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These 9

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Die Systemtheorie sollte für das tiefere Verständnis der Thesen inhaltlich bekannt sein (siehe Navigationsleiste).
»Wir haben eine unvollständige Zeitvorstellung«

  oder »Können wir überhaupt etwas wiederholen?«


These: Unsere, seit Jahrtausenden vorherrschende Zeitvorstellung ist zu oberflächlich um das Sein damit vollständig und richtig erklären zu können!

Diese These baut auf den vorherigen Thesen auf. Sie müssen zur Vermeidung von Wiederholungen hier verständnismäßig vorausgesetzt werden.


Prolog:

Was ist die Zeit? Eine uralte Frage der Menschen, die Augustinus von Hippo (354-430) in seinen Überlieferungen so ähnlich beschrieb: »Wenn niemand danach fragt, weiß ich es; wenn ich es ... erklären will, weiß ich es nicht. (Bekenntnisse, XI, 14)«, und so geht es uns allen heute noch. In der rein physikalischen Welt scheint Zeit zwar sauber definiert zu sein, aber irgendwie auch wieder nicht, wenn man näher darüber nachdenkt wie sich die Veränderung der Dinge wirklich verhält. Die Gelehrten streiten bis heute, ob das Weltall nun im einen Extrem »entweder« kausaldeterministisch ist »oder« ob es, im anderen Extrem, den Zufall gibt (siehe hierzu unbedingt These 8. »wir denken zu eindimensional«!). In der Folge davon, ob wir überhaupt den freien Willen haben oder ob auch wir in unseren Handlungen klar determiniert sind. Wir haben hier eine der Kardinalfragen der Physik und der Philosophie vor uns.

Die klassischen Naturgesetze der Physik deuten auf den absoluten Determinismus, also die strenge Folge von Ursache und Wirkung hin. Isaac Newton gilt als ein Begründer des strengen Determinismus, weil er die Naturwissenschaft durch die Physik zum ersten Mal auf eine saubere Basis exakter Naturwissenschaft stellte: »Beobachtung, Theorie und Experiment müssen sich zweifelsfrei ergänzen und gegenseitig bestätigen, damit eine Theorie gegenüber der Erscheinung als richtig erachtet werden kann. Er prägte damit für Jahrhunderte ein Weltbild, das die Natur als kausaldeterministisch beschrieb, ohne diesen sauberen analytischen Ansatz in Frage stellen zu wollen.

Selbst Albert Einstein stand mit der damals aufkommenden Quantenphysik und der daraus entstandenen Erkenntnis des sogenannten »objektiven Zufalls«, z.B. der Welle-Teilchen-Dualität oder den Unschärferelationen zwischen paarweise bezogenen physikalischen Größen, auf dem Kriegsfuß. »Gott würfelt nicht!« hat er dazu einmal gesagt.
Prolog ff:
Trotz der Strenge der (klassischen) Physik wissen wir aber auch alle, dass das Leben viele Erscheinungen birgt, wo die Erfahrung ein eben nicht mehr so streng deterministisches Geschehen belegt, auch wenn wir in einem physikalisch strukturierten Weltall zu existieren scheinen. Vieles scheint einer Art Zufall bzw. Akausalität zu unterliegen, was in totalem Widerspruch zur Schönheit eines, ach so erwünschten, absolut kausalen, weil damit einfachen und beherrschbaren Naturgeschehens steht. Determinismus und Zufall sowie Kausalität und freier Wille stehen in totalem logischen Widerspruch zueinander, obwohl dieses uns umgebende und einbettende Weltall doch ganz offenbar ohne solche Probleme zu funktionieren scheint. Wenn die Welt da draußen, vor unseren Augen und Sinnen, ein so großartiges Ganzes sei, warum diskutieren wir dann so viele Widerspruchsmomente zwischen unseren Wissenschaften und Ansichten. Die Welt funktioniert, definitiv und offenbar! Dort, da draußen, kann es keine Widersprüche geben, sonst würde unsere Welt nicht so funktionieren können, wie sie funktioniert. Worin also begründet sich dieses Paradoxon unseres Seins?

Es kann nur so sein, dass unsere Theorien eben nicht allgemeingültig genug sind und nicht kongruent zur wahren Natur der Dinge vor unseren Sinnen passen. Es sind nicht die Erscheinungen vor unseren Sinnen, die sich widersprechen, da diese völlig problemlos(!) nebeneinander koexistieren. Davon abzuleiten, dass die Dinge selbst in sich widersprüchlich sind, muss einfach ein unvollständiger Ansatz sein. Es sind lediglich unsere Theorien und Modelle, die diese Widerspruchsmomente portieren. Trotzdem tun wir so, als wenn unsere Modelle und Theorien eine Identität zur natürlich evidenten Erscheinung hätten. Ja mehr noch: Unsere komplette wissenschaftliche Literatur, unser Denken und unsere Diskurse sind, ohne das wir das kollektiv bewusst bemerken, durchsetzt mit subtilen Umkehrformulierungen wie etwa: Das-und-das ist so, weil es das Gesetz von dem-und-dem nicht zulässt. Wir stellen uns psychologisch immer wieder über die Natur der Dinge und verlangen in diesem Verhaltensakt regelrecht, dass sich diese Natur nach unseren Gesetzen zu richten hat. Aus diesem nichtdifferenzierenden Verhalten einer auch hier wieder unterstellten, rein auf unserem Mist gewachsenen Universalrealität entstehen die Widerspruchsmomente ja erst. Wir unterstellen auf dieser Basis, dass jede Theorie eine universale Gültigkeit im Sinne einer übertragbaren, weil universalen Identitätsrealität zur Erscheinung zu haben hat. Das aber ist das typische Unvollständigkeitsdenken unserer Art, weil wir unsere Theorien in diesem Akt über die Natur der Dinge stellen.

Dieses vorausgesetzt geht es in dieser These nun um die Zeit, speziell um unsere (überhebliche) Art, uns über die Bedingungen zu stellen, die die Zeit an unser Sein stellt. Schon wenn wir im Sinne Newtons ein Experiment durchführen, um Beobachtung und Theorie zu ergänzen, spätestens wenn wir so ein Experiment »wiederholen(!)«, genau dann haben wir uns schon überhoben und von uns ausgehend über die Natur der Dinge gestellt. Schon tun wir wieder so, als ob wir(!) mit unseren(!) Gesetzen und Ansichten der Natur vorschreiben könnten, wie sie zu sein hat, weil wir mit diesem Denken, bemerkt oder unbemerkt, immer versucht sind, das gewonnene Wissen, wenn es sich endlich durchgesetzt hat, im Umkehrschluss als finale und unverrückbare Antwort auf die Dinge zu werten. Dieses Denken hat kulturhistorische Tradition: »Macht euch die Erde untertan.« Mit diesem Akt aber schließen wir von vorn herein jeden verallgemeinenderen Prozess zu Erkenntnis aus. Soll keiner sagen, dass das nicht so wäre, wir brauchen uns nur die Geschichte der Wissenschaften anzusehen, wie schwer es schon immer war, bzw. mit welchen tragischen Prozessen den Querdenkern, gerade durch die institutonalisierte/n Religion/en, heimgesucht wurde, bis sich deren Wissen endlich durchgesetzt hatte. Wir denken und werten kollektiv heute noch ganz genauso: Was nicht sein darf, das nicht sein kann!
 
Diskurs:
Speziell die Zeit, mit ihrem bis heute nicht klar erfassten Wesen, ist wie ein Gefängnis, aus dem wir uns nicht befreien können. Mehr noch: Wir können uns, trotz aller philosophischen Jahrtausende und allem wissenschaftlich verfügbaren Wissens bisher nicht sicher sein, was wir unter Zeit zu verstehen haben. Selbst wenn man manche Erscheinungen theoretisch ableiten kann, es bleibt immer noch der von Sir Isaac Newton definierte und bis heute gültige Anspruch exakter Wissenschaft bestehen: Beobachtung, Theorie und Experiment müssen sich gegenseitig bedingen. Bezogen auf alle Widerspruchsphänomene unseres Wissens und unserer Weltsichten, bedeutet das aber, dass wir nur die eine Chance haben uns einer wirklich richtigen Erklärbarkeit des Seins anzunähern, wenn wir unsere Beobachtungen in der Natur in entsprechenden Experimenten »wiederholen(!)« können, um über die Muster der Zustände und Ergebnisse die dahinter stehenden Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und formulieren zu können. Darin aber, aufgrund unserer evolutionstheoretisch und kulturhistorisch gewachsenen Vorstellung in der grundsätzlich existenziellen Lage zu sein etwas wiederholen zu können, begründet sich schon zwangsläufig das Phänomen der erlebbaren Widerspruchsmomente zwischen Zufall, Akausalität, kausal bedingtem Determinismus, und nicht zuletzt bis hinein in die typischen philosophischen Fragen danach, ob wir überhaupt den freien Willen haben oder nicht, aufgrund statistischer Unschärfen. Hier zeigt sich der identische Kern aller Widerspruchsphänomene, und lässt alleine schon vermuten, dass das Grundproblem bei uns, alleine in unserem Denken über die Dinge begründet liegt und nicht im Universum oder in den Dingen selbst. Dieser identische Kern ist die Zeit oder besser: das, was wir unter Zeit verstehen oder zu verstehen gedenken.

Die Frage stellt sich nun, was ist denn eine Wiederholung und wir haben es hier mit dem wichtigsten Attribut des Zeitbegriffs zu tun? Haben Sie, lieber Leser, darüber unter erkenntnistheoretischem Fokus schon einmal nachgedacht? Ich denke nicht, die wenigsten tun das. Was ist die Bedeutung und der tiefere Wesenszug, welche eine Wiederholung ausmachen? Wir haben es hier mit der Frage zu tun, ob wir dabei die Identität eines Vorgangs, Erlebnisses oder speziell eines Experiments und dessen Wiederholung/en beherrschen, aber: beherrschen wir diese tatsächlich und welche Konsequenzen bestehen in diesem Zusammenhang?

Um uns den Konsequenzen zu nähern, müssen wir uns vorab zum Begriff der Identität erklären. Im Alltag gehen wir sehr oberflächlich damit um, weil es kaum eine differente Konsequenz hat. Diese Oberflächlichkeit oder auch Unvollständigkeit aber ist eine Quantität, die nicht unter kritischem Fokus steht, wenn wir uns analytisch in immer besserer Näherung einer Richtigkeit von Theorie gegenüber der Realität des Beobachteten vor unseren Sinnen hinwenden wollen. Wir übertragen allzu leichtfertig die alltäglich oberflächliche Quantität der sehr wohl differenten Konsequenz/en auf die spezifisch notwendige Tiefe analytischer Betrachtung auf dem Weg zu einer richtigen, zur wahren Natur der Dinge vor unseren Sinnen passenden Theorie. Wir missachten unerkannt und typisch die differenzierbaren Unterscheidbarkeiten zwischen zumindest:
a) der betrachteten Erscheinung,
b) dem/unserem Vorstellungsmodell, und
c) dem inbegrifflich Erlebbaren des jeweiligen Bezeichners.

Wir tun so, als wenn der Bezeichner »Currywurst« mit unserer Vorstellung des Geschmacks nicht nur identisch, sondern den Fakt einer Identität in viel tieferem aber unkritisch hingenommenen Sinne hätte. Mehr noch: Wir erleben das so, als wenn das zusätzlich auch noch die absolute »an-und-für-sich«-Identität zum betrachteten Objekt vor unseren Sinnen hätte. Mit diesem Denkakt aber übersehen wir allzu leicht die systemisch organisierte Struktur des Seins und dass jedes System für sich:
a) als das Logische in unserer Begriffswelt,
b) als das Erlebbare in unserer Wirklichkeit, und
c) als das Objekt vor unseren Sinnen
jeweils eine eigenständige Realitätsausprägung beinhaltet! Die Konsequenzen sind genau dadurch die typischen Widerspruchsmomente in unserem Denken aufgrund der damit im Zusammenhang stehenden, unterstellten Universalrealität, die genau diese drei differenten Systeme zu einem einzigen Realitätsbrei zu vermengen sucht. Wir missachten die Tatsache, dass es der Currywurst völlig egal ist, dass sie nach Curry schmeckt, oder einer Zange, dass sie zwickt, wenn sie zwickt; und überhaupt?: wieso zwickt die Zange, an-und-für-sich? Wir sind es doch, die mit der Zange zwicken und ein Solches empfinden, usw. Eine Identität ist, obwohl wir sie permanent unterstellen, wenn wir das/sie konsequent ernst nehmen ein extrem seltenes Attribut unserer Wirklichkeit und das dürfen wir in der folgenden Betrachtung auf keinen Fall übersehen!

Bilden wir nun den Begriff der Identität auf die Wiederholung ab. Zunächst ist eine Wiederholung dadurch gekennzeichnet, dass man versucht ist, aus einem identischen(!) Anfangszustand über einen identischen(!) Systemzustand oder -ablauf zu einem identischen(!) Ergebnis zu kommen. Hierbei ist aber die konsequenteste Bedeutung von Identität eben diese: Wenn ein Experiment, oder allgemein ein beliebiger Vorgang, »in letzter Konsequenz«(!) identisch ist, dann ist es auch das Ergebnis! Was aber würde uns das nutzen? Wenn das/unser Sein so absolut kausaldeterministisch gestrickt wäre, dann bräuchten wir ja keine Wiederholungen, denn jede solche würde nichts neues oder anderes bzw. ähnliches mehr erbringen. Das würde aber wiederum bedeuten, dass wir damit ein entweder eindeutig kausales Gesetz sofort erkennen könnten und wir könnten getrost auf eine Wiederholung verzichten, oder dass dieses eben nicht erkennbar ist. Das alte Sprichwort »Kein Gesetz ohne Ausnahme!«, das auch in der Mathematik so gilt, trifft völlig zu. Was nutzt uns ein Gesetz, wenn dieses, die sich davon abgrenzende, eben anders seiende oder differente Ausnahme nicht implizit reflektiert?! Völlig ungeachtet dessen, ob diese Ausnahme tatsächlich, als realer Zustand vor unseren Sinnen vorkommt. Genau hier treffen wir auf des Pudels Kern: Ohne Unschärfe kein Gesetz und damit schließt sich ein erster Kreis. Mit dieser Bedeutung können wir uns, in unserer Realität, »immer(!) nur« an ein Gesetz annähern, dieses formulieren und darauf hoffen, dass uns in Zukunft keine Ausnahme begegnet. Letztlich aber bleibt genau deshalb, weil das ein systemisches Prinzip ist, immer eine Restunschärfe oder Restunvollständigkeit in all unserem Erkenntnisstreben zurück, womit wir wieder einmal bei der prinzipiellen Gödelschen Unvollständigkeit angelangt sind und das belegt erneut eindeutig, dass Erkenntnis immer ein evolutiver Prozess zwischen vervollständigender Anpassung (Wandel) und/oder Auslese von anstehendem, momentan gültigem Wissen ist. Wissen kann immer nur temporäre Gültigkeit im Sinne von unvollständiger letztlicher Richtigkeit haben. Es kann grundsätzlich niemals ausgeschlossen werden, dass bestehendes Wissen, und erscheint es noch so hochgradig gültig, letztlich für bestimmte Bereiche des Seins nicht doch noch zu grob, weil zu spezifisch und insofern unvollständig ist bzw. weiter verallgemeinert werden muss. Aus bestehendem Wissen kann definitiv und grundsätzlich niemals, wie so manche gerade geglaubte Weltsicht zu portieren sucht, eine finale Antwort auf die Dinge abgeleitet werden. So gesehen würden sich Quantenphysik und makroskopisches Weltall sogar erst einmal völlig konform ergänzen, denn genau das ist es ja, was wir um uns herum tagtäglich erleben. Überall sind Unschärfe und Determinismus eine mit dem typischen Widerspruchsmoment/en belastete, bisher offene Frage.

Kritiker dieses Ansatzes mögen hier mit Recht einwenden, dass ja genau das ein Experiment ausmacht; dass man eben genau deshalb alle störenden und zur Unschärfe gereichenden Bedingungen so weit als möglich abschirmt. Aber: Es muss einen ursächlichen und tieferen Seinsgrund geben, der einerseits diesen prinzipiellen Unschärfezustand unseres Seins bedingt (Gödel). Andererseits, so wir diesen erkennen, sollte dann aber auch zu erklären sein, warum unsere Welt so ist, wie sie eben ist. Es kann nicht sein, die (von uns gemachten!) Widerspruchsmomente in unserem Wissen einfach als wie auch immer gegebene Eigenschaft des Weltalls oder gar des Universums hinzunehmen oder gar, in der typisch zentralistischen Manier unseres Denkens und Wertens, aus unseren Theorien heraus auf dieses zu übertragen suchen. So, als wenn sich die Natur immer und absolut nach unseren Theorien zu richten hätte. Unschärfe darf nicht einfach mit den darin liegenden Widerspruchsmomenten in Beziehung gebracht werden, weil ersteres ein Seinsprinzip ist und letzteres ein menschengemachtes Denken! Wenn wir diesen Grund erkennen und formulieren können, so erhalten wir die Basis, den Zufall und den Determinismus, sowie alle weiteren widersprüchlichen Erscheinungen neu definieren zu können und die Widerspruchsmomente wären keine mehr.

Zusammengefasst bedeutet das, dass ein Experiment, das nicht absolut identisch verläuft, hinsichtlich der zu erwartenden Unschärfe nur bedingt Sinn macht und ein Experiment, das theoretisch, wie auch immer, absolut(!) identisch wäre, erst recht nicht. Auch hier tut sich ein Widerspruchsmoment zu unserem Denken auf, das aus grundsätzlich erkenntnistheoretischen Erwägungen so nicht zu lösen ist (siehe: eindimensional codiertes Denken!). Es ist die gleiche Situation, wie sie auch in der Philosophie bekannt ist. Es besteht ein Spagat zwischen den beiden extremen Standpunkten der sogenannten harten und der weichen Lesart. Die harte Lesart wäre hier die zu fordernde, absolute Identität, die wir aus o.g. Gründen, weil das Sein so gestickt ist, prinzipiell nicht erreichen können, und die weiche Lesart, die im Extrem viele Experimente des gleichen Vorgangs ohne jegliche Abschirmungsversuche von Ergebnis beeinflussenden Faktoren dermaßen unscharf werden lassen, dass man aus den Ergebnismustern der vermeintlichen Wiederholungen nichts Sinnvolles mehr ableiten kann, außer der statistischen Bandbreite des Rauschens. Diese Situation bzw. dieser strategische Lesartenansatz aber widerspricht erkenntnistheoretisch aus Prinzip und grundsätzlich jeglicher fundierten Lösbarkeit, da man sich immer in einer eindimensionalen, zwischen den Extrema befindlichen Kompromisssituation wiederfindet. Jede Standpunktsdiskussion dazwischen geht nur mit willkürlich erscheinenden, wenn oftmals auch hochwissenschaftlich fundierten Definitionen und Ansichten einher, die der eigentlichen Klärung generell widerstehen: Zufall und Determinismus sind, wie viele andere Erkenntnissituationen auch, so nicht eindeutig definierbar! Jeglicher Versuch einer Welterklärung auf dieser Basis ist hierbei nur der unbefriedigende Akt eindimensionalen Denkens und genau das erleben wir tagtäglich (siehe hierzu unbedingt These 8: »Wir denken zu eindimensional«!)! Nicht umsonst versucht das menschliche Denken dieses Widerspruchsmoment seit Anbeginn der Philosophie und Wissenschaften zu lösen, ohne bis heute eine wirklich gelöste Antwort erhalten zu haben.

Was also ist die Voraussetzung von absoluter Identität? Betrachten wir einen typischen Versuch: das Welle-Teilchen-Experiment. Es geht hierbei darum zu erkennen, wann und warum ein Quant einmal als Welle und ein andermal als Teilchen in Erscheinung tritt (siehe hierzu These 7. »Paradigmawechsel«, 4. Beispiel: Beeinflusst der Akt des Beobachtens das Ergebnis eines Quantenexperiments?). Gerade die Quantenphysik treibt ob der Winzigkeit der Objekte den Aufwand, mit extremen (teuren) Mitteln, alle beeinflussenden Größen abzuschirmen. Das gelingt mit fortschreitender Technologie immer besser. Dabei aber ergibt sich ein fundamentales Problem: Das, was wir generell nicht abschirmen können, sind der Raum und die Zeit, in der das Experiment stattfindet, wenn man dieses wiederholt oder besser: »zu wiederholen glaubt«. Die Zeit ist eine andere und der Raum auch, weil sich die Erde weiterbewegt hat. Wenn man diese Entitäten nicht abschirmen kann, dann darf man aber auf der anderen Seite nicht a priori und völlig blind bzw. in unvollständiger finaler Denkweise daraus folgern, dass diese ob ihrer, im relativ kleinem Raumzeitbereich des Experiments unterstellten(!) Homogenitäten und Isotropien nur einfach zu ignorieren sind: Wir können nämlich grundsätzlich nicht feststellen, ob der Zeitbereich und der Raum »an-und-für-sich«(!) eine ganz andere Beeinflussungsgröße auf das wiederholte Experiment darstellen als vorher. Die Art der Einflussnahme hat hierbei eine ganz andere Qualität: Ein vermeintlich wiederholtes Experiment einschließlich des dabei anstehenden Raumzeitzustandes ist ein ganz anderer, neuer und vom vorhergehenden Experiment völlig unabhängiger, ganzheitlicher Zustand seines Seins. Deshalb darf man nicht von vorn herein ausschließen, dass jedes Experiment und jeder andere, beliebige Raumzeitbereich im Weltall zusammen(!) mit dessen jeweils materiell-energetischen Inhalt eine untrennbare, individuelle und einmalige Zustandsgemeinsamkeit sowohl im makroskopischen, als auch im Quantenbereich darstellt. Mit solchem Denken verbindet sich das wissenschaftlich Getrennte zwischen der Quantentheorie und der Einsteinschen Allgemeinen Relativitätstheorie erst einmal zu einer ersten Gemeinsamkeit, ohne dem bestehendem Wissen beider spezialisierten und deshalb nicht allgemein gültigen Theoriensysteme grundsätzlich zu widersprechen! Raum und Zeit sind quantenmechanisch zwar keine beeinflussenden Zustandsgrößen im physikalischen Sinne (so zumindest die Aussage aus der Theorie!), aber genau hier entsteht das Problem, denn das ist eine Unterstellung und kein verifiziertes Wissen. Wir können aus Prinzip nämlich immer nur etwas Entdecktes schlussendlich als Seiend »definieren(!)«, aber niemals im Voraus etwas Unentdecktes, und hier schließt sich ein weiterer Kreis: Erstens sind der Raum und die Zeit in den quantenmechanischen Zuständen, oder besser differenzierend: »Zustandsbeschreibungen der Teilchen«, kein in der Theorie auftretender mathematischer Fakt. Aber selbst wenn das so ist, so kann man nicht unterstellend davon ableiten, dass diese Entitäten keine grundsätzlich zuständlichen Seins-»bedingungen(!)« auf das Experiment stellen, aus deren(!) Gesamtzustand sich auch ein individuell zugehöriger, spezifischer Quantenzustand bedingt. Ein Nichterkennen kann kein a-proiri-Ausschließungsfakt sein! Hier ist wieder das unvollständige, weil reduktionistische Denken in abgrenzendem Betrachtungssinne am Wirken, weil man gedanklich nur im Quantensystem verbleibt und das einbettende Quantenäußere, also Raum und Zeit als Zustandsgrößen, nicht einbezieht. Zweitens gibt es einen Fakt in unseren alltäglich üblichen, aber auch wissenschaftlichen Weltsichten, der offenbar, hinsichtlich der bisher kritisierten typischen Denkweise von uns Menschen, höchst unvollständig ist und aus disziplinären Abgrenzungsgründen sowie der andauernden, latent unterstellten Universalrealität kaum in den klaren, erkenntnistheoretischen Fokus kritischer Analyse gerät, abgesehen von paar wenigen Konstruktivisten: Basierend auf längst bekanntem Wissen aus Physik und Biologie, sowie Neurophysiologie haben wir definitiv keinen erkennbaren, physischen Sinn an unserer Körperoberfläche, der (auf die Formulierung achten:) »einen unmittelbaren(!) Zugang zu den Entitäten Raum und Zeit, sowie auf Energie und Materiemasse in der Realität vor unseren Sinnen hätte«, also den (vermeintlich!) grundlegendsten Entitäten des/unseres umgebenden Seins überhaupt, in das wir eingebettet sind (siehe hierzu These 2. »unser physikalisches Weltbild steht Kopf«!). Wie also gelangt diese oder besser: eine wie auch immer geartete Realitätsausprägung, vor unseren Sinnen befindlich, in die empfindungsfähige Wahrnehmung unseres Bewusstseins, das diese (unsere!) Realität aber definitiv und unzweifelhaft besitzt (wer wollte oder sollte dem auch widersprechen?!), oder anders ausgedrückt: Wie kommt die Farbe, die Helligkeit, aber auch der Empfindungseindruck von Dunkelheit, die Sinfonie, die Stille, der Geschmack der Currywurst, oder das Zwicken der Zange usw. in unser Gehirn und damit in unser wahrnehmendes Bewusstsein?! Wir haben schon hier ganz grundlegend ein offenbar höchst unvollständiges, weil zu spezifisches und deshalb eben nicht allgemeingültig übertragbares Weltbildsystem, das aber trotzdem als ein kritiklos hingenommenes und hinsichtlich Allgemeingültigkeit »absolut final richtig so zu seiendes Sein« in all unser Denken und Werten einbezogen ist. Davon aber im Umkehrschluss abzuleiten, dass dieses Weltbild falsch sei, ist selbst ein definitiv eindimensional codiertes und somit unvollständiges entweder-oder-Denken das uns nicht weiterbringt, denn schon wäre wieder ein Widerspruchsmoment geboren. Diese unsere, aber individuell so wahrgenommene Realitätsausprägung, woher und wie auch immer diese in unser Bewusstsein gelangt, ist wie sie ist, definitiv mathematisch und physikalisch, und sie hat zu unserem Überleben bis heute funktioniert! Wer wollte auch leugnen, dass diese Weltwahrnehmung, so wie sie sich in unserem Bewusstsein auskristallisiert und völlig unabhängig davon, wie die oder eine »Realität vor unserem Bewusstsein« tatsächlich aussehen mag, nicht mathematisch und physikalisch zu berechnen ist? Tun wir das doch tagtäglich so!

Um nun ein Quantenexperiment oder einen beliebigen anderen alltäglichen Vorgang, den wir uns selbst überlegen können, im Sinne absoluter und konsequenter Identität zu Wiederholen, müssten wir also den Raum und die Zeit abschirmen. Wie aber soll das gehen? Es gibt nur eine einzige theoretische Möglichkeit dazu: Wir müssten ein Experiment oder jeden beliebigen Vorgang einschließlich(!) des Beobachters, so es denn absolut identisch sein soll, auch in der Raumzeit so zurückversetzen, dass es an der ursprünglichen Raumzeitposition »erneut(!)« startet bzw. starten würde. Nur dann und dort wäre ein Experiment in seinem ganzen, nun auch raumzeitlichen Quantenzustand, über den kompletten Zeitverlauf des Experiments, einschließlich des Beobachters, absolut identisch. Genau das aber können wir eben nicht!

An dieser Stelle müssen wir den Begriff des Zustandes, der in der Quantenphysik eine so grundsätzliche Rolle spielt, mit letzter Konsequenz einbeziehen! Wenn wir, wie in der Quantenphysik schon längst so interpretiert, davon ausgehen, dass das ganze(!) Experiment aus der Sicht der, unser Weltall und uns einbettenden Quantenrealität einen einzigen quantenrealen Zustandskomplex bildet, der auch den Raum und den Zeitpunkt sowie, ganz wichtig: den Zeitverlauf, an dessen Positionen das Experiment in unserer wahrgenommenen Realität stattfindet, einbeziehen, so und nur so würde das einer Abschirmung (Achtung:) »anderer(!)« raumzeitlicher Zustandsanteile, die zu eben anderen oder nur ähnlichen Ergebnissen führen würden, gleichkommen. Wir müssen, und das ist nun völlig konform mit der Quantenphysik, hier von einer Zustandsentität oder von einem/dem quantenrealen Zustandsattribut der Raumzeit sprechen. Die Folge wäre, dass das Experiment, so diese nun über ausnahmslos alle Entitäten »identischen« Bedingungen eingehalten wären, immer bei jeder nun tatsächlich, wenn auch hypothetischen, absoluten Wiederholung auch identisch abläuft und das Ergebnis zu diesem(!) Raumzeitbereich genau das Ergebnis ist, das es nun mal ist, oder war, und kein anderes! Zu jedem, nun (von außen betrachtet:) individuellen, »an-und-für-und-zu-sich-selbst«-identischen Experiment gehört nun unabdingbar genau der quantenreale Zustandskomplex, aus dem das Experiment in unserer erfahrbaren Realitätsausprägung gewoben ist oder war, demzufolge auch das Ergebnis, letztlich auch im Denken des/eines Beobachters. Zu jedem individuellen und dazu raumzeitlich zurückversetztem, wiederholten Experiment hätte man beim Welle-Teilchen-Experiment entweder die Welle oder eben das Teilchen vorliegen, aber zu jedem Experiment, individuell zuständlich bestimmt das Ebensolche Identische aus den beiden prinzipiellen Erscheinungsformen. Es ist also wesentlich richtiger hier nicht von »Welle oder Teilchen« zu sprechen, sondern gesamtzuständlich bezogen von »Welle bzw. Teilchen«, und schon ist das alte quantenphysikalische Widerspruchsmoment verschwunden, das die Formulierung »(entweder) Welle oder Teilchen« schon impliziert! Damit ergibt sich, dass es eben keine scheinbar notwendige Wahlfreiheit des Quants oder anderer Ergebniszustände beliebiger Vorgänge in den »wiederholten« Experimenten unserer Raumzeit vor unseren Sinnen gibt, aber eine offenbar erscheinende Wahlfreiheit, wenn wir das Experiment im uns möglichen raumzeitlichen Rahmen zu wiederholen glauben. Insofern kann man auf dieser Basis, ohne Widerspruch zu bisherigem, lediglich zu spezifischem Wissen definieren:

Ein jedes Experiment und jeder beliebige Vorgang ist absolut in sich determiniert, weil aus dem zugehörigen Zustandskomplex des, unter unseren bewussten Realitäten liegenden, einbettenden Systems der Quantenrealität gebildet. Bei einer ganz normalen von uns versuchten Wiederholung aber »verschmiert« dieser »vertikal aus der einbettenden Quantenrealität in unsere Raumzeit hineinragende« Determinismus zu einer erlebten und erlebbaren Wahrscheinlichkeit bezüglich der möglichen Ergebnisse, da jedes vermeintlich wiederholte Experiment neu determiniert und aus einem, vom ursprünglichen Erstexperiment unabhängigen Zustandskomplex gebildet ist. Auf dieser Basis lässt sich nun endlich auch der freie Wille und die damit verbundenen Widerspruchsmomente lösen: Wir sind, genauso wie jedes andere energetisch materielle Gebilde in dem uns umgebenden und von uns wahrgenommenen Weltall, zu jedem raumzeitlichen Bereich aus einem individuell anstehenden Zustandskomplex der Quantenrealität absolut neu determiniert gebildet und insofern haben wir in und zu jedem infinitesimal kurzen Gegenwartsmoment keinen freien Willen. Aber: Wenn wir unser Denken und Handeln über viele solche Gegenwartsmomente überdenken und betrachten, vorher Entscheidungen treffen oder nachher reflektieren, dann erleben wir, absolut real, als Anteil dieser unserer individuellen Realität eine offenbare Wiederholbarkeit, die aber genau deshalb nur zu Wahrscheinlichkeiten führt, weil die vielen anstehenden Zustandskomplexe aller involvierten, sehr wohl determinierten Gegenwartsmomente über die Zeit zu einem statistischen Mittelwert verschmieren, der Entscheidungs- und Handlungsalternativen offen lässt. Unser Denken und Handeln, als zeitliche Folge dieser, zu jedem Raumzeitmoment immer neu anstehenden, determinierenden Zustandskomplexe aus dem, unserem Seinsweltsystem »vertikal« unterlagerten Quantenrealitätssystem, lässt uns durch das »horizontal« zeitliche Verschmieren vieler determinierter Zustands- bzw. Gegenwartsfolgen völlig real in unserer Realitätswahrnehmung den freien Willen. Somit lässt sich nun durch systemisch differenzierendes Denken der »zeitlich horizontale« freie Wille ganz genauso begründen, wie der »vertikale« Determinismus, der aus dem einbettenden System »Quantenrealität« in unsere »Wahrnehmungsrealität/en« hineinragt. Wenn wir das so sehen und interpretieren, dann lösen sich alle grundlegenden Widerspruchsmomente in Philosophie und Naturwissenschaften ein für alle mal auf und(!): diese ganzheitliche, differenzierende Realitätensicht aufgrund systemischer Strukturorientierung des/allen Seins (das Aufgeben des Paradigmas der vermeintlichen Universalrealität!) beläst das bisherige Wissen mit all seinen Widerspruchsmomenten unangetastet, da diese lediglich nicht allgemeingültig und insofern eben nicht übertragbar sind, was nachgerade der Urgrund der/unserer Widerspruchsmomente ist. Unser Wissen wird dadurch kongruenter zur »Realität vor unseren Sinnen« und einer, wie auch immer gearteten, davon differenzierbaren »Realität vor unserem Bewusstsein« (der Quantenrealität), in die das Weltall und damit auch wir mit unseren Gehirnen und unserem darin lokalisierbarem Denken, völlig konform mit den Wissenschaften, eingebettet sind.

Ein Quant oder ein Ergebnis ist also, wie es eben erscheint oder erschien: In und zu jedem Experiment absolut neu(!) determiniert, so oder so in Abhängigkeit des kompletten Zustandskomplexes des ganzen Experiments, einschließlich des Raumzeitzustandes und des Beobachters. Wenn wir das komplette Experiment, einschließlich des Beobachters, (gedanklich!) zeitlich zurückversetzen würden und dieses viele Male »(nun wirklich!) wiederholen«, dann würde das Ergebnis immer das absolut Identische sein. Nur (leider) wüsste der Beobachter davon nichts, da er ja einschließlich seines Bewusstseinszustandes mit dem kompletten Experiment in der Raumzeit zurückversetzt wäre und das Experiment (aus unserer äußeren Sicht!), auch hinsichtlich seines Bewusstseinszustands, identisch durchführt und das Ergebnis erfährt. Aufgrund dieser Analyse ist es im Folgenden möglich, der Identität, dem Zufall und dem Determinismus, sowohl in der Quantenphysik als auch(!) in unserer erfahrbaren Realität eine neue, nun viel passendere, weil vollständigere und allgemeingültig übertragbare Definitionen zu geben, ohne den bekannten Erscheinungen und dem bisherigen, lediglich zu spezifischen, sich abgrenzenden und damit unvollständigem Wissen zu widersprechen! Dieser »vertikale« Neudeterminismus steht nun völlig entkoppelt und problemlos, ohne Widerspruchsmomente zu den »horizontalen« Erscheinungen des/unseres freien Willens und der physikalischen, zeitlich bedingten Kausalität gegenüber. Der althergebrachte Determinismusbegriff ist nur deshalb so mit Widerspruchsmomenten behaftet, weil wir diesen zusammen(!) bzw. »horizontal«-eindimensional mit den sich damit widersprechenden Erscheinungen unserer Realitäten unter dem Paradigma eines einzigen universal gültig zu sein habenden Realitätsbreis sehen.

Noch eine kurze Anmerkung zur sog. Kopenhagener Deutung, wonach schon alleine der Akt des Beobachtens des Beobachters das Ergebnis eines Quantenexperiments determiniert (und das scheint tatsächlich so zu sein, wenn man sich bestimmte Experimente ohne systemisch differenzierendes, also eindimensionales Denken anschaut) und ohne hier näher darauf eingehen zu wollen: Wer die Kopenhagener Deutung mit all den interpretativen Nachbesserungen kennt und dieses hier vorgestellte, systemisch differenzierende, zweidimensional erweiterte Denken ansetzt (vertikal und horizontal, sowie(!) nicht mehr eindimensional codiert »entweder-oder«, sondern »bzw.«), der wird erleben, dass diese Deutung nun endlich überflüssig ist, da sich nun alles sauber zueinander ergibt. Der vom universalen Realitätsbrei entkoppelte Neudeterminismus ist auch hier die Lösung dieser höchst kontraintuitiven, weil mit Widerspruchsmomenten belasteten Interpretation aus der Historie der Quantenphysik.
 
Resümee:
Unsere alltägliche Zeitvorstellung vom Verlauf der Dinge ist bisher unmittelbar gekoppelt an die Vorstellung des Wiederholbaren. Dieser weitestgehend kritiklos hingenommene Zusammenhang ist einer der Hauptgründe, warum unsere Vorstellung über die Zeit nicht in allen Bereichen stimmt, sondern nur in der Physik zusammen mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Bezogen auf alle anderen Bereiche unseres Seins aber ist diese Vorstellung nur unvollständig, denn in spezifischen Bereichen unserer alltäglichen Existenz und deren Wahrnehmung war und ist, bei aller philosophischer Betrachtungstiefe und Betrachtungskonsequenz, unsere wahrgenommene Realitätsausprägung zum Überleben richtig und insofern völlig real. Das aber eben nur innerhalb unseres, aus dem systemischen Prinzip des unvollständigen Wahrnehmungssystems unserer Realitätsausprägung, wie es die nach Gödel benannte Unvollständigkeit systemischen Seins beschreibt. Wer sollte oder wollte das auch anzweifeln?! Nur lediglich eine verallgemeinernde Übertragbarkeit unserer, auch und gerade individuell ausgeprägten Realitätserfahrungen in eben andere, spezifische Systembereiche des Seins ist nicht sinnvoll und zerstört die kanonische Kongruenz unseres Denkens (unsere Theorien und Modelle) gegenüber der »Realität vor unseren Sinnen«. Genau dadurch treten die Widerspruchsmomente in unserem Wissen ja erst auf. Diese sind somit der rein menschengemachte Akt und Ausdruck einer, in unseren Modellen gegenüber der wahren Natur des Seins, unterstellten universalrealen Struktur, die eben keine kongruenten Entsprechungen in den Systemstrukturen des Universums und in der Realität des Weltalls vor des Menschen Sinnen haben: Es gibt in letzter Konsequenz bezüglich Identität keine echte Wiederholbarkeit und jedes Wissen, dass sich trotzdem darauf begründet, ist, so man es zu übertragen sucht und erst dann, zwangsläufig unvollständig einerseits mit Widerspruchsmomenten behaftet und andererseits zu nur noch Wahrscheinlichkeiten verschmiert! Diese allerdings sind sehr wohl und nichts anderes, als der ganz normal Fakt des Seins, weil sich die Natur der Dinge so verhält, wie sie sich verhält: völlig mathematisch und insofern unbezweifelbar real! Wir müssen lediglich aufhören das evolutionstheoretisch und kulturhistorisch gewachsene Denken in die Wissenschaften zu übertragen. Hier sind diese überlebenstaktischen und -strategischen Denk- Wertungs- und Verhaltensweisen fehl am Platze. Der grundlegende Paradigmawechsel, weg von der Universalrealität und hin zu systemisch orientiertem, realitätsdifferenzierendem Denken in bestmöglicher Konsequenz zum Neudeterminismus und der damit in Zusammenhang stehenden Identität, ist das längst ausstehende Denken, das wir aber brauchen wenn wir effizient weiterkommen wollen im Prozess zu Erkenntnis.

Wiederholbarkeit aufgrund unserer universalrealen Vorstellung des Seins ist ein starker Faktor in unserem Zeitverständnis. Die uralte Frage »Was ist die Zeit?« ist nun also auf dieser Basis endlich zu beantworten. Wir sind es, die durch einen unvollständigen Ansatz nie wussten, was sie ist, weil wir bisher nicht systemisch zu differenzieren wissen. Unser Zeitverständnis basiert auf dem geglaubten, hingenommenen Fakt, dass wir(!) der Natur vorstehen könnten: »Macht euch die Erde untertan!«, wir also der Natur vorschreiben könnten, wie sie zu sein hat, siehe oben »die Currywurst« oder »die Zange«. Wenn wir davon ausgehen dass wir in letzter Konsequenz eben nichts wiederholen können, dann wirft das ein ganz anderes Licht auf unser Verständnis von Zeit und Sein, und das, ohne bestehendem, lediglich zu spezifischem Wissen grundsätzlich zu widersprechen und ohne uns im Alltag davon zu entheben, doch etwas wiederholen zu können. Dann aber eben nur die Neudeterministisch verschmierten Wahrscheinlichkeiten zu erleben, denn die Natur der Dinge vor unseren Sinnen ist genau so gestrickt: völlig mathematisch und ohne(!) Widerspruchsmomente. Insofern können wir uns beantworten: Zeit ist, genauso wie Raum und alles andere Seiende in diesem Weltall nicht die Bühne, auf der alles geschieht, bzw. das Medium, in das hinein wir bestimmen könnten, sondern in identisch interpretierender Weise eine quantenreal operierte Erscheinung des Seins in unserer Wahrnehmung, die uns völlig real unseren freien Willen in der »Horizontalen«, am Zeitstrahl entlang, belässt. Damit ist, völlig konform mit der Quantenphysik und aller anderen Wissenschaften einschließlich der Philosophie, die Raumzeit lediglich ein spezifisches Attribut des Seins, das genauso neudeterminiert ist, wie alles andere auch. Alles bleibt also wie gehabt, ist aber auf dieser Basis vollständiger, weil allgemeingültiger, erklärbar! Auf dieser Denkbasis nun ist die Zeit erklärbar, wenn das der Augustinus noch erleben könnte!
 


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