage zu stellen. Wenn in der Philosophie und in der, von ihr beobachteten Wissenschaften kein rechtes erkenntnistheoretisches Vorwärtskommen mehr gelingt, dann ist es soweit. Nichts anderes hat Kant gemeint (sorry lieber Kant, ich unterstelle mal, dass du es so gemeint hast).

Also wie könnte die Lösung aussehen? Ganz einfach: Aufgabe der Suche nach einer Universalrealität: es gibt keine! Hin zu systemischen Denken auf der Basis bestehender Wissenschaft und Erkenntnis. Wenn man auf diesem Gedanken die Probleme der aktuellen Physik und gerade der Quantenphysik analysiert, wird man feststellen, das exakt die identischen Zusammenhänge erkennbar sind. Auch hier werden in gleicher Weise und genau aus dem selben Grunde Fragen an die Wirklichkeit gestellt, die auf der Basis des überkommenen Paradigmas definitiv falsche Fragen sind, die unseren Erkenntnisprozess vernebeln. Auch hier ist das Interpretieren der Seltsamkeiten quantenphysikalischer Phänomene längst in die Phase eines infinitesimalen hin- und herphilosophierens eingetreten. Man kommt nicht recht vorwärts. Wenn man den Zustand dieses Phänomenkomplexes und den Zustand der Philosophie, die von speziellen Erscheinungen unabhängig fragt und argumentiert, qualitativ analytisch vergleicht, erkennt man immer wieder dieselben Prinzipien, die uns so nicht weiterbringen. Also auch hier die Forderung: Aufgabe der beweisenden Suche nach einer Universalrealität und hin zu systemtheoretischen Denken!
 
4. Beispiel:
Beeinflusst der Akt des Beobachtens das Ergebnis eines Quantenexperiments?

Das ist die Kardinalfrage der Quantenphysik bei der Durchführung von Experimenten. Auch wenn man sich noch nicht mit der Quantenphysik und deren seltsamen Erscheinungen befasst hat, wird dieses Beispiel wieder den gleichen Zustandscharakter menschlicher Erkenntnis offenbaren, wie oben beschrieben. Zuerst aber eine allgemeinverständliche Beschreibung, wie es zu dieser (falschen) Frage kommt!

Als man die Quantentheorie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts mathematisch entwickelte, erkannte man schon bestimmte seltsame Zusammenhänge zwischen dem Ausgang eines theoretischen Experiments und dem Akt des Beobachtens. Auch wenn es noch viele Jahre dauerte, bis man durch den technologischen Fortschritt in der Lage war diese Experimente auch wirklich durchzuführen, erkannte man diese Seltsamkeiten schon aus der Theorie heraus. Im Prinzip ist es unabhängig des experimentellen Aufbaus immer wieder dasselbe Problem: Wenn ein Beobachter (also der Wissenschaftler, der das Experiment entwickelt, aufbaut, startet, beobachtet und auswertet) ein Experiment durchführt, dann zeigt sich im Ergebnis dieses Experiments, dass es genau so ausgegangen ist, wie es der Beobachter erwartet hat. Wie ist das gemeint? Ohne wirklich verstehen zu müssen, was ein Quantenexperiment ist, hier die Beschreibung:

Ein Quant ist nichts anderes, als ein sehr kleines Atomteilchen, z.B: ein Elektron. Dieses wird mit sehr hoher Geschwindigkeit von einer Ausgangsposition durch den experimentellen Aufbau zum Ziel geschickt. Dort stehen Messgeräte, die die Ankunft des einen Elektrons erkennen und der beobachtende Wissenschaftler kann aus dieser Messung sein Wissen schaffen. Jetzt ist es aber so, dass so ein winziges Teilchen in zwei Zuständen auftreten kann (als Welle oder als Teilchen; was sich dahinter verbirgt ist zum Verständnis hier nicht wichtig!). Der Wissenschaftler stellt jetzt an der Zielposition des Experiments zwei Detektoren auf: einer zum Erkennen, ob das Elektron als Welle und der andere, ob es als Teilchen angekommen ist. Jeder dieser beiden Zustände schließt nämlich den jeweils anderen aus und das ist sehr wichtig: Ein Elektron kann bei jedem Durchlauf nur einen dieser beiden Zustände annehmen! Der Beobachter startet das Experiment durch einen Knopfdruck. Das Elektron wird auf die Reise geschickt und kommt im Bruchteil einer Sekunde an einem der Detektoren an. Dabei ist festzustellen, dass es eben entweder als Welle im Wellendetektor oder als Teilchen im Teilchendetektor registriert wird. Durch geschickten Aufbau wird das Elektron nach(!) dem Verlassen seiner Quelle an eine Stelle kommen, wo es beliebig einen der beiden Zustände annehmen kann. Im statistischen Mittel detektiert man bei vielen Durchläufen zu 50% eine Welle und zu 50% ein Teilchen. Der Wissenschaftler fragt jetzt, wodurch das Elektron motiviert ist eine jeweilige Erscheinung anzunehmen und entwickelt ein neues Experiment. Nachdem das Elektron seine Entscheidung getroffen hat, egal welche, kann es auf dem weiteren Weg bis zu je einem der Detektoren seine Erscheinungsform nicht noch einmal wechseln. Dafür sorgt der experimentelle Aufbau. Aber der weitere Weg zu je einem der Detektoren, kann durch den Beobachter kurz vor diesen Detektoren umgeschaltet werden, so dass das Elektron gezwungen nur bei einem bestimmten Detektor landen kann. Sollte es also als Welle durchlaufen, und der Beobachter stellt nach(!!!) dieser »Entscheidung« auf den weiteren Weg zum Teilchendetektor, dann dürfte er nichts messen. Also: Wie sehen die Ergebnisse aus, wenn man sehr viele Messungen durchführt? Wenn die Erscheinung eine rein statistische wäre, dann müsste das Ergebnis wie folgt aussehen und unser übliches Weltbild wäre in Ordnung:
25% Welle läuft durch und Welle wird detektiert
25% Welle läuft durch und Elektron wird nach dem Umschalten auf Teilchendetektor nicht detektiert
25% Teilchen läuft durch und Teilchen wird detektiert
25% Teichen läuft durch und Elektron wird nach dem Umschalten auf Wellendetektor nicht detektiert
Tja, aber: Irgendwie, und jetzt kommt die zwang(!)släufige Interpretation: scheint das Elektron zeitlich vor(!) seiner Wahl zu »wissen«, wie der Beobachter den weiteren Weg zum jeweiligen Detektor einstellt, denn das ist nicht anders zu interpretieren, wenn man erfährt, dass diese Experimente mit 100%iger Sicherheit zu folgendem Ergebnis kommen:
50% Welle erscheint im Wellendetektor und
50% Teilchen erscheint im Teilchendetektor
Die beiden anderen Möglichkeiten treten niemals(!) auf! Woher »weis« also das Elektron vor(!) seiner, durch den experimentellen Aufbau nicht umkehrbaren Erscheinungsentscheidung, wie der Beobachter zeitlich nach(!) dieser Entscheidung den weiteren Weg einstellt. Das Elektron kann nicht zurück um seine Erscheinung noch einmal umzukehren! Es muss (Achtung:) also vorher »gewusst« haben, was der Beobachter tut?! Das ist zumindest sprachlogisch richtig, aber zeigt ganz deutlich: Die Realität im System der Sprache ist nur und ausschließlich dort zutreffend und das System der »Realität vor den Sinnen« ist ein ganz anderes, nicht identisches. Deutlicher kann man das überkommene Pardigma gar nicht mehr herausstellen.

Es gibt heutzutage ein ganzes Arsenal an Theorien und Experimenten, alle mit dem Ziel, das Quant zu überlisten wann und warum es seine »Entscheidung« fällt. Dabei sind auch schon sehr alte Gedankenexperimente von Albert Einstein (1879-1955), Erwin Schrödinger (1887-1961) uvam. die den vermeintlichen Wahlcharakter des Quantenobjekts alleine schon durch die Tatsache einer Beobachtung hervorheben und belegen.

Problem verstanden? Ich denke doch! Das wäre, um es mit Kant zu sagen: »Der Skandel der Physik«. Interpretationen wie:
Das Elektron »weis« was der Beobachter tut.
Das Elektron beobachtet den Beobachter.
Der Geist im Elektron.
Das Elektron kann in die Zukunft schauen.
Das Elektron hat Bewusstsein. etc.pp.
sind noch die einfacheren Argumente auf der Basis falscher Fragen, die man lesen kann. Diese Aussagen sind eine willkommene Basis zu den schlimmsten esotherischen Auswüchsen unserer Gesellschaft, die nicht hin sondern wegführen von sinnvollem Wissen und Erkenntnis.

Aber schon die Quantenphysiker der alten Göttinger und Kopenhagener Schule wie Max Born (1882-1970) im Kreise von Nils Bohr (1885-1962) und Werner Heisenberg (1901-1976) kamen nicht umhin, ihre damalige (zwangsläufige) Interpretation als sogenannte Kopenhagener Deutung zu formulieren, die bis heute nicht wirklich widerlegt ist. Auch wenn mancher Wissenschaftler neue Interpretationen versucht hat, sie gipfeln alle in der Aussage: Der Akt des Beobachtens beeinflusst den Ausgang des Experiments. Nein: So kommen wir nicht weiter!

Eine tiefere, philosophische Analyse dieser Experimente sieht wie folgt aus: Man (die Wissenschaft) geht kritiklos davon aus, dass man ein Experiment dieser Güte »wiederholen« kann. Eine Wiederholung ist prinzipiell die einzige Möglichkeit, um zuverlässige Tendenzen der Ergebnisse zu erkennen. Nur auf dieser Basis besteht die Chance, das dahinterstehende Gesetz zu erkennen und zu formulieren. Beobachtung, Theorie und Experiment im Sinne exakter Wissenschaft, wie es als erster Isaac Newton (1643-1727) formuliert hat, wird dadurch erfüllt. Was aber ist eine Wiederholung? Eine Frage, die sich kaum jemand stellt und schon gar nicht in bezug auf quantenphysikalische Phänomene! Hier sind wir jetzt erneut am eigentlichen Kern dieser These: dem Offenbaren des überkommenen Paradigmas.

Wenn man ein Experiment oder einen Vorgang »wiederholt«, also ein weiteres Mal durchführt, dann heißt das erst einmal: »wieder holen«. Was »holt« man dabei? Das Ergebnis! Man möchte das Ergebnis ein weiteres Mal beobachten, um festzustellen, ob man alle Einflussgrößen erkannt hat, die die dahinterstehende Gesetzmäßigkeit bestimmen. Wenn ja, dann führt jede Wiederholung zu dem gleichen Ergebnis; das möchte man erreichen. Dabei schirmt man das Experiment von allen Einflussgrößen ab, von denen man ausgeht, dass sie keine relevanten Größen sind und das Erkennen des Gesetzes behindern. Einflussgrößen, wie z.B: elektromagnetische Strahlung von Handys, oder Licht, lassen sich recht einfach durch metallene Wände abschirmen. Die Schwerkraft lässt sich auf der Erde nicht abschirmen. Ist sie als störende Größe erkannt, dann muss man das Experiment mit viel Aufwand in den Weltraum verlagern um es durch Schwerelosigkeit davor abzuschirmen. Bei Experimenten, wo es z.B. darum geht die Laufeigenschaften eines Automotors zu verbessern, ist die Schwerkraft nicht relevant, da sie ja sowieso immer da und vernachlässigbar konstant ist. Diese makroskopischen Experimente sind also sehr unempfindlich gegenüber bestimmten Einflussgrößen und man kann sie ignorieren. Bei Quantenexperimenten, stellt sich das aber ganz anders dar. Hier ergibt sich ob der Kleinheit der Quantenobjekte eine sehr hohe Empfindlichkeit gegenüber sehr vielen Störgrößen, die man mit hohem technologischen Aufwand abschirmen muss. Die Quantenphysiker wiederholen also ihre Experimente viele, viele Male. Sie haben heute eigentlich keinen Ansatz mehr, welche Einflussgröße dazu führt, dass sich das Quantenobjekt nicht statistisch verhält. Ja mehr noch: Das Quantenobjekt verhält sich sogar eindeutig antistatistisch, wie oben beschrieben. Diese Eindeutigkeit führt dazu, dass man davon ausgeht: Alle relevanten Störgrößen sind abgeschirmt. So zumindest die heutige Meinung der Wissenschaftler weltweit.

Um das Weitere zu verstehen, muss ich hier leider etwas ausholen: Die Situation, vor der die Quantenphysik steht, ist ein Widerspruch zu unserer grundlegendsten Welterfahrung. Zum Einen der nicht erklärbare Zustand, warum sich kleine Objekte gegenüber großen Objekten so eindeutig unlogisch und anders verhalten, obwohl der Übergang von Groß zu Klein fast beliebig ist, und zum Anderen dass diese Unlogik eindeutige Auswirkungen hat. Man kann also nicht mit Zufall argumentieren, wobei dieser Begriff in diesem Zusammenhang auch zur Disposition stehen würde! Aber machen wir es nicht zu kompliziert und analysieren zuerst einmal die Situation, vor der ein Quantenphysiker steht. Wenn man das verfügbare Wissen um diese Physik auf der Basis der Systemtheorie analysiert, dann erkennt man sehr schnell, dass die Interpretationen samt und sonders die typische Einstellung menschlicher Realitätsvorstellung widerspiegelt. Der Beobachter urteilt über das/sein Experiment ausschließlich auf der Basis seiner Weltvorstellung: Das Experiment befindet sich zusammen mit dem urteilenden Beobachter, beide bestehend aus Materie und Energie, in dem ganz normalen und kritiklos unterstellten »so-sein« von Raum und Zeit. Und hier tut sich schon der erste Widerspruch auf, der sogar ziemlich einfach zurückzuführen ist auf das auf dem Kopf stehende, physikalische Weltbild, wie es in These 2 beschrieben wurde.

Aber es geht noch einen Schritt tiefer: Erkannte Gesetze werden mathematisch ausgedrückt. Trotz des unlogischen Zustandes der Experimente, bedient man sich einer Mathematik, deren Fundament auf Werner Heisenberg (1901-1976) zurückgeht, die er 1925 entwickelt hatte. Diese Mathematik, und das ist das Verblüffende, sagt sogar die unlogischen Messergebnisse der Quantenexperimente voraus. Aber man übersieht in der kritiklosen Inbrunst der üblichen Weltsicht völlig, dass, und jetzt kommt‘s: die mathematische Beschreibung der experimentellen Zustände keinen Parameter beinhalten, die den Raum und die Zeit ausdrücklich berücksichtigen! Sie sind keine relevanten Parameter. Was aber heißt das? Nun, üblicherweise geht man davon aus, dass ein Parameter, wenn er keine Einflussgröße ist, nur ignoriert zu werden braucht und nicht, wie Störgrößen abgeschirmt werden muss. Da Raum und Zeit sowieso nicht abgeschirmt werden kann, befindet sich ja nun mal alles darin; auch der Beobachter mit seinem Experiment, braucht man das nur zu ignorieren. Genau das zeigt ja auch die Mathematik: Raum und Zeit gehen nicht ein in das Ergebnis. Sie zeigt lediglich sogenannte Quantenzustände auf, die mit den Experimenten sogar noch übereinstimmen. Und so sucht man bis heute nach der Erklärung der unlogischen Ergebnisse.

Was also läuft hier falsch? Es muss ja irgendwas sein, was zu diesen Ergebnissen führt, denn sonst würde man ja nicht Milliardenbeträge ausgeben, um dahinter zu kommen?! Nun, eigentlich liegt der Fehler, und wie könnte es auch anders sein, in der Realitätsauffassung der beobachtenden Physiker (und Menschen) weltweit! Und so schließt sich der Kreis zurück auf den Begriff »Wiederholung«. Also: der Wissenschaftler wiederholt ein Experiment! »Wiederholung« ist ein zeitlicher Begriff. Man wiederholt das Experiment in der Zeit, »nacheinander«! Schon in der These 2 (unser Weltbild steht Kopf) habe ich für jeden nachvollziehbar begründet, dass Raum- und Zeitempfindung nicht unmittelbar, sensorisch aus der vor den Sinnen liegenden Realität aufgenommen werden, sondern sogar die hinterletzte Instanz von Weltwahrnehmung überhaupt ist: Die »Resultativ generierte Wahrnehmung« (Sie erinnern sich?!). Raum und Zeit sind in ihrer, dem wahrnehmenden Bewusstsein zur Verfügung stehenden Ausprägung (Raumhohlheitsempfinden und Zeitverläuflichkeitsempfinden) systemimmanente Eigenheiten der Generatorrealität des Bewusstseins und im evidenten Sinne von Wirklichkeit nur dort(!), in diesem, ihrem System vorhanden real. Das leugnet nicht die Veränderung der Dinge, also auch des Zustandes von Quantenexperimenten in der »Realität vor den Sinnen«! Aber sie sind in ihrer Empfindungsausprägung eine Entität, die der Mensch kritiklos und unbemerkt in ihrem »so-sein« als universale Realitätsausprägung in die Welt vor den Sinnen hineinprojiziert. Dieses zum Einen, und zum Anderen, zeigt sich schon ein grundlegender Widerspruch zum Wissen der Quantenphysik selbst, die an dieser Stelle niemand ernst nimmt; zumindest ist mir keine verfügbare Information bekannt, wo dieser Zusammenhang unter kritische Betrachtung gestellt würde: Immer werden Raum und Zeit für das Quantenexperiment als nicht relevant eingestuft, weil man sie nicht mehr bemerkt, und darin liegt der Fehler!

So, ich hoffe, dass Sie lieber Leser nicht das Handtuch geworfen haben. Leider ist es unumgänglich, diese Tiefe anzusetzen um überhaupt ein Chance zu haben, den weiteren Zusammenhang menschlicher Fehlsicht zu verstehen. Jetzt zur Erklärung:

Raum und Zeit als universalreal unterstellte Erscheinung unseres Seins sind nicht abschirmbar. Bezogen auf den Begriff »Wiederholung des Quantenexperiments« bedeutet das, dass, und jetzt Achtung: wir definitiv keine Chance haben, ein Quantenexperiment zu »wiederholen«!!! Wir wissen (auch die Quantenphysiker), dass die Mathematik, die unzweifelhaft stimmt, wenn sie vielleicht auch noch nicht bis zum Letzten fortentwickelt ist, ein Quantenexperiment lediglich in Form von Zuständen beschreibt. Raum und Zeit als Entitäten kommen darin nicht vor. Aber heißt das, dass man das ignorieren darf? Das »nicht vorkommen« bedeutet nicht, dass es nicht relevant ist aus grundsätzlichen Erwägungen. Sie haben zwar nicht unmittelbar Beeinflussend mit dem Experiment zu tun, zeigen aber eine Relevanz auf das Prinzip der, für die Modelle der Menschen ausgerichteten Erkennbarkeit physikalischer Zusammenhänge: das Wiederholen des Experiments! Und dieser Gedanke ist neu!

Wie erklären sich auf dieser Basis die unlogischen Ergebnisse? Fragen wir uns dazu erneut: Was ist(!) eine Wiederholung, was passiert dabei in tiefster Konsequenz auf unsere Erkenntnis? Ganz im Einklang mit der Quantenmechanik bedeutet eine Wiederholung nur dann eine echte(!) Wiederholung, wenn man das Experiment an seinen ursprünglichen Anfangszustand zurücksetzt um es dann erneut durchzuführen. Das schafft man mit den relevanten physikalischen Parametern durch die heute verfügbare Technologie problemlos. Aber: Da sich (und auch das wieder ganz im Sinne der Quantenphysik!) alles ausnahmslos als Quantenzustände beschreiben lässt, sind Raum und Zeit, wie alle anderen Dinge des Seins, ebengleiche(!) Quantenzustände. Auch wenn Raum und Zeit als Quantenzustand nicht in den Formeln der Wissenschaftler vorkommen, so ist der Beobachter mit seiner (universalrealen) Weltsicht zusammen mit dem Experiment auch »nur« ein(!) Quantenzustand (wieder: ganz im Einklang mit der Qauntenphysik!). Also gehen Raum und Zeit zumindest mittelbar in das Experiment ein. Aber nicht im Sinne eines beeinflussenden Parameters, sondern als zuständliche Bedingung dazu. Bezogen auf den Begriff »Wiederholung« bedeutet das, dass man in grundlegendem Sinne kein Experiment wirklich wiederholen kann. Die Leute, die sich mit der Quantenphysik beschäftigen, haben das noch nicht realisiert, obwohl es jedem Quantenphysiker eigentlich vor der Nase liegt. Hier besteht ein völlig verknoteter Zusammenhang zwischen dem kritiklos hingenommenen Paradigma einer subjektiven oder »der objektiven« Universalrealität in ihrem »so-sein« und jetzt Achtung: aus der beurteilenden Sicht des psychologisch »normal« verhaltenden und beurteilenden Beobachters, zusammen mit der nicht im Letzten ausinterpretierten Konsequenz quantenphysikalischer Erkenntnis, die »man« eigentlich längst hat! Man könnte sagen: »Man« sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht! Das ist der übertragene Kant‘sche »Skandal in der Physik«!

Entwirren wir als Letztes diesen Zustand menschlicher Erkenntnistheorie auf der Basis der systemtheoretischen Differenzierung von Realität und der Forderung gegen das überkommene Paradigma der daraus bestehenden Sicht einer Universalrealität, die zudem noch individuell ausgeprägt ist. Wenn auf dieser Erkenntnisbasis Raum und Zeit eine voraussetzende Zustandsbedingung ist, die dadurch mittelbar den Gesamtzustand beeinflusst, dann heißt das: Kein Experiment ist aus Prinzip »wiederholbar«! Eine schier erschlagende Erkenntnis, wenn man realisiert, wie lange man schon auf der falschen Basis denkt.

Auch wenn das im Alltag kein relevanter Fakt ist, wenn man z.B: Autocrashtests macht und mehrfach wiederholt um die Knautschzonen richtig auszulegen, so ist es das aber in bezug auf die Quantenexperimente. Hier ist dieses Denken sehr wohl relevant. Ich denke, wir sind jetzt soweit um das im Klartext zu verstehen: Wenn ich ein Quantenexperiment aus Prinzip nicht wiederholen kann, dann kann ich nur interpretieren: Das (jedes einzelne!) Experiment so ausgegangen ist in seinem Ergebnis, wie es eben ausgegangen ist. Jeder Versuch einer Wiederholung ist keiner in dem Sinne, dass es völlig daneben ist die Ergebnisse miteinander in erkenntnistheoretischen Bezug zu setzen! Wir können davon nichts ableiten, was zu unserer Generatorrealität passt, sondern nur die Unlogik feststellen. Genau hier entlarvt sich die »falsche Frage«: Die Frage, die die Suche nach einer allgemeingültigen Realität beschreibt, die so ausgestaltet ist, dass die Unlogik sozusagen in den Formeln verschwindet, wie es der berühmte Physiker Heisenberg einmal an anderer Stelle gesagt hat (in »Physik und Philosophie«):
»Die Paradoxa des Dualismus zwischen Welle und Partikelbild waren ja nicht gelöst; sie waren nur irgendwie in dem mathematischen Schema verschwunden.«
Es ist die Suche nach der Erklärung von Realität, wobei krampfhaft versucht wird, diese zur eigenen, als universal unterstellten Realität einzugliedern. Der asymmetrische Charakter dieser Denkart ist offenbar.

Eine Wiederholung könnte nur dann identisch sein, wenn man in Zeit und Raum zurückkehren könnte an die ursprüngliche Position, um das Experiment auch unter letztendlich diesen, identischen Zustandsbedingungen durchzuführen. Die Zeit lässt sich aber nicht zurückstellen, und der Raum ist auch nicht mehr derselbe: Die Erde bewegt sich in der Überlagerung aller Relativbewegungen im Weltall mit mehr als 600km/sec fort! Aber selbst wenn, der Beobachter wäre dann ja quantenzuständlich auch(!) zurückgeführt mit all seiner Wahrnehmung und wüsste gar nichts von der Wiederholung. Im Letzten wäre jetzt der gesamte Quantenzustand von Experiment und(!) Beobachter »identisch(!)«, aber keiner wüsste davon!

Was ist die Konsequenz daraus? Nun, wenn man aus den genannten Gründen aus Prinzip kein Experiment wiederholen kann, hat man erst(!) einmal keine Chance die unlogischen Ergebnisse überhaupt zu verstehen; sie sind einfach so! Aber wir wären ja keine Forscher, wenn wir nicht weitermachen im Sinne des Prozesses von Erkenntnis über das Wesen der Dinge! Man kann schon(!) auf dieser Basis eine Aussage treffen: Das Elektron hat sich definitiv nicht(!) im Sinne von Beobachtung entschieden, den Beobachter zu (Verzeihung) »verarschen« indem es in die Zukunft blickt, wie er sich entscheidet den weiteren Weg zum entsprechenden Detektor einzustellen. Das Elektron hat nicht(!) die Möglichkeit und braucht es auch nicht, um sich vor der nicht umkehrbaren »Entscheidung«, ob es Teilchen oder Welle sein »will«, so zu Entscheiden, dass es unabhängig vom Beobachter immer und ausschließlich den Zustand annimmt, um den »richtigen« Detektor zu treffen. Die Erklärung ist im Prinzip ganz einfach: Wenn Zeit unter quantenrealer Betrachtung keine Verläuflichkeit mehr ist, sondern ein Zustand, der das Experiment komplett einbettet, von Beginn bis zum Ende (aus der generatorrealen Sicht des Beobachters und uns Lesern hier), dann hat das nichts mehr mit einem »Wissen des Elektrons« zu tun, was zeitlich später durch den Beobachter passiert, sondern es ist auch zu jedem Zeitzustand des gesamten Experiments in genau dem(!) Zustand, wie zum späteren Ausgang des Experiments der Weg zum Detektor letztlich steht. Angekommen?

Also: Das ganze Experiment ist einschließlich dem Beobachter, dem Raum und die Zeit ein einziger(!) Quantenzustand. Das ist verblüffender Weise völlig konform mit der Quantenphysik! So gesehen ist jeder Teilzustand aus der zeitlich unterlegten, generatorrealen Wahrnehmungssicht des Beobachters ein Zustand, der, und jetzt Achtung: den Gesamtzustand erfüllt. Das lässt nur die eine Interpretation zu, dass generell nur ganz bestimmte Zustände auftreten (können) und die Anderen, aus der üblichen, logisch motivierten Welterfahrung von uns Menschen eben nicht. Die Quantenwelt ist eben so, dass nur Zustände auftreten, die diese Welt eben ermöglichen! Warum das im Speziellen zu genau diesen Zuständen führt, weis bis heute noch niemand, aber offenbar müssen es genau die(!) Zustände sein, die nicht im Widerspruch zu einer evidenten Welt stehen, wie diese funktioniert und wie wir sie erleben.

Das Resümee dieses Beispiels ist im Sinne dieser These: Die falschen Fragen und Interpretationen an die Quantenrealität entstehen aus der üblichen, universalrealen Sicht des Beurteilenden. Begonnen mit der Kopenhagener Deutung (siehe oben) bis zu »modernen« Interpretationen lässt sich die Hilflosigkeit des Beurteilenden erkennen. Auch hier wieder: Lassen wir die Realität in differenzierender Weise in ihrem System bestehen. Urteilen wir nicht aus der eigenen Realität über eine andere, hier die Quantenrealität. Wenn diese These verstanden ist, dann eröffnet sich eine riesige Menge an Erkenntnis zu ungeklärten Fragen und seltsamen Interpretationen von Anbeginn der Quantenphysik an. Wen das tiefer interessiert: Es ist eine Menge an allgemeinverständlicher Literatur über diese Dinge verfügbar: Interpretationen zu »Schrödinges Katze«, »EPR-Experimente mit verschränkten Quanten«, usw..

Und?: Beeinflusst nun der Akt des Beobachtens das Ergebnis eines Quantenexperiments? Natürlich nicht!!! Nur wieder mal eine typisch falsche Frage an zwei Realitäten auf der Sichtweise einer Universalrealität!
 
5. Beispiel:
Sind Gespenster real oder nicht?

In der Realität vor unseren Sinnen scheint es Dinge zu geben, die nicht alle Menschen in gleicher Weise wahrnehmen oder besser: in identischer Weise empfinden, geschweige denn nachvollziehen können: Gespenster, Geister und deren Erscheinungen. Betrachten wir als Erstes die sprachkritische Bedeutung dieser Worte. Was bedeutet das Wort »Gespenst«? Offenbar kommt dieses Wort von »Gespinst« und »spinnen«. Der Begriff »Geist« ist dabei die Unterstellung, dass dieses Gespinst einen Geist, also einen Willen oder Bewusstsein haben soll. Und dieser Wille scheint das Ziel zu haben uns Menschen erschrecken zu wollen (Was immer er damit bezwecken will? und: Gute Geister sind recht selten!). Etwas »spinnen« heißt etwas leichtes, lockeres zusammenzuweben. Ein »Spinner« ersinnt (sich) etwas für Andere nicht recht Fassbares, Immaterielles. »ersinnen« und »spinnen« gehen auf den gleichen Ursprung »Sinn« und »innen« zurück mit der Bedeutung von »innerer Wahrnehmung«, ohne allerdings die fünf Sinne zur »Realität vor den Sinnen« einzubeziehen; also eine rein geistige, im bewusstseininneren stattfindende Realität voraussetzen. Ein Spinner ersinnt sich also ein lockeres Gespinst, das für die Sinne Anderer ob seiner zusammengewobenen Immaterialität nicht recht fassbar ist. Dabei bedingt das Ersinnen keinen bewusst ausgeführten Willensakt, sondern kann sehr wohl aus der Tiefe des Unterbewusstseins heraus stattfinden. Die daraus folgende Wahrnehmung, wenn diese Dinge an die Oberfläche des Bewusstseins kommen, ist für den Träger oft nicht unterscheidbar zur »Realität vor den Sinnen«. In der Psychologie belegt man diesen Zustand mit dem Wort »Halluzination« und ist nicht nur auf den Sehsinn beschränkt. Wie man erkennen kann, hat unsere Sprache eine ursprüngliche Tiefe, die heutzutage kaum einer mehr kennt. Nicht »das Wort ist das Ding« sondern: »das Wort ist modellierter Begriff für die inbegriffliche Bedeutung der Erscheinung des Dinges«! Das ist ein ganz wichtiger und in bezug auf die gesellschaftlichen Konsequenzen völlig unterschätzter Zusammenhang! Soviel zur sprachkritischen Betrachtung. (Weiteres über die Linkliste des Forums: Mauthner-Gesellschaft www.sprachkritik.de) Als sich die Sprache bei unseren Altvordern entwickelte, hatten die Worte eine viel bedeutungsvollere Nähe zur eigentlichen Inbegrifflichkeit der Dinge. Die Worte waren realitätsnäher und damit ehrlicher. Ein gutes Beispiel ist das Wort »merkwürdig«, das in unreflektierter Art heute meistens im Sinne von »seltsam« verwendet wird, eigentlich aber (noch zu Goethes Zeiten) die Bedeutung von »das ist würdig es sich zu merken« hat(te).

Betrachten wir die Frage dieses Beispiels jetzt unter systemkritischer Differenzierung. Die Frage nach der Realität von Geisterscheinungen betrifft erst einmal den systemischen Bewusstseinszustand von dem, der das Gespenst »wahr«-nimmt und einem, der von dieser Wahrnehmung erfährt. Betrachten wir zuerst den Betroffenen. Aus den Berichten (wir unterstellen jetzt mal, dass alle Berichte ehrlich sind!) erfährt man von Geistersichtungen in jeder Ausprägungstiefe: von extrem kurzen Schreckmomenten ohne explizite Sichtwahrnehmung, über ausgeprägte »echte« Sichtungen auch (angeblich) mehrerer Menschen gleichzeitig, bis hin zu Trägermedien wie Film und Ton (zu diesen sogenannten »Beweisen auf Bildern« komme ich unten zurück). Für den Erlebenden ist seine Wahrnehmung zweifelsohne erschreckend real. Die Probleme, welche die anderen, kritisch und skeptisch denkenden Menschen damit haben, wenn sie davon hören, sind keine Beweise gegen diese Erscheinungen. Aber eine Sichtung ist auch kein Beweis dafür! Eine völlige Pattsituation, aus der heraus für niemanden eine gemeinsame(!), universale oder finale Wahrheit abgeleitet werden kann. Nicht umsonst konnten diese Dinge noch nie einwandfrei beurteilt werden. Eine beurteilende Wertung kann nur aus jedem für sich erwachsen und unterliegt somit, wie alles andere Seiende auch, dem systemtheoretischen Prinzip: Ein System hat einen Rand eingrenzender Gültigkeit seiner funktionalen Entitäten wie u.a. die Realität. Das (jetzt schon bekannte) Problem tut sich auf: Jede Beurteilung ist ein Zustand, der aus einem(!) System heraus (hier dem Bewusstsein des Beurteilenden) die Realität eines anderen Systems wertet. Diese Wertung ist aber wieder »die Rechnung ohne den Wirt gemacht«. Wer bis hier aufmerksam mitgedacht hat, der bemerkt die immer wieder identische Problematik, die so aus Prinzip unlösbar ist und zu den sogenannten falschen Fragen führt.

Die Frage, ob es Gespenster gibt, muss im Vorfeld zur Erklärung unterschieden werden in: »Gibt es Gespenster?« und »Gibt es Gespenstererscheinungen?« Denn auch hier wird in unzulässiger Weise, will man eine Lösung haben, zwei Dinge durcheinandergeworfen: Das Ding »Gespenst« und die »Erscheinung dessen«. Die Frage »Gibt es Gespenster« kann nicht allgemeingültig beantwortet werden, da die Erscheinung offenbar(!) nur für die Sichtenden »vorhanden« ist. Auch die Berichte, dass mehrere Menschen gleichzeitig ein Gespenst sichteten, belegt keine universale Realität der Erscheinung, auch wenn diese Aussage im ersten Moment sehr gewagt erscheint. Wenn man das, was man Wahrnehmung nennt, im Sinne von spezifischer Empfindung und in bezug auf mehrere Menschen untersucht, dann stellt man fest, dass es aus Prinzip keinen Beweis gibt, dass diese Empfindungen identische Ausprägung im Sinne einer universalen Realitätsgültigkeit haben (Farbe, Helligkeit, Sinfonie, Geschmack, Geruch, Gefühle, Formen, Zeitverlauf, etc., kurz: alles(!), was man wahrzunehmen in der Lage ist. Das basiert auf sehr vielen Indizien wie u.a. die Synästhesie und sogar die Physik selbst, deren Interpretationssystem an diesem Punkt in einem Widerspruch zu sich selbst steht: siehe These 2, »unser physikalisches Weltbild steht Kopf«!). Diese Zusammenhänge sind in den vorstehenden Thesen immer wieder herausgearbeitet. Warum also hält man krampfhaft am Gedanken der Universalrealität fest, wenn es keinen Beweis dafür, aber erdrückende Indizien dagegen gibt? Daraus folgt: Viel wichtiger, als die Frage nach der Realität von Gespenstern und anderem zu stellen ist es doch die Frage zu stellen, ob die Realität einen universalen Charakter hat oder nicht. Erst wenn das geklärt ist kann man weiterfragen und dann klären sich viele Dinge von alleine.

Doch zurück zum Gespenst: Die spezifische Empfindung dessen, der die Sichtung hat, ist extrem nebulös und immateriell. Wie kann es daher sein, dass zwei Menschen, wenn sie die gleiche Sichtung haben, diese in identischer(?!) Erscheinungsausprägung haben? Mal ganz abgesehen von dem sehr wohl bekannt Mechanismus, wie die Betroffenen dabei unbemerkt einen Abgleich ihrer Erinnerung durchführen. Hinterher ist jeder davon überzeugt, dass das Identische wahrgenommen wurde. Man kennt das aus beliebig vielen Gerichtsverfahren, wo die Anwälte und Geschworenen genau das herausarbeiten, um die Wahrheit herauszufinden für ein gerechtes(?) Urteil. Hierbei ist das ein akzeptiertes Verfahren; man weis davon, dass unser Bewusstsein so reagiert! Warum also wird dieser Umstand von den Geistergläubigen ausgegrenzt, die sich selbst durch die Behauptung beweihräuchern, dass sie »wissenschaftlich« arbeiten? Der oft in unserer Wissenschaft, in alle Richtungen feststellbare Umstand, dass der Mensch mit seiner Wahrnehmungsleistung ausgegrenzt wird, ist eindeutig auf den immer wieder gleichen Umstand zurückzuführen: Man geht davon aus, dass die Realität eine Universaleigenschaft des Universums ist, in dem wir leben. Warum also, wenn man diese Meinung hat (und die ist nicht in jeder Konsequenz kritisch reflektiert und bewusst), sollte man die Wahrnehmungsqualität(en) der Menschen mit einbeziehen, stellt sie sich doch eher als Störfaktor dar. Als wenn man eine Schatzkiste findet und den Inhalt auslehrt, weil die Kiste ja so schön ist.

Bleibt der Umstand zu erklären, warum zwei Menschen »gleichzeitig« eine Erscheinung sichten. Auch hier wird in unzulässiger und somit unwissenschaftlicher Weise die psychische Situation der Beteiligten ausgegrenzt. In allen Fällen, wo es zu Sichtungen kam, wenn man den Berichten folgen will, ist eine spezifische Stimmungslage der Betroffenen gegeben: schummrige Atmosphäre, tiefe unbewusste Ängste, zum Teil Panikverhalten, dass sich nicht unbedingt durch unkontrolliertes Verhalten äußert, sondern von unsicheren Bewegungen, körpersprachlichen Verhaltensmustern, Blickverhalten der Augen, Bewegungen der Hände, die so im kontrollierten Alltag nicht auftreten usw. usw.. Es gibt ein ganzes Sammelsurium an diesen Verhaltensmustern, die hinlänglich bekannt sind. Nicht umsonst ist das Ambiente in fast allen Fällen dieser Berichte dunkel, unheimlich, gewittrig usw.. Am helllichten Tage, wenn die Sonne scheint und das innere Gefühl durch die Hormone auf Glücksempfindung gestellt ist, dann erscheinen keine Geister (warum wohl?!)! Diese Tendenz ist eindeutig! Der Grund, warum Filme darüber immer wieder im Klischee landen: die Hintergrundmusik nimmt einen bestimmten Tonfall an, es regnet und gewittert (Auge, Ohr und Gehirn müssen durch Blitz und Donner in einem dynamischen Überlastungszustand sein) und das Ambiente ist entsprechend. Ängste sollen ganz gezielt aus dem Unterbewusstsein hochgekehrt werden, die so bei uns Menschen nur in dieser Atmosphäre auftreten, weil die Glückshormone stark reduziert sind und das ist exakt der Grund, warum das nur »dann« und »so« eintritt: ob Film oder Wirklichkeit ist dabei gleich. Wenn eine zweite Person mit diesem Verhaltensmustern konfrontiert ist, dann überträgt sich das. Auch die zweite Person wird von der Stimmungslage erfasst, was sich dem Bewusstsein nicht unbedingt erschließt im Sinne einer expliziten Wahrnehmung. Eine gegenseitige Potenzierung tritt ein. Wie schon in den vorstehenden Thesen belegt, ist das eine der vier fundamentalen Wahrnehmungsschranken unserer bewussten Existenz: »Wir können nicht bemerken; wahrnehmen; empfinden, dass wir etwas nicht - und »was« wir nicht wahrnehmen!« Wir alle kennen die tiefen, nachklingenden Empfindungen, wenn wir solch eine Schrecksituationen hinter uns haben. Im Augenblick der schreckmotivierten Stimmungslage erschließt sich das unserer Wahrnehmung nicht, denn zwei weitere und in der Neurophysiologie sehr wohl bekannte Prozesse bestimmen unser aller Verhalten: In der ersten Stufe, muss ein bestimmter Erregungsmindestwert der neuronalen Prozesse im Gehirn angelaufen sein, damit es überhaupt zu einer oberbewussten Wahrnehmung kommt, wobei das Unterbewusstein aber längst mit der Verarbeitung dieser Prozesse beschäftigt ist (das weis man aus sehr intensiven Studien und Messungen u.a. von Benjamin Libet et. al., informieren Sie sich bitte über das Internet über diesen Namen, es gibt einiges Verblüffendes dazu; hier würde das zu weit führen!) und in der zweiten Stufe, wenn die Voraussetzung von noch unterbewusster(!) Panik hinzukommt, dann erfolgt der Prozess des Verdrängens, dass die oberbewusste Wahrnehmung weiter verhindert. Aber das ist wie ein übervoller Staudamm. Im Prinzip kennen wir alle das Gefühl von unerklärlichem Unwohlsein an der Grenze zu bewusster Wahrnehmung, die sich auf diesen Zustand bezieht. Wir empfinden etwas ohne dass es uns bewusst wird. In dieser Situation sind jetzt alle Karten gelegt: Wenn das Bewusstsein die Verarbeitung dieser Gefühle aus dem Unterbewusstsein nicht zulässt, dann wird der Staudamm in bestimmten Situationen so voll, dass er sich in einem neuronalen Feuerwerk in das Bewusstsein entlädt. Die Großhirnrinde (Kortex) wird dynamisch überlastet und bis das Gehirn diese Informationsflut wieder sortiert und unter Kontrolle hat, macht jeder Bereich mit unserer Wahrnehmung, was er will: die Halluzinationen treten auf. Jetzt tritt der dritte Mechanismus in Gang, der schon oben bei den Gerichtsverfahren beschrieben ist: Das menschliche Gehirn (des Betroffenen) lässt keine Situation zu, die für die eigene Logik und aufgrund der Welterfahrung unzulässig ist; alles muss logisch sein, so auch die Wahrnehmung. Wenn das Feuerwerk das Sehzentrum im Gehirn erreicht, dann werden Sichtungen ausgelöst, die genau zu diesen nebulösen Dingen führen: Das Gespenst erscheint in der Wahrnehmung. Und nicht nur das: auch das Hörzentrum, die Haut, Geruch und Geschmack ist davon betroffen; der Grund für das Poltern, von dem berichtet wird: der Poltergeist. Der Betroffene reagiert jetzt mit ausgesprochenem Panikverhalten: Gänsehaut und Bewegungsblockade oder Fluchtverhalten ohne bewusste Kontrolle, was bei der zweiten Person den Staudamm brechen lässt: Die gemeinsame Sichtung tritt ein. Der weitere, unbewusste Prozess, des Abgleichs übereinstimmender Berichte der Beteiligten ist oben schon erklärt. Wie man sieht, ist damit sehr wohl eine Auflösung möglich und somit erbracht, warum es zu (scheinbar) identischen Sichtungen kommt. Warum also sollte man an einer Universalrealität im Sinne von »Es gibt Geister und Gespenster in der Realität vor den Sinnen!« kritiklos(!?) festhalten. Weiterhin sind sehr wohl Berichte vorhanden, wo eine Person die Sichtung hat und eine Zweite nicht. Die Frage, ob es und jetzt nicht »Gespenster« sondern »Sichtungen« gibt ist somit eindeutig: ja(!), wenn man darunter die Berichte über die vergangene(!) Wahrnehmungserfahrung der Betroffenen versteht. Sie sind Realität und wieder Achtung: im System der generierten Wahrnehmung des Bewusstseins seines Trägers!

Bleibt die Frage nach Bild und Ton. Es gibt eine Fülle von Dokumenten, die die Erscheinungen (für viele, die ein Interesse daran haben!) offenbar belegen: Fotos und Tonbandaufnahmen der Poltergeister. Wenn man von sehr alten Fotos ausgeht, neuere Fotos sind gewiss sehr zweifelhaft, dann zeigen sich schemenhafte, weißliche Gestalten in scheinbar ganz normalem Ambiente. Sinnigerweise sind die Aufnahmen erst nach dem Entwickeln erkannt worden. Berichte, wo eine Person während(!) der Aufnahme angeblich das Gleiche »sah«, sind alle durch diese Person im Nachhinein als Konsequenz der unterbewussten Forderung nach Logischkeit zwischen Wahrnehmung und Erfahrungsstand »geglaubt« worden. Weiterhin kenne ich keine zwei oder mehr Aufnahmen, die die gleiche Situation zu einem späteren Zeitpunkt erneut fotografiert hätten, obwohl doch die Berichte immer wieder mal davon »sprechen«, dass diese Erscheinungen (wohl bedingt durch den geschichtlichen Hintergrund) immer wieder den gleichen Weg durch das schummrige Ambiente nehmen!?
 
Gespenst
Ein sehr berühmtes Foto ist dieses: Die »Frau in Braun«

Seit dem 17. Jahrhundert wird (angeblich!) immer wieder einmal von Sichtungen (und jetzt Achtung:) »berichtet« (und nicht: ... wurde das »gesehen« ...!), wo eine schemenhafte Gestalt das Herrenhaus von Raynham Hall in England durchwandert. Das Foto wurde vom »British magazine Country Life« am 26.12.1936 das erste Mal veröffentlicht.

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Diese Er-»schein«-ung auf dem Bild ist somit nicht beweisbar »real« (im Sinne einer Universalrealität und »vor den Sinnen«) vorhanden gewesen, das wird aus emotionellen Gründen meistens übersehen oder verdrängt. Gerade in der damaligen Zeit waren die Fotoplatten und die Technologie noch sehr unsicher und es kam oft zu Lichteinfällen vor und nach der Aufnahme durch die Handhabung oder die fotoempfindliche Schicht war unsauber oder inhomogen. Schemenhafte Wolken und Gestalten konnten dabei erkennbar sein. War die Fantasie aber nicht angesprochen, und solche Aufnahmen gab es mit Sicherheit sehr viele, dann war die Aufnahme schlichtweg Misslungen und man warf das Foto weg. Deshalb keine Zahlen, wie die angeblichen (aufgehobenen) Geisterfotos im Verhältnis stehen zu den sonstigen, entsorgten Wolkenfotos. Bei der Vielzahl der Aufnahmen war aus rein statistischen Gründen eben manchmal (und das wirklich ziemlich selten) schon mal eine dabei, die der Fantasie mehr oder weniger, selten ganz extrem wie oben gezeigt, eine humanoide Form zusprach. Das waren dann die Geister. Auch die Argumentation, dass diese Erscheinungen alle weißlich und nebelhaft waren, ist lediglich der Grund, da es noch keine Farbaufnahmen gab. Eine Belichtung, woher auch immer, war eben weis auf schwarzem Grund. Bei Farbaufnahmen sind diese wolkigen Störungen meistens weißlich oder einfarbig im roten bis rot-orangenen Bereich.

Es ist in der Psychologie eine sehr bekannte Tatsache, dass unser Unterbewusstsein aus beliebigen Formen immer wieder versucht einen Gestalteindruck zu generieren, der in unserer Wahrnehmung eine Form von Lebewesen annimmt. Wir Menschen haben aus Urzeiten eine Prägung bestimmte Dinge die wir sehen zu bevorzugen: Augen, Gesichter, Körperformen. Wie oft haben wir genau diese Erfahrung gemacht: Bevor man sich mit seinen Sinnen auf den Schreckmoment konzentriert, wenn aus beliebigem Grunde ein solcher eintritt, vermeinen wir (im dunklen Wald) ein Gesicht mit glühenden Augen zu »sehen«. Hinterher, wenn wir dann unsere Sinne darauf konzentrieren, stellen wir fest, dass es was anderes war und dass unser vermeintliches Sehen »nur« ein Empfinden aus dem Unterbewusstsein war, dass unsere Gänsehaut erzeugte. Die typische Situation, die vermehrt genau dann auftreten kann, wenn wir in schummriger Gewitteratmosphäre sind oder (wir kennen das bestimmt alle) als Kind mit unseren Eltern einen Nachtspaziergang durch den dunklen Wald machten. Im Alltag lachen wir darüber, aber wie oft kommen zwei Flecken in einem Kreis mit weiteren Linien schnell wie ein Gesicht vor. Kinder spielen sogar damit und belustigen sich beim »Wolkeninterpretieren«. Der Mechanismus ist bekannt: Wir, oder besser: unser Unterbewusstsein, reagieren bevorzugt so. Das ist eine grundsätzliche Verhaltensprägung und aus der überlebensstrategischen Situation unserer Evolution heraus auch sinnvoll: Ein Gesichtseindruck, egal ob Mensch oder Tier, ist wichtiges Indiz für eine mögliche Gefahr; sind doch Gesichtsträger potentielle Räuber. Also schnelle und deshalb(!) unterbewusste Reaktion zur Flucht oder Abwehr. Das Oberbewusstsein muss dabei ausgeschaltet sein, denn sonst hätten wir eine schlechtere Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn wir noch lange nachdenken würden. Flucht, Panik und Angst sind extrem wichtige und nicht oberbewusste Verhaltensmuster; und hier schließt sich der Kreis!

Aus vielen gemachten Fotos besteht eine bestimmte Wahrscheinlichkeit durch Bildwolken eine Gestalt oder Gesicht zu erkennen. Die, die auf diese Fotos warten, jubeln und sagen: »Juchhu, wieder ein Beweis«, aber ist es das wirklich? »Wirklich« im Sinne einer »universalrealen« Erscheinung? Bestimmt nicht! Also noch Mal: Sich mit Geisterphänomenologie zu beschäftigen ist legitim, aber bitte alles(!), was man über uns Menschen weis, mit einbeziehen, auch wenn man gerne der Lust am Phänomenalen erliegt (auch ein Grund menschlichen Verhaltens)! Es gibt Geister!; aber nur im Bewusstsein des Trägers aus systemtheoretischen Gründen, die Gespenster auf Bildern haben andere Ursachen.

Jetzt noch zu den Tonbandaufnahmen: Wenn man sehr viele Tonbandaufnahmen macht, wobei in einem stillen Raum ein Tonbandgerät mit Mikrofon bei der Aufnahme auf höchste Empfindlichkeit gestellt wird, dann wird sich in dem Rauschen, das dabei aufgenommen, wird immer mal wieder ein Wellenzug auftreten, der nach einer recht geringen Wahrscheinlichkeit, in gleicher Weise wie das Wolkenraten, als menschliche Stimme zu vermeinen ist. Dabei ist nicht auszuschließen, dass gerade in der heutigen Zeit, wo sehr viele Radio- und Handywellen durch den Äther »spuken«, immer mal wieder etwas aufgefangen wird durch die im Zimmer verlegten Drahte zwischen Steckdose, Tonbandgerät und Mikrofon. Wir kenne alle das dü-düdellitt, dü-düdellitt aus anderen Geräten, wenn ein Anruf auf das Handy erfolgt. Im Grunde ist es das gleiche Phänomen wie bei den Bildern und deshalb fasse ich mich hier jetzt kürzer. Von den verfügbaren Aufnahmen (es sind deutlich weniger als bei den Fotos), ist noch ein Großteil verdächtig, dass dabei manipuliert wurde. Dazu gibt es, so wie bei den Fotos, sehr deutliche Indizien bei Mensch und Technik. Verbleiben sehr(!) wenige Aufnahmen wo diese Indizien offenbar fehlen oder zumindest schwer erkennbar sind. Trotzdem ein Kreis immer gleicher Verhaltensmuster der Beteiligten. Das ist aber kein Beweis dagegen. Wir Menschen neigen alle dazu etwas glauben zu wollen, wenn nur endlich ein, für unsere Logik verwertbares Indiz auftritt. Dabei nehmen wir prinzipiell nicht bewusst wahr, dass wir nicht fähig sind, eine unlogische Situation zulassen zu können. Ein großer Tummelplatz für die Lust am Phänomenalen.

Bitte: ich will niemandem seine Lust am Hobby absprechen, aber wenn er dabei grundlegend verfügbares Wissen ausgrenzt und auf dieser Basis versucht den absoluten Realitätscharakter dieser oder anderer Erscheinungen zu belegen und(! wichtig:) andere Menschen auf dieser Basis zu missionieren, dann ist das nicht mehr akzeptabel. Es ist immer wieder das gleiche egozentrische Prinzip: »»Ich« habe (aus der egozentrischen Sicht »meiner« Weltrealität) recht und »ich« verstehe nicht, wieso andere Menschen das nicht auch so sehen: Die sind doch alle blöd; ... kann doch jeder sehen, dass es so ist, »ich« seh‘s doch auch so!« Das genau ist die nicht selbst wahrgenommene, typisch egozentrische Einstellung als Ausgang jeglicher Beurteilung und Wertung über Andere mit der Gefahr eines Konfliktes statt eines erkenntnismehrenden Diskurses.

Betrachten wir das Thema jetzt noch unter dem systemtheoretischen Standpunkt. Festzustellen bleibt, das offenbar wieder einmal die qualitativ identische Situation herrscht, wie sie in allen denkbaren Systemen durch uns Menschen eingestellt ist: Das völlige Ignorieren, dass jede Beurteilung über den Rand des Gültigkeitsbereiches der eigenen Systemrealität hinaus in ein Anderes zu genau diesem, immer wieder identischen Basisproblemen führt!

Wie man gut erkennen kann, ist die Ursache aller Sichtungserscheinungen dieser Art auf unser evolutionsstrategisches Überlebensverhalten aus dem Unterbewussten zurückzuführen. Daraus einen Geisterglauben oder wissenschaftliche Phänomenologie zu machen ist zwar (sehr wohl und ganz im Sinne der Thesen dieser Philosophie) erklärbar, aber es ist eine falsche Frage zu versuchen, ob diese Erscheinungen eine Realität für Alles und Alle im Sinne von »universal« darstellt. Es ist zwar legitim im Sinne des Prozesses erst einmal diese Dinge zu erforschen, aber heute sind wir doch eigentlich soweit und haben so viel verfügbares Wissen, dass der Prozess zur Erkenntnis weitergehen kann. Wir sind soweit den Fragenmüll an »die« Realität auszumisten; ausmisten zu können. Unter diesem, heutigen Zustand ist Geisterglaube (und jeder andere Glaube in qualitativer Art genauso) definitiver Ausdruck von »ich will mich an der Lust des Phänomenalen berauschen« und »ich lasse keine andere Sichtweise (für mich) zu, weil ich (für mich!) die finale Wahrheit und Realität habe und nicht mehr aufgeben will«. Leider verdrängen solche Leute das »für mich« dabei in sehr effizienter Weise und behindern dadurch den eigenen Prozess zur Erkenntnis. Bestes Beispiel wie dieser Verdrängungsmechanismus wirkt, sind die Zeugen Jehovas. Wie sehr diese Leute versuchen ihre(!) (einseitige) Weltsicht mit aller Kompromiss- und Toleranzlosigkeit unter die Menschen zu bringen (zu zwingen!), weil sie meinen die (eine!) finale Antwort für die (ihre egozentrische!) Wirklichkeit gefunden und gepachtet zu haben. Trotzdem ist ein Platz dafür in dieser hier vertretenen Philosophie vorhanden, wo in liberaler Weise eine Erklärung möglich ist, auch für Menschen, die sich »so« verhalten: deren(!) Weltsicht ist richtig, aber nur für deren(!) Wahrnehmungssystem eigener Wirklichkeit! Ein Abgleich zwischen deren Weltsicht und der hier vorgestellten liegt in dem Zustand, dass »diese« eben keine andere Realität tolerieren, diese, hier vorgestellte Weltsicht »die« aber schon! Jetzt kann sich jeder selbst fragen, welche Einstellung die liberalere, tolerantere, humanere und für den Diskurs und dem Prozess zum Erkenntnisfortschritt effizientere ist!?

Dabei weis es doch jeder: Stehen bleiben heißt definitiv Rückschritt und Untergang; oder wo hätte das in der Geschichte des Lebens und der Menschheit jemals geklappt?!! Auch hier wieder ein mehr als deutliches Beispiel: Die Amish-People in Amerika sind am Aussterben (und das im wahrsten Sinne des Wortes!)! Warum?: Weil diese, auf finaler Wahrheit beruhende Weltsicht, durch ihre selbst definierte Ausgrenzung und genetische Isolierung aus dem Prozess der Weiterentwicklung, zu Mongolismus (Down-Syndrom oder auch Trisomie 21) und Schwachsinnigkeit bei den Neugeborenen führte. Bei mehr als einem Drittel der Geburten kommt es mittlerweile zunehmend wegen immer stärker reduziertem genetischen Austausch (Inzucht) zu dieser Katastrophe. Die Reaktion der Amish-People: Noch mehr weg von »Evolution« und »Prozess« mit Argumenten wie: »Ein solches Kind zur Welt zu bringen ist die Strafe Gottes, weil die Frau bei der Zeugung nicht zum Himmel geschaut hat!« und weiterem »irr«-Sinn (es gab vor kurzem einen Fernsehbericht darüber!). Experten vermuten, dass das noch maximal zwei bis vier Generationen dauert und diese Leute sind Geschichte, weil keine normalen Menschen mehr zur Welt kommen (wo war denn deren Gott?; die merken‘s einfach nicht!). Extreme Weltsicht finaler Ausprägung führt zu »Aussterben«!!!

Nicht nur in diesem Beispiel werde ich den Gedanken nicht los, dass es den Leuten, die sich mit diesen Dingen (Geister, UFO’s, Esoteriken beliebiger Ausprägung, aber auch jegliche Religion) beschäftigen und die Frage nach dem Beweis stellen, letztlich nicht(!) um eine wirkliche Klärung durch den geforderten Beweis geht, sondern nur um die andauernde und lustvolle Beschäftigung mit diesen Dingen. Damit bleibt nämlich die Lust an der Phänomenalität des Gespensterglaubens bestehen und be-»geistert«. Bitte: Ich meine jetzt die Leute, die diese Hobbys ohne eigene Sichtungserfahrung haben! Im Kern müssen sich diese Leute, wenn sie sich nicht selbst dogmatisch blenden (wollen?!), die Frage stellen und auch zulassen, was für ihren Bewusstseinszustand passieren würde, wären Gespenster (UFO’s, etc.) plötzlich in kritiklosem und evidentem Sinne für ausnahmslos jeden vorhanden? Dieser Zustand wäre z.B., wenn ein Gespenst ganz normal für Millionen an helllichtem Tage in der Öffentlichkeit auftritt, Interviews gibt, immer und immer wieder, anfassbar im Sinne von Hautwahrnehmung wäre (es wird oft von extremem Kältegefühl berichtet) und von allen Medien ohne jegliche Fragwürdigkeit an das Erscheinungsbild beliebig oft aufgenommen wird, genauso wie jeder normale Mensch. Ich denke, und die Antwort muss sich jeder dieser Fangemeinde für sich selbst beantworten, dass diese Leute in ein tiefes (psychologisches) Loch fallen würden! Trotz dessen, das jetzt genau das eingetreten wäre, was man eigentlich die ganze Zeit vor diesem Beweis eingefordert hatte: »den« Beweis! Es würde nämlich der Zustand eintreten, dass diese Leute ihre »Religion« verlieren würden und daran ist ein Geister- oder UFO-Gläubiger mit Sicherheit nicht wirklich interessiert: Was braucht man denn noch zu Glauben, wenn man und jeder es doch sowieso weis?! Die Lustempfindung, wenn man sich mit dem Phänomen befasst, würde ja abhanden kommen, weil es kein Phänomen mehr ist, sondern Evidenz. Ich denke, dass diese Frage den widersprüchlich inneren Zustand dieser Esoteriken demaskiert, den diese Leute aus ihrer Befangenheit heraus nicht wahrzunehmen in der Lage sind.

Übrig bleiben aber sehr wohl die Leute, die diese Sichtungen und jetzt Achtung: in ihrem(!) Bewusstsein hatten. Das Beschäftigen mit den Erscheinungen auf nicht phänomenologischer Lustbasis und im Sinne des Unterlassens von Beurteilungen auf der Basis der (eigenen) Universalrealität: das wäre wirklich wissenschaftlich und sauber!

Bitte: Ich spreche niemandem sein Hobby ab, sind diese ja auch nur im systemtheoretischen Sinne Realitäten im Bewusstseinssystem dieser Leute. Aber nur solange sie nicht versuchen andere (mehr oder weniger aggressiv) zu missionieren. Hier hört es auf, denn das ist genau das überkommene Paradigma, um das es hier geht: »Weil meine UFO-Gläubigkeit »die« Realität ist, ist das die Realität schlechthin; und ist sie demzufolge für alle Anderen auch!« So dieses Denken, das die Basis aller Probleme ist und in extremen politischen Systemen die menschliche Systemfreiheit unterdrücken will. Einen besseren Beweis, dass das alte Paradigma auf das neue Fundament gestellt werden muss, gibt es gar nicht.

Ich spreche keiner der systemimmanenten, differenzierbaren Realitäten ihre, für ihr System gültige Realität im Sinne einer Bewertung oder Be-»urteilung« ab, was auch nur entstehen kann, genauso wie die falschen Fragen, wenn man aus der eigenen Wirklichkeit über ein anderes System urteilt. Das ist deshalb zwangsläufig so, weil die systemindividuellen Strukturen, die eine Realität in ihrem System und im Sinne von »das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« bestimmen, nicht die Eigenen sind. Wenn das so sein sollte, dann ist das ein Sonderfall, dann sind aber auch die Systeme identisch, was gerade ja auch bei Lebewesen mit ihrem wahrnehmenden Bewusstsein extrem unwahrscheinlich ist!

In diesem Paradigma-untermauerten Komplettsystem differenzierter Realitätssysteme ist sogar Platz, um die menschlichen Einstellungen mit ihren oftmals schwer nachvollziehbaren, intoleranten Weltsichten einzubetten und nicht auszugrenzen, selbst wenn diese Leute aus Befangenheitsgründen selber nicht in der Lage sind diese objektive, konstruktive, liberale Gesamtsicht nachvollziehen zu können. Diese allgemeinere Weltsicht differenzierter Realitätssysteme hat somit einen klaren strategischen Vorteil: Sie ist objektiver und frei von jeglicher emotionaler Einstellung, als jede individuell ausgeprägte und im Extremfall intolerante Weltsicht!

Intoleranz ist klarer Ausdruck einer Glaubenssituation, dessen Träger aus Befangenheitsgründen selbst nicht über die Widersprüchlichkeiten reflektiert hat! Diese werden oft verdrängt, oder mit scheinbaren Argumenten und Dogmen zugedeckt, die die Vertreter dieser Weltsichten nicht mehr als Scheinargumente erkennen. Unsere Sprache lässt in sehr einfacher Art sogenannte Nebelkerzen zu, die selbst von Fachleuten nicht einfach durch objektive Argumente zu entkräften sind!

Also, die Frage ob Gespenster real sind oder nicht ist ergo wieder eine »falsche Frage«, weil es sich um eine Frage handelt, die eine Antwort auf der Basis des einen, universalen Realitätsbreis sucht und die ist so unter Prinzip nicht eindeutig beantwortbar! Daraus folgt: »Ja(!), Gespenster sind(!) real, aber nur für die Wahrnehmung des Sichtenden in seinem Bewusstseinssystem!«; nicht mehr und nicht weniger!!!
 
6. Beispiel:
Warum versagt die Physik, wenn man sich dem Urknall zeitlich rückwärts nähert?

Zum Abschluss noch ein Beispiel aus Mathematik und Physik. Um es vorwegzunehmen: Nicht die Physik versagt, sondern auch hier der menschliche Egozentrismus! Schon die Art dieser Fragestellung ist wieder typisch egozentrisch motiviert.

Der sogenannte Urknall oder Big Bang ist die heute allgemein anerkannte Theorie, wie unser Universum entstanden sein soll. Als Edwin Powell Hubble (1898-1953) im Jahre 1929 das allgemeine Fluchtverhalten der Galaxien untereinander entdeckte, war der erste messbare Hinweis gefunden, wonach sich die Galaxien in großräumigem Maßstab jede von jeder entfernt. So als würde zwischen den Galaxien neuer Raum dazwischen geschoben. Man kann sich das vorstellen, wie ein aufgehender Hefekuchen mit einigermaßen gleichmäßig verteilten Rosinen. Diese werden im Inneren ihre Abstandsposition in jeder Richtung untereinander und jede von jeder vergrößern. Das führte schnell zu der Feststellung, dass man diesen Prozess in Gedanken auch umkehren konnte. Man lässt die Zeit einfach rückwärts laufen und überlegt, was passieren dürfte (Die folgende Beschreibung ist ein sehr, sehr grobe Zusammenfassung!). Wie sich jeder vorstellen kann, dürften die Galaxien anfangen aufeinander zuzusteuern um irgendwann, wenn das Universum entsprechend klein geworden ist, alle zusammenzukrachen. Die dabei auftretende Geometrie des Raumes ist hinreichend kompliziert, ein Kapitel für sich und trägt hier nichts bei. Wie auch immer, dieser Gedanke lässt sich aber weiterspinnen. Wenn der verfügbare Raum immer kleiner wird, dann werden, wenn die Galaxien ineinandergeschoben sind, auch die Sternabstände immer kleiner, bis auch diese aufeinandertreffen. Das ganze Universum ist zu diesem Zeitpunkt ein einziger Riesenstern, der die gesamte Materiemasse des Universums unter unvorstellbarem Druck und Temperaturen beinhaltet. Aber der Prozess ist hier noch nicht zuende, das Universum schrumpft weiter. Als nächstes werden die Zwischenräume der Atomkerne kleiner und rücken weiter zusammen, bis auch diese aneinander stoßen. Danach werden die Atomkerne zerbrechen und die Protonen, Neutronen, und die schon viel früher von den Atomen abgelösten Elektronen, bewegen sich frei durch diesen Materiebrei. Bei diesen Energien entstehen auch noch ganz andere, exotische Teilchen. Irgendwann aber ist auch dieser Prozess zuende und es geht ans Eingemachte. Die Elektronen werden in die Protonen gequetscht und es entstehen weitere Neutronen, bis das ganze, kleine Universum nur noch von Neutronen angefüllt ist. Auch hier werden die Abstände immer kleiner, bis ein einziger Neutronenklumpen besteht. Der Moment ist gekommen, wo die Neutronen zerquetscht werden und in die jeweils drei Quarks (gesprochen wie Quork) zerlegt werden, aus denen die Neutronen bestehen. Eine reine Quarkmaterie entsteht. Letztendlich werden auch diese zerquetscht und ein extrem seltsamer Zustand tritt ein, den man nicht mehr richtig als Raum mit angefüllter Materie nennen kann. Und der Zusammenbruch geht noch weiter, bis das ganze Universum in einem Punkt ohne Ausdehnung verschwindet. Die letzten Prozesse befinden sich dabei in extrem seltsamen Grenzübergängen zum »Nichts«. Die zeitlichen Folgen der Zustandsübergänge werden am Ende immer kürzer. Wir sprechen hier von Bruchteilen von letzten Sekunde (wir gehen ja zeitlich rückwärts!), die so klein sind, dass man über 40 Nullen nach dem Komma braucht um sie aufzuschreiben. Die Temperatur und der Druck gehen nach unendlich und die Raumausdehnung geht gegen Null.

Soviel zum Geschehen. Diese prinzipielle Darstellungsweise der Standardtheorie findet man in jeder Literatur und jedem Unterricht. Der Prozess ist natürlich in zeitlich umgekehrter Reihenfolge abgelaufen, wobei die grundlegenden Fragen dabei sind: »Was war davor?« und »Warum fing das Ganze überhaupt an?« Diese Fragen sind aber eher rein phänomenologisch. Was uns hier interessiert ist: Wie gehen wir mit dieser Erkenntnis um?

Fragen Sie sich jetzt mal selbst, wie Sie die obige Beschreibung vor Ihrem inneren, geistigen Auge »gesehen« haben?! Wie haben Sie sich diesen Prozess vorgestellt? Befand sich dabei Ihre Beobachterposition »vor« diesem Geschehen, so als wenn ein kleines Modelluniversum vor Ihnen im Raum schwebte und immer kleiner wird, oder befanden sie sich innerhalb dieser Universumsvorstellung und betrachteten den Ablauf sozusagen »von innen«, alles war um Sie herum? Egal wie sie sich diese Frage jetzt(!) beantwortet haben: Sie hatten(!) sich das gar nicht bewusst, selbstbeurteilend vorgestellt! Erst als Sie meine Frage lasen, wurde ihre innere Bewertung überhaupt aktiviert, und blitzschnell sind Sie davon überzeugt, das Sie das Geschehen »vor(!)« Ihrem geistigen Auge »gesehen« haben. Ich denke, es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für diese Position. Sie sahen sozusagen durch die »gläserne« Oberfläche »hinein« in das Geschehen und zwar »von außen«! Eine Beobachterposition im Inneren des heißen Materiebreis, wurde mit Sicherheit von vornherein ausgeschlossen. Die Erklärung dafür ist recht einfach: Es ist schon wieder die evolutionstheoretisch völlig übliche Beurteilerposition: »Ich« bin das Zentrum; das Egozentrum und alles andere ist um mich herum bzw. spielt sich vor mir ab und hat mit mir eigentlich nichts zu tun. Diese Reaktion ist dermaßen selbstverständlich, dass wir das im Alltag nie bemerken und jedes Urteil somit von vornherein einseitig und egozentrisch befangen ist. Es ist wieder ein treffendes Beispiel, wie unkritisch wir mit unserem Denken umgehen. Wir nehmen unsere Reaktion nicht selbstreflexiv wahr. Im Beispiel 5 mit der Gespensterfrage wurde das schon beschrieben, wie wir Menschen ohne es zu merken erst im Nachhinein, wenn wir mit der Frage »danach« konfrontiert sind, eine logisch erklärende Beurteilungsbasis zurechtlegen, da wir es nicht aushalten können etwas als unlogisch zu erfahren. Unser Unterbewusstsein erzwingt logische Zusammenhänge und wir sind am Ende davon überzeugt, ohne wirklich zu wissen warum, dass das »von Anfang an«(!) so und nicht anders war (gewesen sein kann) und mit uns in objektiver Bewertung nichts zu tun hat. Es ist die Ursache für die unterschiedlichen Wahrheitsvorstellungen, wenn die Menschen ein Geschehen bewerten und beschreiben sollen! Der Akt des Zurechtlegens wird dabei nicht wahrgenommen! Wir vermeinen (unkritisch) die Dinge von Anfang an »so« erfahren zu haben im Sinne von bewusster Reflexion und benutzen diesen Standpunkt zur Beurteilung der Lage, auch wenn das nicht stimmt.

Die Vorstellung, vor und außerhalb des Urknalls zu sein, hat einen allgemeingültigen Verhaltenscharakter, den wir gar nicht zu leugnen brauchen, denn wir sind ja auch unbeteiligt. Es ist »nur« ein Modell. Natürlich ist es das! Aber hier sind wir jetzt genau am Ausgangspunkt des Problems. Wir Menschen beurteilen immer(!) etwas von Außen. Das überkommene Paradigma ist offenbar. Ein Bewusstsein urteilt somit automatisch über seinen eigenen systemischen Gültigkeitsbereich hinaus in ein anderes Realitätssystem hinein und ignoriert dabei völlig(!), dass dieses andere System seine eigenen Strukturen und Gesetzmäßigkeiten hat, die zu einer unabhängigen(!), immanent funktionalen Realitätsausprägung führen! Das ist so, soll das keiner leugnen!!! Jeder kann es erkennen, wenn er nur darüber reflektieren und Erkenntnis gewinnen will(!).

OK: Was hat das in diesem Beispiel und mit Mathematik und Physik zu tun. Diese Disziplinen sind doch wohl unabhängig, objektiv, oder!? Tja, eben nicht! Die Mathematik im Sinne der »Erfindung« einer mathematisch strukturierten Konvention (bitte an Beispiel 1 erinnern!) ist zwar ziemlich objektiv und unabhängig, aber es ist doch wohl von den systemimmanent verfügbaren Strukturen abhängig(!), ob diese Mathematik und jetzt Achtung: der immanenten Mathematischkeit des betrachteten Systems entspricht, oder?!

Schon Pythagoras (569-475 v.d.Z.) vermutete, dass die Welt die Reflexion einer perfekten mathematischen Form sein soll. Zusammen mit dem später entstandenen Platonische Ideal prägte das verständlicherweise den Wunsch nach einem Naturverständnis auf dieser Basis. Die Kraft dieser Vorstellung lässt sich nicht leugnen, wie sich an den von ihnen inspirierten Errungenschaften erkennen lässt: seien es die Kepplerschen Gesetze oder die Einsteinschen Gleichungen, die Newtonsche Gravitationsphysik, der Maxwellsche Elektromagnetismus oder bis heute die Quantenchromodynamik und die Superstringtheorien (um nur einige zu nennen!). Diese Vorbilder legen es nahe, das Ziel der theoretischen Physik und der Kosmologie in der Entdeckung einer wunderbaren mathematischen Struktur zu sehen, die der »gesamten (universalen?!)« Realität zugrunde liegt (liegen soll): der »Grand Unified Theory« (GUT). Dies ist die fundamentale Denkweise, die auf dem momentanen Paradigma beruht und dieses nachgerade auch noch zu betätigen scheint.

Diverse, bekannte Physiker haben im letzten Jahrhundert die Zusammenhänge bei der Entstehung das Universums untersucht und unser Wissen darüber vermehrt. Für manche war das eine Lebensaufgabe. Alle aber haben dabei ein grundlegendes Problem, das sich in der Mathematik der physikalischen Zusammenhänge niederschlägt. Man versucht dem auslösenden Moment des Urknalls näher zu kommen, indem man die Zustände in immer kleinerer, zeitlicher Nähe zum Zeitpunkt »t = 0« mathematisch zu beschreiben und interpretieren sucht. Dabei entstehen im Grenzübergang zu t = 0 aber Lösungen zu den mathematischen Ansätzen, die u.a. nach Unendlich gehen. Selbst die mathematischen Strukturen verlieren ihre innere Konsistenz und verlaufen, man könnte sagen: in Beliebigkeit ohne nachvollziehbare sinnreichende Aussage. Die Physiker sprechen davon, dass die Physik in diesem Zustand, bei diesen hohen Energiedichten zusammenbricht und man kommt nicht mehr recht weiter. Wir befinden uns an einem Zeitpunkt in der Nähe des o.g. Sekundenbruchteils mit mehr als 40 Nullen hinterm Komma und das Universum war viel kleiner als ein Tischtennisball. Man könnte sich ja damit zufrieden geben, aber dieser Zustand reicht eben noch nicht aus, um a) den auslösenden Ursprungsmoment zu erhaschen und b) die angestrebte Grand Unified Theory mathematisch beschreiben zu können. Letztere ist nur bei noch viel höheren Energiedichten »vorhanden«, als sie in diesem kleinen Universum vorherrschten bevor die Physik »zusammenbricht«. Und so sucht die Fachwelt weiter und es werden immer ausgefeiltere mathematische Ansätze entwickelt um die Probleme zu umgehen.

Diese Strategie hat aber selbst eine innere, mathematische Struktur: Man erreicht mit unendlichem Aufwand eine Erkenntnisgüte von 1. Diese Erkenntnisgüte bedeutet, dass alles »eineindeutig« ist (mathematischer Ausdruck für totale Zweifelsfreiheit). Wem das was sagt: Es ist eine e-Funktion, die sich asymptotisch der 1 nähert aber erst im Unendlichen erreicht. Das bedeutet aber: Man erreicht es nie! Die Fachwelt hat momentan keinen anderen Ansatz und es soll auch die von ihr erarbeitete Erkenntnisleistung nicht kritisieren!!! Sie hofft darauf, dass ein Durchbruch erreicht wird, wenn einer der ihren per Zufall (oder wie auch immer) den »richtigen« mathematischen Ansatz findet. Aber das könnte auch ein Wunschtraum sein und so forscht man bis zuletzt weiter und hat die Erkenntnisgüte von 1 dennoch nie erreicht. Mit anderen Worten: man forscht sich mit immer mehr elitärem Aufwand in immer kleineren Schritten zum Zeitpunkt t = 0 vor, ohne ihn letztlich jemals zu erreichen.

Was passiert hier; was läuft hier falsch? Wir analysieren und wer aufmerksam mitgedacht hat, der wird es schon erwarten: Wenn man wie in Beispiel 1 eine erste Differenzierung zwischen der systemischen, inneren Realität der konventionierten Mathematik und der davon unabhängigen Mathematischkeit der systeminneren Strukturen des betrachteten Systems zulässt und einbezieht, dann läuft man nicht Gefahr eine egozentrisch motivierte Beurteilung des betrachteten Systems durchzuführen und zwar (Achtung:) ohne es zu bemerken! Der kritische Geist, der seinen Träger selbstreflexiv in seinem Tun und Bewerten beobachtet und durch sein Vetorecht einbeziehen kann, verhindert damit mit höherer Wahrscheinlichkeit Fehlurteile, als wenn man das nicht mit einbezieht. Dies ist eine grundsatzphilosophische Einstellung, die diese Prozesse mündiger und kontrollierter ablaufen lässt! Wer das verstanden hat, der erkennt schon, wo überall in unserem alltäglichen (Zusammen-)Leben das schief läuft auf unserem Erdenrund; wie oberflächlich wir ohne eine »begründbare« Mündigkeit kontrollierter(!) Vernunft mit den Dingen umgehen!

Übertragen auf diese Beispielfrage kommen wir zur zweiten Stufe von Differenzierung. Wenn man den Zustand des erbsengroßen Universums mathematisch-physikalisch erforschen möchte und dabei unbemerkt, aus o.g. Grunde, die Universalrealität des bisherigen Paradigmas unterstellt und hinnimmt, dann läuft man in die typische Falle: Man benutzt die Mathematik, die sich zur Mathematischkeit unseres Alltagsuniversums als richtig und anwendbar herausgestellt hat um die Realität der inneren Mathematischkeit des erbsengroßen Universums zu beschreiben. Selbstredend braucht man sich eigentlich nicht(!) zu wundern, wenn diese(!) Mathematik »zusammenbricht«! Wie sollte sie denn auch passen, wenn in einem Ursprungsuniversum eine ganz andere Realität mit eigener, reduzierter(!) Mathematischkeit vorherrscht. Als sich das Universum begann aufzublähen (wir betrachten das jetzt in zeitlich richtiger Richtung), da haben sich die Strukturen eigenschaftlicher Mathematischkeit je erst noch bilden müssen. Das Grundsatzaxiom, demnach »das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile« hat uneingeschränkte Gültigkeit in diesem Sinne. Diese Aussage ist auch eine eigenschaftlich mathematische und grundlegende. Der sogenannte »Zusammenbruch der Physik« ist demnach nichts anderes, als die Erkenntnis, dass da die Rechnung ohne den Wirt gemacht wird. Ausgangspunkt ist auch hier wieder die egozentrisch motivierte Einstellung auf die/eine Universalrealität. Jetzt wird auch die Eingangsaussage dieses Beispiels klar: Nicht die Mathematik versagt (eine an sich schon haarsträubende Aussage!), sondern unser egozentrischer Standpunkt!

Die konsequent richtige Verhaltensweise wäre also: Man muss in(!!!) das frühe Universum »gehen« (eigentlich ist man ja nie außen gewesen!) und nur mit der »dort«, zu diesem Zustand verfügbaren Mathematischkeit »rechnen« und urteilen. Man muss auf der Basis der Trennung (die dritte Differenzierung von Realität!) zwischen zugeordneter Wirklichkeit und dem ihr gegenüberstehenden Modell eine Mathematik anwenden, die diesem Zustand auch gerecht wird!

Wie erklärt sich das? Ganz in Übereinkunft und ohne Widerspruch zur bisherigen Erkenntnis darüber, ist auf der Basis des hier geforderten Paradigmawechsels der richtige Weg zu finden. »In das Universum gehen« ist eine wichtige Standpunktsrealisation. Aus mehreren bekannten, gewichtigen Gründen ist das ganze Universum (wahrscheinlich) mehrdimensional so in sich gekrümmt, dass es »kein Außen« gibt. Das Universum ist nicht so gestaltet, dass man irgendwo an eine Mauer stößt und die Frage nach einem »dahinter« sinn machen würde. Egal, wo man sich hinbewegt: Ein Außen ist nicht seiend! Ergo ist man, wenn man im Modell zeitlich rückwärts geht, einem kleiner werdenden Universum ausgeliefert in dem Sinne, dass man eben darinnen(!) ist und demzufolge nur mit der darinnen begründeten Mathematischkeit »rechen« kann. Wenn aber das Universum immer kleiner wird, dann ändern sich die inneren Strukturen in einer Art, die die Vielfalt im Umkehrargument zu »das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile« immer weiter reduziert. Diese Aussage ist völlig konform zum Bestreben der Wissenschaft, die Pythagoreische Reflexion einer einfachen und wunderschönen, mathematischen Formsymmetrie in der Darstellung der Grand Unified Theory zu finden. Man muss dabei aber nur die Rechnung mit(!) dem Wirt machen und das Universum ist(!) unser Wirt. Wenn sich also die verfügbare Mathematischkeit zeitlich rückwärts gehend immer weiter reduziert, dann darf man auch nur die Mathematik verwenden, die dieser vorhandenen Mathematischkeit kongruent entspricht: Das Modell muss abgestimmt sein auf diesen Zustand. Warum sollte denn die Mathematik nicht zusammenbrechen, wenn sie einem vielfältigem Universum heutiger Zeit entspricht und nicht zu einem Universum damaliger Zeit passt?! Irgendwie logisch, oder?! Man muss also konsequent differenzieren auf die dabei involvierten Systeme und somit auf die darin verfügbaren, strukturbasierenden Realitäten.

Auf dieser Basis sollte es möglich sein die o.g. e-Funktion der Erkenntnisgewinnung zu durchbrechen. Das überkommene Paradigma ist der eigentliche Hemmschuh, der unseren Erkenntniszuwachs zunehmend blockiert! Das bedeutet nicht, dass man somit jetzt auch schon die mathematische Lösung per se hat. Man muss weiterforschen. Natürlich beinhaltet das noch keine Aussage darüber, welche(!) Mathematik bezogen auf diesen Erbsenzustand die Richtige ist; welche »damals« immanent verfügbar war, aber auf diesem Wege sollte es endlich mal wieder weitergehen können, ohne exzessiv elitäre Strategie.

Also auch in diesem Beispiel wieder der offensichtlich falsche Beurteilungsstandpunkt auf der Basis egozentrischer, universaler Realitätssicht: das überkommene Paradigma!
 
Resümee:
Man kann die Zustände und Erscheinungen unserer wahrnehmbaren Welt aus den unterschiedlichtsten Blickwinkeln betrachten und erfährt auf der hier vorgestellten, analytischen Sichtweise immer das Gleiche. Egal, ob es sich um rein mathematisch abstrakte Systeme handelt oder um physikalische Interpretationen, um biologische Phänomene, zwischenmenschliche Beziehungen oder politische, kulturelle, religiöse oder materielle Systeme: Wir neigen, ich unterstelle mal: »ausnahmslos« zu einer Beurteilung über »das Andere« ausschließlich auf der Basis einer jedermanns individuellen Weltsicht. Diese Sicht aber wird üblicherweise wie eine gepachtete absolute Wahrheit behandelt. Der Egozentrismus, der dahintersteckt, mag ja im Sinne des Überlebens der Art wichtig und richtig gewesen sein, das will ich nicht bestreiten, aber wenn wir dieses Verhalten in die Erkenntnis und Wissenschaften übertragen, dann funktioniert das eben nicht mehr! Der menschliche Hang, alles aus der eigenen, selbst empfundenen Realitätswahrnehmung heraus zu beurteilen, ist in allen Situationen, wo das nicht funktioniert und zu Disputen führt, offenbar. Man betrachte sich die Politik, gerade in Deutschland: Zwei Parteien betrachten die identische Wirklichkeit, nur von zwei verschiedenen Seiten und jede versteht nicht, warum die Andere so denkt, wie sie denkt. Ob die eine Lösung zu einem gesellschaftspolitischen Problem besser ist als die andere, mag dahingestellt sein, aber im Vorfeld sind die Positionen; nicht nur aus persönlichen Gründen, unvereinbar. Oftmals entsteht die Situation daraus, dass die schlechtere Lösung dabei besser wäre, als aus oppositionären parteipolitischen und disziplinären Gründen jede der beiden Möglichkeiten zu blockieren. Welch ein tragischer Unsinn! Man braucht nur mal darauf zu achten, wie oft ein Politiker »...ich glaube...« anstatt »...ich denke...« oder »...ich halte es für wahrscheinlich...« sagt. Dieses Sprachverhalten ist unmittelbare Offenbarung, dass dieser von einer finalen, unwandelbaren, selbstdefinierten(!) Wahrheit ausgeht, deren Ursprünge in tiefster Emotion der eigenen, empfundenen Wirklichkeit entspringen, ohne sich darüber analytisch bewusst zu sein. Das hat mit Sinnsuche, Nachhaltigkeit und objektivem, konstruktivem Denken nichts mehr viel zu tun. Aber auch im allgemeineren Sinne ist das der tiefe Grund, warum wir uns mit Fragen quälen, auf die es aus einer universalen Realitätssicht mit der daraus folgenden Beurteilung aus Prinzip keine sinnbefriedigenden Antworten gibt oder geben kann; Fragen stellen, ohne einen analytisch sinnfälligen Maßstab zu haben, woran wir selbstkritisch erkennen können, dass eine Frage eine »falsche Frage« ist, die sich im Spagat zwischen mehr als einem System mit eigenimmanenter, mathematisch begründbarer Realitätsstruktur verliert. Oder wir stülpen anderen, gerade auch menschlichen Systemen, die eigene Meinung mit Machtausübung und Machtwillkür über. Es ist der tiefere Grund, warum wir Menschen alles andere als mündig sind im Sinne eines funktionierenden, disputreduzierten und -kontrollierten Verhaltens.

Ein Paradigmawechsel der hier vorgestellten Art ragt offenbar in alle Bereiche unserer Existenz hinein und führt zu einer sinnvollen Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft in Wissenschaft, Erkenntnis und Kulturverhalten; hin zu mehr Gerechtigkeit und Mündigkeit im Umgang mit allen Dingen des Seins. Das ist der glockenklare Grund, warum dieser Paradigmawechsel regelrecht einzufordern ist von allen menschlichen Institutionen. Die hier genannten Beispiele sind nur die Spitze des Eisbergs. Letztlich lässt sich das überkommene Prinzip einer unterstellten Universalrealität in ausnahmslos allen Bereichen menschlichen Seins und Handelns erkennen und nur durch systemtheoretische Differenzierung von Realität(en) lassen sich in Zukunft endlich die falschen Fragen erkennen und aussondern sowie die Antworten auf die nunmehr überschaubare Menge wirklich wichtiger und sinnvoller Fragen finden.

Also: Es ist an der Zeit diesen Paradigmawechsel durchzuführen; durch Aufklärung auf der Basis philosophisch motivierten und maßstabgebenden, fähigen Denkens durchzusetzen in unserem Schulungssystemen und Weltweit für die neuen Generationen, die das sinnvollerweise unmittelbar verinnerlichen sollen; einfließen zu lassen in die Analytik zur wissenschaftlichen Erkenntnis über das Wesen der Dinge. Die nächste Generation(en) wird damit die Chance haben sich mündiger zu zeigen gegenüber ihren Aufgaben zu einer menschlicheren Gesellschaft auf diesem immer enger werdenden Planeten mit seinen zur Neige gehenden Ressourcen! Nicht mehr die egozentrisch motivierte Universalrealität individueller Ausprägung, sondern eine differenziert behandelte Systemrealität wird das Zusammenleben der Menschen in Zukunft maßstäblich verbessern helfen! Ich für meinen Teil lebe danach und wünsche mir und unserer Menschheit in diesem Sinne eine tiefe aufgeklärte Erkenntnis und im Vorfeld dazu »Erkenntnisfähigkeit«!
 


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